Gletscher auf slowenischem Nationalberg restlos geschmolzen

Einst war er gigantisch
Gletscher auf slowenischem Nationalberg restlos geschmolzen
Wissenschaftler in Slowenien trauern über einen Gletscher, dem sie jahrelang beim Schmelzen zusahen. Nach dem diesjährigen Rekordsommer verschwand er ganz. Doch weiter unten am Berg wartet eine kalte Überraschung: In freigelegten Höhlen wurde Eis entdeckt.
Publiziert: vor 15 Minuten
- Der Triglav-Gletscher in Slowenien ist nach jahrzehntelangem Rückgang vollständig geschmolzen
- Der Gletscher hatte Mitte des 19. Jahrhunderts 40 Hektar, 1949 nur noch 14 Hektar Eisfläche
- Hitze forderte in Westeuropa mindestens 50'000 Tote und traf auch Wirtschaft und die Alpen
Wiebke KöhneRedaktorin Newsdesk
Ein einst riesiger Gletscher auf dem slowenischen Berg Triglav in den Julischen Alpen ist vollständig geschmolzen. Bereits zwischen den Jahren 1983 und 2003 verlor die Eismasse 93 Prozent ihrer Oberfläche und schrumpfte auf weniger als einen Hektar Eis. Entgegen der Erwartungen von Forschern hielt sich der Gletscherrest noch mehr als zwei Jahrzehnte.
Historische Fotografien und Dokumente zeigen, dass der Triglav-Gletscher Mitte des 19. Jahrhunderts etwa 40 Hektar umfasste. Bereits bei seiner ersten offiziellen Messung im Jahr 1949 betrug seine Fläche nur noch 14 Hektar. Ab den 2000er-Jahren beobachtete Matija Zorn vom geografischen Institut Anton Melik das rasante Verschwinden des Gletschers. «2002 entnahmen wir eine Eisprobe für geochemische Analysen. Sie war etwa fünf Meter tief. Im darauffolgenden Jahr stand ich an derselben Stelle, aber nicht mehr auf dem Eis, sondern auf dem Felsen», erinnert sich Zorn.
Es wurde Eis in Höhlen gefunden
«Ich wusste jedes Jahr, dass es immer weniger Eis geben würde. Aber es hat mich jedes Jahr schockiert, wie wenig am Ende übrig war», so der Wissenschaftler. Er betont, dass der Triglav, der höchste Berg des Landes, eine zentrale Rolle in der nationalen Identität der Slowenen einnimmt. Für die Wissenschaftler, die den Berg und seinen Gletscher jahrelang erforscht haben, sei der Verlust gross.
Trotzdem gibt es noch etwas Eis auf dem Berg. Dieses wurde in Höhlen entdeckt, die durch den Rückzug des Gletschers freigelegt wurden. Ein weiterer Gletscher Sloweniens befindet sich unterhalb des Bergs Skuta und ist ebenfalls deutlich zurückgegangen. Allerdings liegt das verbleibende Eis im Schatten und ist besser vor der Sonne geschützt – einige Jahre könnte der Gletscher daher noch bestehen.
Die Folge der extremen Hitzewellen
Westeuropa erlebte dieses Jahr den heissesten Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen. Schätzungen zufolge forderte die Hitze mindestens 50'000 Menschenleben, und auch die Wirtschaft erlitt direkte Folgen.
Extreme Hitzewellen, verstärkt durch die Umweltverschmutzung infolge der Verbrennung fossiler Brennstoffe, treffen die Alpen hart. Einst mächtige weisse Gletscher verwandeln sich in felsige Landschaften. Im vergangenen Monat stellten Schweizer Glaziologen fest, dass in den letzten fünf Jahren fast ein Fünftel des Schweizer Eises verschwunden ist, während sein Volumen allein im vergangenen Jahr um über fünf Prozent zurückgegangen ist.
Dieser Artikel erschien zuerst auf blic.rs. Das serbische Newsportal gehört wie Blick zu Ringier.
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