«Bei mir soll niemand Angst vor dem Gang ins Tattoo-Studio haben»

- Rund 80 Prozent der Kundschaft im Studio «Oouuxtattoo» in Wädenswil ZH sind weiblich.
- Inhaberin Alina Vogel (28) will mit Finken, Schoggi und Wohnzimmer-Atmosphäre Ängste nehmen.
- Sie fühlte sich in anderen Studios nie wohl und erlebte teils arrogante Behandlung.
- Seit März 2020 tätowiert sie, heute am liebsten florale Designs und Fine-Line-Kunst.
Laute Heavy-Metal-Musik, eine düstere Einrichtung und Totenköpfe als Dekorationen: Was für manche zu einem Tattoostudio dazugehört, kann auf viele abschreckend wirken, findet die 28-jährige Zürcherin Alina Vogel. «Ich habe mich selbst beim Besuch in Tattoostudios nie wohlgefühlt – deshalb wollte ich in meinem eigenen Studio alles anders machen», erzählt die Tattookünstlerin.
Mit Finken an der Eingangstür, einer gemütlichen Einrichtung sowie Schöggeli und Traubenzucker auf dem Tisch verfolgt Alina deshalb ein Ziel: «Bei mir soll niemand Angst vor dem Gang ins Tattoostudio haben. Es gibt Leute, die wohl niemals Fuss in ein ‹typisches Tattoostudio› setzen würden, obwohl sie sich gerne tätowieren lassen würden.»
Die Motivation dafür schöpfte Alina unter anderem aus ihrer eigenen Erfahrung, wie sie erzählt. Als Frau habe sie nämlich selbst bereits zahlreiche unangenehme Erfahrungen in Tattoostudios gemacht, die über das düstere Design des Salons hinausgehen würden.
«Man wird sexualisiert»
«Es kommt öfters vor, dass man blöde Anmachsprüche über sich ergehen lassen muss oder sexualisiert wird, wenn man sich als Frau in einem Raum voller Männer ausziehen muss», erzählt Alina. Auch habe sie den Eindruck, dass Kundinnen und Kunden – insbesondere bei grösseren Studios – von oben herab behandelt würden.
Was ist dir beim Besuch eines Tattoostudios am wichtigsten?
«Vor allem gegenüber Personen, die nicht bereits viele Tattoos oder Piercings besitzen, habe ich schon einen eher arroganten Umgang festgestellt. Ich habe mich selbst auch schon fast geschämt, in gewisse Studios zu gehen», so die 28-Jährige.
80 Prozent der Kundschaft sind weiblich
Heute bestehe ihre Kundschaft zwar zu rund 80 Prozent aus Frauen – «doch auch Männer und nonbinäre Personen sind herzlich bei mir willkommen». Musik, die man selbst auswählen kann, und die Möglichkeit, während des eigentlichen Tätowierens Netflix zu schauen, sollen zusätzlich für eine angenehme Atmosphäre sorgen: «Meine Kundschaft soll sich bei mir wie in einem gemütlichen Wohnzimmer fühlen.»
Ihr eigenes Tattoostudio in Wädenswil im Kanton Zürich namens «Oouuxtattoo» führt Alina seit rund zweieinhalb Jahren. Davor habe sie sich in verschiedenen kleineren Studios oder Coiffeursalons eingemietet. Im März 2020 begann Alina zu tätowieren – bloss eine Woche vor dem Covid-19-Lockdown.
Eigenes Tattoostudio seit zweieinhalb Jahren
«Damals führte mich mein eigener Tätowierer in diese Welt ein. Ich hatte mein eigenes Design gezeichnet und er sah wohl Potenzial», sagt Alina mit einem Lächeln. Mit viel Übung und zahlreichen Schulungen entwickelte sich ihr Handwerk immer weiter: «In der Schweiz kann grundsätzlich jede Person Tattoo-Artist werden. Viel strengere Regeln gilt es beim Eröffnen und dem Verwalten von Studios zu beachten, etwa Hygieneanforderungen oder welche Farben und Nadeln man verwenden darf.»
Heute sticht Alina am liebsten florale Designs oder Fine-Line-Kunst. «Grundsätzlich bin ich aber für jeden Wunsch offen, solange keine hasserfüllten oder rassistischen Motive von mir verlangt werden», so Alina.
«So wohlfühlen, wie sie sind»
Ausserdem ist ihr eine ausführliche Beratung wichtig. «Wenn jemand nach wenigen Wochen den Namen seiner grossen Liebe tätowiert haben will, frage ich natürlich mehrmals nach, ob sich die Person wirklich sicher ist», betont Alina mit einem Schmunzeln. «Schlussendlich muss ich aber nicht entscheiden, was auf die Haut einer erwachsenen Person gelangt.»
Mittlerweile bietet Alina auch ihre eigenen Kurse an. Dabei und bei ihrer Arbeit als Tätowiererin hat für die 28-Jährige stets ein Aspekt höchste Priorität: «Wer mein Studio betritt, soll sich genauso willkommen und wohlfühlen, wie er oder sie ist.»
Lisa Arnold (lia) arbeitet seit März 2026 bei 20 Minuten als Praktikantin im Ressort Zürich.
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