Tesla Roadster II vorgestellt: Ganz schön abgehoben - Raketentechnik sei Dank
„This car really sucks“, sagt Elon Musk bei der Vorstellung des Tesla Roadster. Das ist wörtlich gemeint: Der Tesla Roadster saugt sich mit einem Gebläse auf die Straße und generiert so eine Anziehungskraft von bis zu 2 g. Der Ground Effect, den Rennsportwagen seit Jahrzehnten nutzen, um in schnellen Kurven Abtrieb zu erzeugen, wird bei diesem Tesla künstlich generiert. Mit Kaltgastriebwerken kann der Roadster sogar kurze Distanzen springen. Das demonstriert ein Prototyp bei der Präsentation: Dieses Ding ist eine Mischung aus den Raketen von SpaceX und der 80er-Jahre-Fernsehserie Knight Rider.
Die Formensprache des Roadsters ist kantig und reduziert.
(Bild: Tesla)
Den Produktionsstart kündigt Elon Musk für 2028 an, Details nennt Tesla auf seiner offiziellen Roadster-Seite. Es wird drei Varianten geben: den Tesla Roadster Performance, den Thrust und den Rocket. Für eine Reservierung eines Roadster Performance mit aktivem Ground Effect sind zunächst 5000 US-Dollar per Kreditkarte fällig, weitere 45.000 US-Dollar müssen innerhalb von zehn Tagen überwiesen werden. Was die Modelle schlussendlich tatsächlich kosten werden, wurde noch nicht verraten.
In 0,81 Sekunden auf 60 mph
Der Roadster Thrust hat darüber hinaus den horizontalen Beschleunigungsbooster durch Kaltgastriebwerke. Hier steigt die Reservierungssumme auf insgesamt 250.000 US-Dollar. Das Versprechen: In unter einer Sekunde ist der Sprint erledigt. Bei der Präsentation legt der Prototyp 0,81 Sekunden hin, wobei hier wahrscheinlich nicht 100 km/h, sondern 60 Meilen pro Stunde gemeint sind, also 96 km/h.
Der Tesla Roadster hat serienmäßig einen künstlichen Ground Effect. Dieses Gebläse erzeugt Abtrieb und ist auch in der Basisversion Performance (Bild) vorhanden.
(Bild: Tesla)
Den sprungfähigen Tesla Roadster Rocket produziert das Unternehmen dagegen nur „auf Einladung“, für den öffentlichen Straßenverkehr ist diese Version auch nicht zugelassen. Er dient also der Fantasie oder als fahrendes Experiment für ein paar Superreiche. Das Team von Elon Musk will ein Stück des Raumfahrtunternehmens SpaceX auf die Erde holen. Designer Franz von Holzhausen hat eine kantige Form gestaltet, deren Oberflächen Assoziationen mit der Raumfahrt auslösen sollen.
Kopfüber dank Anziehungskraft
Kommen wir zurück auf den Boden der Wirklichkeit und ordnen den Tesla Roadster ein: Fast zwei Jahrzehnte nach dem ersten Elektroauto der Marke, dem Roadster I auf Basis des Lotus Elise, verspricht Tesla den Roadster II. Die vor rund zehn Jahren gezeigte Studie für einen Nachfolger ist nie umgesetzt worden. Stattdessen soll es nun eine Art elektrischer Lamborghini mit aktivem Ground Effect sein.
Der künstliche Ground Effect mit einem Gebläse ist vom McMurtry Speirling bekannt. Das Elektroauto hat zuerst 2021 auf dem Goodwood Festival of Speed für Aufsehen gesorgt. Offensichtlich hat sich Tesla von McMurtry inspirieren lassen: Der Speirling kann kopfüber hängen, so leistungsstark sind die Gebläse, und genau so hat es der Roadster bei der Premiere gezeigt.
(Bild: McMurtry)
Dass er mit 2 g Anziehungskraft kopfüber hängen kann, ist glaubwürdig. Dieses System ist nämlich bekannt und erprobt: Der McMurtry Speirling hat vor fünf Jahren auf dem Goodwood Festival of Speed in Großbritannien erstmals für Aufsehen gesorgt. Der Speirling geht in 1,4 Sekunden auf 60 Meilen pro Stunde, und offensichtlich hat sich Tesla hier inspirieren lassen.
Der Tesla Roadster Rocket hat Kaltgastriebwerke, mit denen er kurze Distanzen springend und drehend überwinden kann. Diese Version wird allerdings nur "auf Einladung" gebaut, also mutmaßlich in Handfertigung für ein paar Superreiche. Für den Straßenverkehr wird sie nicht zugelassen sein.
(Bild: Tesla)
Wie genau die Kaltgastriebwerke im Roadster Thrust und Rocket funktionieren – also zum Beispiel, welches Gas benutzt wird –, verrät Tesla noch nicht. Klar ist, dass Tesla via SpaceX die Mikrosteuerung von Raketen beherrscht. Die Sprünge und Drehungen um die eigene Achse, die der Prototyp des Roadster Rocket bei der Vorstellung gezeigt hat und die an ein Skateboard erinnern, sind real.
Der Roadster soll langfristig der einzige Tesla sein, der von Menschen gesteuert werden kann. Hierfür hat er das bekannte Yoke-Lenkrad, das ohne mechanische Verbindung "Steer by Wire" arbeitet.
(Bild: Tesla)
Musk: „Wo wir hinwollen, brauchen wir keine Räder.“
Wie schon öfter mal in der Vergangenheit lohnt es sich, auf das zu hören, was Elon Musk nebenbei sagt. Langfristig, so stellt er klar, sei der Roadster der einzige Tesla, der von Menschen gefahren werden könne. Tesla strebt ausschließlich autonome Fahrzeuge an. Das Lenkrad des Roadsters arbeitet per Steer-by-Wire, also ohne mechanische Verbindung; diese Technologie gilt als eine Voraussetzung für wahlweise manuelles oder autonomes Fahren. Die Höchstgeschwindigkeit des Roadsters könne bei Mach 0,5 und noch mehr liegen, sagt Elon Musk, mithin bei der halben Schallgeschwindigkeit, und er ergänzt: „Wo wir hinwollen, brauchen wir keine Räder.“
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