Darum leiden Frauen deutlich mehr unter der Hitze als Männer

- Auch die Umfrage zum Hitzesommer 2026 zeigt klar: Frauen litten deutlich stärker unter extremen Temperaturen als Männer.
- Das hat eine Vielzahl von Gründen: Biologische und hormonelle Faktoren machen Frauen anfälliger für hohe Temperaturen.
- Aber auch sozioökonomische Faktoren können die Belastung zusätzlich verstärken.
Die hohen Temperaturen der letzten Wochen hat vielen Menschen zu schaffen gemacht. Andere sind ihretwegen direkt aufgeblüht. Das zeigt auch die Umfrage zum Hitzesommer 2026 von 20 Minuten, Tamedia und Leewas. Sie deckt zudem auf, dass die Erfahrungen mit der Hitze auch mit dem Geschlecht zu tun haben: Deutlich mehr Frauen gaben an, sich «sehr stark» (16 gegenüber 7 Prozent) oder «stark» (30 gegenüber 22 Prozent) gesundheitlich oder körperlich beeinträchtigt gefühlt zu haben.
Zur Umfrage
12’780 Personen aus der ganzen Schweiz haben am 19. und 20. August an der Umfrage zum Hitzesommer 2026 von 20 Minuten und Tamedia teilgenommen. Die Umfrage wurde in Zusammenarbeit mit LeeWas durchgeführt. LeeWas modelliert die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,4 Prozentpunkten. Weitere Informationen zu den Umfragen sind unter 20minuten.ch/umfragen abrufbar.
Männer, Frauen und die Hitze: Darum leidet ein Geschlecht mehr
Das ist kein Zufall. Gleich mehrere biologische Aspekte führen dazu, dass Frauen bei hohen Temperaturen mehr zu kämpfen haben als Männer.
Physiologische Aspekte
Frauen leiden bei Hitze häufiger als Männer, weil sie etwas weniger Schweissdrüsen haben. Dadurch profitieren sie weniger vom sogenannten Verdunstungsschwitzen. Weiter sind Frauen in der Regel kleiner und haben einen höheren Körperfettanteil, «heizen sie schneller auf und kühlen schlechter wieder ab», sagt Yukiko Nave, Gynäkologin und Klimaaktivistin bei Health for Future, zur «Apotheken Umschau».
Auch der bei Frauen häufig niedrigere Blutdruck spielt eine Rolle. Denn bei hohen Temperaturen sinkt der Blutdruck zusätzlich. Das kann Kopfschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Krämpfe und Kreislaufprobleme begünstigen.
Hormonelle Aspekte
Hitze belastet den weiblichen Körper auch, weil sie den empfindlichen Hormonhaushalt beeinflusst. So lässt starker Hitzestress unter anderem das Stresshormon Cortisol steigen. Das kann den Eisprung verschieben oder unterdrücken und dadurch die Periode verzögern, verändern oder ausbleiben lassen. Das stresst zusätzlich. Hinzu kommt: Bei Hitze erweitern sich die Blutgefässe, wodurch Blutungen und Krämpfe intensiver werden können, was ebenfalls nicht zum Wohlbefinden von Frauen beiträgt.
In den Wechseljahren können hohe Aussentemperaturen die klassischen Klimakterium-Beschwerden noch weiter verstärken, so Hanns-Christian Gunga, Seniorprofessor für Physiologie an der Charité Berlin zu Tagesschau.de: «Es ist nicht nur der Progesteronspiegel, der zuständig ist für die Temperaturhormone, sondern es ist auch das Absinken des Östrogenspiegels, was dann dazu führt, dass im Hypothalamus, dem Regulationszentrum, Hitze anders wahrgenommen wird.»
Wie hast du die Hitzewellen verkraftet?
Sozioökonomische Aspekte
Ein Punkt, der oft vergessen geht, aber ebenfalls eine Rolle spielt, ist: Frauen sind armutsgefährdeter als Männer. Da einkommensschwache Haushalte öfter in schlechter isolierten Wohnungen oder dicht bebauten Stadtvierteln leben, sind sie vor Hitzewellen schlechter geschützt. Hinzu kommt die Mehrfachbelastung durch Beruf, Kinderbetreuung und Haushalt, die noch immer häufig bei Frauen liegt und Hitzestress verstärken kann.
Ganz egal, welches Geschlecht du hast: Was dir helfen kann, die künftigen Hitzetage gut zu überstehen, erfährst du hier. Eine Auswahl findest du auch in der obigen Bildstrecke.
Wenn du wissen möchtest, wie viele Hitzetage – also Tage mit mindestens 30 Grad – du schon erlebt hast, legen wir dir unser Tool ans Herz:
So gehts: Wähle einfach dein Geburtsjahr und deine Messstation und du siehst die Anzahl Hitzetage. Das Tool zeigt Daten bis 1960 – das ist Absicht: Die Daten vorher sind nicht mit den heutigen vergleichbar – zumindest nicht auf einzelne Tage bezogen.
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Fee Anabelle Riebeling (fee) arbeitet seit 2014 für 20 Minuten. Sie ist stv. Leiterin Wissen/AI, Data und Leiterin des Fachgremiums Faktencheck & Verifikation.
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