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Thursday, October 8, 2026

CDU-Stimmen für AfD-Kandidaten? "Ich war's nicht!"

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Der Landtag in Sachsen-Anhalt wählt Tobias Rausch von der AfD zum Landtagspräsidenten. Dabei erhält er auch Stimmen außerhalb von BSW und AfD. Auch den Vize stellt die AfD.

06.10.2026 | 2:41 min

Wer war's? Wer hat aus den Reihen der CDU in der geheimen Wahl am vergangenen Dienstag im Magdeburger Landtag für den AfD-Politiker Tobias Rausch als Landtagspräsidenten gestimmt? Es werden mindestens vier Namen gehandelt: Guido Heuer, Karin Tschernich-Weiske, Marco Tullner und Carsten Borchert.

Diese bestreiten das zum Teil. Karin Tschernich-Weiske sagt auf Anfrage von ZDF frontal, sie sei "entsetzt über diese Verleumdungskampagne" und teilt per WhatsApp mit:

Ich habe mich enthalten bei der Wahl und bin fassungslos, dass ich die geheime Wahlentscheidung nun überall öffentlich kundtun muss, um meine seit fünf Jahren offensichtliche Ferne zur AfD zu untermauern.

Karin Tschernich-Weiske, CDU-Landtagsabgeordnete

Guido Heuer, der ehemalige CDU-Fraktionschef, sagt telefonisch, der Verdacht, er habe für Rausch gestimmt, sei "ein Unding". An Spekulationen, wer aus der CDU für den AfDler gewählt hat, wolle er sich nicht beteiligen: "Man zeigt nicht mit dem Finger auf andere, und das werde ich auch nicht tun", so Heuer gegenüber ZDF frontal.

Abgeordneter kündigte Austritt aus CDU-Fraktion an

Der CDU-Landtagsabgeordnete Carsten Borchert, der mit 64 Stimmen zum Landtagsvizepräsidenten in Sachsen-Anhalt gewählt wurde, war auf Anfrage von ZDF frontal nicht zu erreichen. Nach Informationen der "Zeit" soll es einen Deal gegeben haben: CDU-Stimmen für Rausch - im Gegenzug soll die AfD zugesagt haben, den CDU-Kandidaten Carsten Borchert zum Vizepräsidenten zu wählen.

Auch Marco Tullner war für eine Stellungnahme am Vormittag nicht zu erreichen. Tullner hatte bereits am Mittwoch im MDR angekündigt darüber nachzudenken, die CDU-Fraktion zum Jahresende zu verlassen.

Nach der Wahl von AfD-Politiker Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt tritt der Koalitionsausschuss in Berlin zusammen.

07.10.2026 | 1:54 min

Fünf CDU-Abgeordnete wollten sich gemeinsam enthalten

Und die restlichen neun Fraktionsmitglieder, die vergangenen Dienstag anwesend waren? "Ich bin einer von den fünf, die sich enthalten haben", sagt der CDU-Landtagsabgeordnete Lars Jörn Zimmer gegenüber ZDF frontal.

Das haben wir uns kurz vor der Wahl versprochen. Wir haben uns ins Gesicht geschaut, gesagt, wir vertrauen uns. Wir können uns aufeinander verlassen. Wir stehen alle.

Lars Jörn Zimmer, CDU-Landtagsabgeordneter

Zu den fünfen sollen neben Zimmer noch René Bartel, Chris Schulenburg, Ulrich Thomas und Daniel Sturm gehören. Zwei Wochen vor der geheimen Wahl zum Landtagspräsidenten war die Gruppe gemeinsam in der Mittagspause und habe sich darauf geeinigt.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Daniel Sturm bestätigt, dass es dieses Treffen und die Absprache sich zu enthalten gab: "Wir fünf waren mittags gemeinsam in unserem griechischen Stamm-Restaurant und haben vereinbart: Wir bleiben auf Linie." Das hätten sie mehrfach bei Treffen bekräftigt.

Lars Jörn Zimmer sagt, er habe der Empfehlung von CDU-Fraktionschef Sven Schulze auch deshalb gefolgt, weil klar war: "Die AfD braucht unsere Stimmen eh nicht. Dann war das erledigt".

Der Wahlschock in Sachsen-Anhalt überschatte den Koalitionsausschuss, so ZDF-Korrespondentin Diana Zimmermann. Er schwäche die CDU und stärke das Misstrauen in der SPD.

07.10.2026 | 3:10 min

Abgeordnete hatten sich 2019 offen für AfD-Koalitionen gezeigt

Das BSW hatte bereits vor der Wahl angekündigt, für den AfD-Kandidaten zu stimmen. Im Vorfeld wurde spekuliert, welche CDU-Vertreter abweichen könnten, weil sie bei der AfD inhaltliche Schnittmengen zur CDU sehen.

2019 schrieben Lars-Jörn Zimmer und Ulrich Thomas eine "Denkschrift", in der sie die CDU aufforderten, "das Soziale mit dem Nationalen zu versöhnen". Ulrich Thomas forderte damals, auch Koalitionen mit der AfD nicht auszuschließen. Eine Anfrage von ZDF frontal ließ Thomas jetzt unbeantwortet.

Keine Beweise für CDU-Stimmen: Abstimmung war geheim

Fest steht: Die Wahl zum Landtagspräsidenten war geheim. Einen Beweis, wer für oder gegen Tobias Rausch gestimmt hat, gibt es nicht, weil Abgeordnete allein in einer Wahlkabine wählen und kein Foto von ihrem Stimmzettel machen. Sicher dürfte sein, dass das Vertrauen unter den Abgeordneten in der CDU-Landtagsfraktion schwer beschädigt ist.

Gegenüber ZDF frontal berichten CDU-Abgeordnete, dass man sich teilweise nicht mehr grüße, wenn man sich im Landtag begegne. Währenddessen gibt es laut "Süddeutsche Zeitung" mehrere CDU-Abgeordnete, die den Rücktritt von Sven Schulze als Fraktionschef fordern.

Hauptzweck der Brandmauer sei, dass die AfD nicht in ein „wichtiges politisches Amt“ komme. Heute sei sie „sehr, sehr löchrig geworden“, sagt Politikwissenschaftler Thorsten Faas.

07.10.2026 | 4:10 min

"Ich stehe einem Neuanfang an der Fraktionsspitze jedenfalls nicht im Wege", so der CDU-Landtagsabgeordnete Guido Heuer gegenüber ZDFfrontal. Das Lager um Sven Schulze will ihn allerdings halten. "Wir brauchen einen starken Oppositionsführer", so der CDUler Lars-Jörn Zimmer. Und der CDU-Landtagsabgeordnete Daniel Sturm bekräftigt:

Wir haben einen anderen politischen Gegner und sollten uns nicht gegenseitig fertig machen.

Daniel Sturm, CDU-Landtagsabgeordneter

Gegenseitige Schuldzuweisungen führten in die falsche Richtung: "Wir sind jetzt eben nur noch 15 Hanseln, wir müssen an einem Strang ziehen", so Sturm.

CDU-Abgeordneter: Spekulieren ist "toxisch"

Doch nach den Querelen der letzten Wochen droht der CDU Sachsen-Anhalt die Spaltung. Das Misstrauen werde zunehmen, so befürchtet es der CDU-Landtagsabgeordnete Tobias Krull. Er habe für "Nein" gestimmt bei der Wahl von Rausch: "Dieses Spekulieren, wer ihn gewählt hat, ist absolut toxisch und hilft nur der AfD." Er zumindest werde niemanden aus der Fraktion auffordern, sich zu bekennen: "Es gibt die Freiheit des Mandates. Klar ist doch: Wer auch immer für Tobias Rausch gestimmt hat, ist seiner staatspolitischen Verantwortung nicht nachgekommen."

Das Ausmaß des historischen 6. Oktobers geht weit über Sachsen-Anhalt hinaus.

Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels

:CDU-Stimmen für AfD? Radtke fordert Parteiausschluss

Haben CDU-Abgeordnete in Sachsen-Anhalt den AfD-Politiker Rausch zum Landtagspräsidenten gewählt? Der Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels fordert dafür ein Parteiausschlussverfahren.

mit Video1:54

Dennis Radtke

Über das Thema berichtete das heute journal am 07.10.2026 um 21:45 Uhr.

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