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Wednesday, October 21, 2026

Belinda (32): «Mein Lifestyle ist der gesündeste überhaupt»

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  • Die 32-jährige Belinda tritt als Bodybuilderin bei Natural-Wettkämpfen ohne verbotene Substanzen an.
  • Vor Wettkämpfen plant sie zehn bis 18 Wochen lang Essen, Gewicht und Training genau.
  • Sie nennt den Lifestyle «den gesündesten überhaupt», warnt aber Frauen mit Problemen bei Körperbild oder Essen.

Monatelange Disziplin, eine strenge Diät und in den letzten Wochen immer wieder Hunger: Für wenige Minuten auf der Bühne soll alles stimmen. Im Bikini, High Heels und mit dunkelbraunem Fake-Tan präsentiert Belinda (32) ihren Körper vor einer Jury. Jede Pose, jeder Muskel, jede Linie wird bewertet. «Das Produkt auf der Bühne, das bin ich», sagt sie.

Bodybuilding ist ein Nischensport, in dem die Konkurrenz gross ist. Wer sich auf einen Wettkampf vorbereitet, verändert den eigenen Körper gezielt – und muss dabei aufpassen, dass Ehrgeiz nicht in Selbstüberforderung kippt. Belinda sagt: «Wer bereits mit dem eigenen Körperbild oder Essen kämpft, sollte nicht auf die Bühne gehen.»

Vom Junkfood zum Hanteltraining

Mit 18 führte Belinda ein typisches Teenagerleben: Ausgang, Alkohol, Junkfood. Nach Ferien schaute sie in den Spiegel und beschloss, etwas zu ändern. Zuerst besuchte sie Zumba- und Ausdauerkurse, dann löste sie ein Fitnessabo. Als ihr ein Kollege das Training mit freien Gewichten zeigte, war es um sie geschehen. «Ich habe schnell Veränderungen gesehen und gemerkt, dass ich von der Genetik her auch schnell stärker werde», erzählt die 32-Jährige.

Mit 18 Jahren beschloss Belinda etwas zu ändern. Sie begann mit Krafttraining und sah schnell Veränderungen an ihrem Körper.

Mit 18 Jahren beschloss Belinda etwas zu ändern. Sie begann mit Krafttraining und sah schnell Veränderungen an ihrem Körper.privat

«Anfangs ging es mir nur um die Optik», sagt sie. Doch sie habe bald gemerkt, dass sie stärker sei, als sie gedacht habe. Aus dem Hobby wurde eine Leidenschaft. «Es ging nicht lange und ich rutschte in die Bodybuilding-Bubble.»

Ihre ersten zwei Jahre beschreibt sie rückblickend als zu extrem. Sie habe Ehrgeiz mit dem Gedanken verwechselt, immer noch mehr trainieren zu müssen. «Doch manchmal ist weniger mehr, und das musste ich zuerst lernen.» Heute weiss sie: Auch wer zwei oder drei Tage nicht trainiert, verliert nicht sofort Muskelmasse. Regeneration sei Teil des Fortschritts.

Was ist Natural Bodybuilding?

«Eine Wettkampfvorbereitung ist keine normale Diät»

Für Belinda bedeutet Bodybuilding nicht, sich permanent zu kontrollieren. Sie trainiert viermal pro Woche, achtet auf Schlaf, Erholung, genügend Eiweiss und eine nährstoffreiche, angepasste Ernährung. Ausserhalb einer Wettkampfvorbereitung seien Ferien, Restaurantbesuche oder eine Hochzeit aber kein Problem. «Ich wäre niemals diese Person, die mit einem Tupperware zu einem Treffen auftaucht.»

In der Wettkampfvorbereitung wird der Alltag jedoch deutlich strenger. Während neun bis zehn Monaten plant sie Essen, Gewicht und Training genau. Es werde abgewogen, gezählt und verzichtet. Der Körperfettanteil wird gesenkt, die Energie im Alltag nimmt ab. «Ein Bodybuilding-Wettkampf ist nie zu vergleichen mit einer normalen Diät», sagt sie.

Belinda ist überzeugt: «Ausserhalb der Wettkampfvorbereitung ist dieser Lifestyle einer der gesündesten überhaupt.» Niemand sonst würde so detailliert auf seinen eigenen Körper achten.

Gleichzeitig beschreibt sie die Belastung der Vorbereitung: «Man hungert, hat fast keine Energie mehr und arbeitet nur auf einen einzelnen Moment hin.» Die Form, die auf der Bühne bewertet wird, sei zudem nicht dauerhaft haltbar. «Zwei, drei Tage später hast du sie – mehr nicht.»

Belindas Erfolge

Körperdruck und Vergleiche

Der Druck, die Wettkampfform zu halten, könne problematisch werden. «Einer Frau, die schon vorher Mühe mit ihrem Essverhalten oder ihrer Selbstwahrnehmung hat, würde ich es nie empfehlen», sagt Belinda.

Auch Social Media verstärke den Druck, da andere Athletinnen und Athleten dort oft muskulöser oder definierter wirkten. Während der Vorbereitung meide sie deshalb solche Inhalte. Beim Umgang mit Vergleichen helfe ihr ihr Selbstwertgefühl: «Ich bin froh, hatte ich schon immer ein gutes Selbstwertgefühl und nehme das nicht allzu ernst.»

«Wer hat gesagt, dass Frauen keine Muskeln haben sollten?»

Als Belindas Körper muskulöser wurde, kamen Kommentare aus ihrem Umfeld. Sie sei nicht mehr die zierliche Belinda und müsse aufpassen, dass es nicht «zu viel» werde. Doch sie liess sich nicht beirren. «Ich finde das mega schön und vor allem bewundernswert», sagt sie über ihre Muskeln.

Dass Muskeln bei Frauen als unweiblich gelten, versteht sie nicht. «Wer hat gesagt, dass Frauen keine Muskeln haben sollten?» Für sie ist klar: «Nur weil ich eine Frau bin, trainiere ich nicht nur Bauch, Beine und Po.» Auch die unterschiedlichen Massstäbe stören sie: «Ich gehe auch nicht zu einem Mann und sage: Kein sichtbares Sixpack ist nicht männlich.»

Der Sport habe vor allem ihr Durchhaltevermögen gestärkt. Obwohl andere ihr prophezeiten, sie werde bald aufgeben, trainiert sie seit 2017 regelmässig. «Ich habe wirklich etwas gefunden, das mir Freude macht.»

20 Minuten

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Selina Keller

Selina Keller (sek) arbeitet seit 2025 bei 20 Minuten und ist Redaktorin im Ressort Community

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