"Tiefe Besorgnis": Zentralbank und Experten zerfetzen Netanjahus Krypto-Vorstoß

"Tiefe Besorgnis"Zentralbank und Experten zerfetzen Netanjahus Krypto-Vorstoß
25.10.2026, 16:10 Uhr

Für den Fall internationaler Sanktionen will Israels Premier eine "alternative Wirtschaft" aufbauen, unter anderem mit Kryptowährungen. Nicht nur der Zentralbank stellen sich die Nackenhaare auf. Sie fordert dazu auf, "sich darauf konzentrieren, Sanktionen zu verhindern".
In einem seltenen Schritt hat die israelische Zentralbank Aussagen von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kritisiert, wonach das Land mithilfe von Kryptowährungen eine "alternative Wirtschaft" zur Umgehung von Sanktionen aufbauen sollte. "Kryptowährungen können nicht dafür genutzt werden, Sanktionen gegen Israel zu umgehen", erklärte die Zentralbank am Samstagabend. Stattdessen sollte die Wirtschaft ihre Beziehungen zu ihren Handelspartnern bewahren und sich darauf konzentrieren, Sanktionen zu verhindern. "Diese Angelegenheit fällt unter die Verantwortung unserer politischen Führung, und es ist angebracht, Schritte zu unternehmen, dies voranzubringen", hieß es weiter.
Gleichzeitig drückten mehr als 100 Wirtschaftsexperten und ehemalige Spitzenbeamte laut Medien ihre "tiefe Besorgnis" über die Äußerungen Netanjahus aus. In einem scharf formulierten Brief warnen die Unterzeichner den Berichten zufolge, umfassende Sanktionen würden der israelischen Wirtschaft "enormen und irreversiblen Schaden" zufügen.
Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem Joel Mokyr, der 2025 mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet wurde, und Aaron Ciechanover, Nobelpreisträger für Chemie. Die Unterzeichner werfen Netanjahu den Berichten zufolge vor, den Ernst der Bedrohung nicht zu begreifen, und kritisieren seinen Vorschlag als eine Lösung, die eher mit kriminellen Organisationen in Verbindung gebracht werde.
Opposition kritisiert Netanjahu
Netanjahu hatte unlängst in einem Interview steigenden Druck auf Israel durch die USA als wichtigem Verbündeten eingeräumt. Es könnte "Sanktionen geben, auch Banksanktionen", sagte er. Man müsse deshalb eine "alternative Wirtschaft" aufbauen, um sie zu umgehen. Eigenen Angaben zufolge ordnete der Regierungschef an, dass Pläne zum Aufbau einer Blockchain-Technologie erarbeitet werden sollten.
Netanjahu hatte mit seinen Aussagen kurz vor der bevorstehenden Parlamentswahl die Kritik seiner politischen Gegner auf sich gezogen. Sie warfen ihm vor, damit stillschweigend eingestanden zu haben, dass seine Politik negative Auswirkungen auf das Land habe.
Israel steht international wegen seiner Politik im besetzten Westjordanland und seines Vorgehens im Gazastreifen unter Druck. Mehrere Staaten haben bereits Sanktionen gegen Siedler, Organisationen und einzelne Regierungsmitglieder verhängt. Umfassende Beschränkungen gegen das israelische Bankensystem gibt es bislang jedoch nicht.
Ein Ausschluss vom internationalen Finanzsystem könnte die stark vom Außenhandel und ausländischen Investitionen abhängige israelische Wirtschaft schwer treffen. Besonders der Hightech-Sektor ist auf funktionierende internationale Bankverbindungen angewiesen.
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