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Thursday, October 15, 2026

Einpunkt-Graseule – «Wie im Horrorfilm» – Tausende Raupen im Sarganserland

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Tausende Raupen tauchten im September plötzlich in der Region Sargans auf und fressen ganze Felder leer. Es sind die Raupen der Einpunkt-Graseule, eines gelbbraunen Falters, der bis zu tausend Eier pro Mal legt. Nach sechs Wochen schlüpfen aus diesen Eiern Raupen, so wie auch vor dem Haus von Nadja Sieber in Sargans. Sie haben die Wiese vor der Terrasse leer gefressen.

Thomas Willi betreibt mit seinem Schwager eine landwirtschaftliche Betriebsgemeinschaft in der gleichen Gemeinde. «Eigentlich wollten wir nach dem trockenen Sommer noch einmal einen Grasschnitt machen», sagt Bauer Willi. Dieser fiel aber viel kleiner aus als erwartet: «Die Raupen haben alles weggefressen, ausser den Löwenzahn.» Diesen hätten die Raupen nicht gern.

Keine Mittel gegen die Raupe

Das bestätigt Bruno Inauen, Chef des St. Galler Amts für Landwirtschaft. Es gibt Schäden in der ganzen Region Sargans, von Wartau bis zum Walensee. Die Lage der betroffenen Bauern sei schwierig, sagt Inauen: «Es ist schlimm für alle, die es trifft.»

Das Amt könne nichts machen. Tragisch sei, dass sie keine Möglichkeit hätten, die Raupe zu bekämpfen. «Wir haben die Hoffnung, dass es einen kalten Winter gibt und alles gefriert.»

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  • Bild 1 von 3. Gräser gehören zur Lieblingsspeise der Raupen. Bildquelle: Thomas Willi.

    Nahaufnahme von grünen Pflanzen mit Raupen auf den Blättern.
  • Bild 2 von 3. Löwenzahn mögen die Raupen nicht und lassen ihn stehen. Bildquelle: SRF.

  • Bild 3 von 3. Betroffen ist ein begrenztes Gebiet im Sarganserland. Die Raupen lieben Sonne und Wärme. Bildquelle: SRF.

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Das Amt hat ein Merkblatt zusammengestellt. Es wird geraten, mit der Aussaat von Getreide zuzuwarten, bis die Raupen weg sind. Zudem sollen Kühe nicht auf die Weide gelassen werden, damit der Boden nicht zusätzlich leidet.

Auch Hausbesitzer leiden

Neben der Landwirtschaft sind auch einige Hausbesitzerinnen von der Plage betroffen. Am Anfang hätten sie versucht, die Raupen zu entfernen, sagt Nadja Sieber. «Wir haben aufgegeben.» Sie hätten es mit Klebeband, Besen und Schüfeli probiert – ohne Erfolg. «Am Schluss war das Ziel, die Raupen nicht im Haus zu haben.»

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  • Bild 1 von 6. Die Raupen kriechen in jede Ritze. Bildquelle: Nadja Sieber.

  • Bild 2 von 6. Sie sind überall. Bildquelle: Nadja Sieber.

  • Bild 3 von 6. Der Spielplatz hat gelitten … Bildquelle: Nadja Sieber.

  • Bild 4 von 6. … bis alles nur noch braun war. Bildquelle: Nadja Sieber.

  • Bild 5 von 6. Auf der Strasse liegen Hunderte überfahrene Raupen. Bildquelle: Nadja Sieber.

  • Bild 6 von 6. Die Raupen des Falters Einpunkt-Graseule sind nicht nur auf den Wiesen. Bildquelle: Nadja Sieber.

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«Es ist gruusig», findet Sieber. Die Raupen kleben an Wänden und in Ecken, auf der Strasse liegen Hunderte überfahrene. «Es ist wie in einem Horrorfilm», so Landwirt Thomas Willi. Nur im Schatten hatte es kaum Raupen.

Informationsvakuum

Die Hausbesitzer hätten ihn um Rat gefragt, sagt Bauer Thomas Willi. «Es gab ein Informationsvakuum.» Gerne hätte er früher Informationen gehabt. Auch die Gemeinde Sargans konnte nicht helfen. Darum hat sie sich ans Amt für Landwirtschaft gewandt.

Auch sein Amt habe die Informationen zusammensuchen müssen, sagt Bruno Inauen. Jetzt seien die Bauern mit dem Merkblatt bedient worden. Mehr liege nicht drin: «Wir können die Bauern nicht finanziell für den Ausfall entschädigen.» Dazu fehle im Kanton St. Gallen die rechtliche Grundlage. Die Hoffnung sei, dass sich die Wiesen erholen und nächstes Jahr wieder vollen Ertrag geben. So grosse Raupenpopulationen gebe es nur rund alle zehn Jahre.

Japankäfer, Maiszünsler, Tiermücken, Drüsenameisen, Eichenprozessionsspinner …

«Die Liste der neuen Tierarten, die im Kanton St. Gallen auftauchen, wird immer länger», so Amtsleiter Bruno Inauen. «Wir haben einen Fachmann für Neobiota eingestellt.» Dieser werde sich wohl künftig auch um die Raupe der Einpunkt-Graseule kümmern müssen. Obwohl: Dieser Falter ist im Gegensatz etwa zur Tigermücke einheimisch. Bis jetzt kommt er laut Inauen gehäuft im Tessin vor. Das Klima habe wohl dazu geführt, dass der Falter über die Alpen jetzt auch ins Sarganserland gekommen sei, wo ihm die Temperaturen offenbar behagen.

Regionaljournal Ostschweiz, 14.10.2026, 6.31 Uhr ;  kobk; vonb;brus

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