Auf diesen Moment wartete Ueli (31) ein ganzes Jahr

Darum gehts
- Senn Ueli (31) zog am Freitag mit rund 50 Kühen vom Justistal oberhalb des Thunersees ins Tal zurück.
- Beim traditionellen Alpabzug schmückte er die Kühe mit Maien und Treicheln – darunter eine, die er zum Geburtstag erhalten hat.
- Wegen Hitze und Trockenheit wurden diesen Sommer im Justistal nur rund 30 Tonnen Käse produziert.
Schweizerischer geht es kaum: Schon von Weitem erklingen die Treicheln, der Duft von Alpkäse liegt in der Luft, und die prächtigen Trachten wirken wie aus einem Bilderbuch.
20 Minuten begleitete den Berner Senn Ueli (31) beim Alpabzug und den Landwirt Nick (17) bei der Chästeilet im Justistal oberhalb des Thunersees im Kanton Bern.
Eine Treichel für Uelis 30. Geburtstag
Ueli (31) verbrachte den Sommer mit rund 50 Kühen auf der Alp im Justistal oberhalb des Thunersees. Jetzt geht es für den Berner Senn zurück ins Tal. «Endlich kann ich meiner Kuh die Treichel anziehen, die ich zum Geburtstag bekommen habe», sagt er.
«Das gehört sich so, das ist Tradition.»
Der Berner Senn betont: «Das ist keine Glocke, sondern eine Treichel.» Das Schmuckstück wiegt rund 10 Kilogramm. Auch Ueli hat sich herausgeputzt: Er trägt den Oberländer Mutz. «Das gehört sich so, das ist Tradition.»
Ebenso traditionell sei der Maien, der Kopfschmuck der Kühe. «Jene Kühe, die am meisten Milch gegeben haben, erhalten den grössten Schmuck», erklärt Ueli.
Käse des Alpensommers wird aufgeteilt
Bevor die Sennen mit ihren Kühen ins Tal zurückkehren, steht noch ein Höhepunkt an: die grosse Chästeilet.
Auch Nick Sigrist (17) ist auf der Alp im Justistal. Bei der Chästeilet bekommt er den Käse, der aus der Milch seiner Kuh hergestellt wurde. «Dieses Jahr waren es 75 Kilogramm», sagt er.
Der junge Landwirt in Ausbildung freue sich auf den Käse. «Der Alpkäse ist der Beste. Er schmeckt intensiver, weil die Kühe auf der Alp aromatische Alpenkräuter fressen.»
«Dieser Alpkäse ist ein Kulturgut»
Das Justistal ist das Zuhause von neun Sennhütten und insgesamt 250 Kühen. Hans Zeller (67), Präsident der Vereinigten Alpgenossenschaften Justistal, bestätigt: «Die Trockenheit hat den Kühen zugesetzt. Sie hatten wegen des vertrockneten Grases weniger Futter», sagt er.
«Da die Kühe weniger Milch gegeben haben, konnte weniger Käse produziert werden als in vergangenen Jahren», so Zeller. So seien es diesen Sommer nur rund 30 Tonnen Käse. Dennoch sei Zeller stolz: «Dieser Alpkäse ist ein Kulturgut, das Leben hier oben ist noch bodenständig und nachhaltig.»
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Fabienne Gnos (fgn), Jahrgang 2002, arbeitet seit Februar 2026 bei 20 Minuten. Sie ist Praktikantin im Ressort Bern.
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