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Thursday, August 27, 2026

ARD-Vorwahlumfrage für Sachsen-Anhalt: AfD mit großem Vorsprung

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Blick auf das Rednerpult im Plenarsaal des Landtages von Sachsen-Anhalt.

Stand: 26.08.2026 • 18:00 Uhr

In der letzten ARD-Umfrage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt liegt die AfD deutlich vorn. Die CDU verliert dagegen weiter. Einen Patt gibt es bei der Frage nach der Regierungsführung.

Claudia Müller

Wenn schon am kommenden Sonntag die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt stattfinden würde, käme die CDU aktuell auf 22 Prozent, was für die Partei ein historischer Tiefstand in dem Bundesland wäre. Im Vergleich zum letzten Sachsen-AnhaltTrend von Ende Juli verliert die CDU noch einmal (-2).

Die AfD hätte derzeit Aussicht auf 42 Prozent (+1 zu Juli), womit sie ihr Ergebnis von 2021 verdoppeln und bundesweit ihr bestes Ergebnis bei Landtagswahlen erzielen würde. Die Linke läge aktuell bei elf Prozent (-2), die SPD bei acht Prozent (+1) und die Grünen bei sechs Prozent (+1). Alle drei Parteien bewegen sich damit etwa auf dem Niveau von 2021. Das BSW würde derzeit mit vier Prozent an der Mandatsschwelle scheitern, die FDP mit drei Prozent. Alle übrigen Parteien kämen zusammen auf vier Prozent.

Das hat die repräsentative ARD-Vorwahlumfrage ergeben, für die das Meinungsforschungsinstitut infratest dimap von Montag bis Dienstag 1.511 Wahlberechtigte in Sachsen-Anhalt befragt hat.

Umfragen sind keine Prognosen

Bei dieser Umfrage handelt es sich ausdrücklich um keine Prognose. Vielmehr zeigt die Befragung die politische Stimmung in der laufenden Woche. Die Sonntagsfrage ermittelt einen Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess der Wahlbevölkerung, der jedoch erst am Tag der Wahl komplett abgeschlossen ist.

Deswegen können aus Umfragen nur bedingt Rückschlüsse auf den Wahlausgang gezogen werden. Ein Grund: Viele Wählerinnen und Wähler legen sich erst kurzfristig fest und die letzte Phase des Wahlkampfs kommt noch.

Gut jeder zehnte Wahlberechtigte in Sachsen-Anhalt (elf Prozent) gibt an, dass sich seine Parteipräferenz bis zum Wahltag noch ändern könnte. Für sieben von zehn Wahlberechtigten steht die Wahlentscheidung fest. Etwa jeder Fünfte (19 Prozent) tendiert zur Nichtwahl bzw. lässt bislang keine Neigung zu einer Partei erkennen.

Gerade die letzte Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2021 hat gezeigt, welche Dynamik sich bis zum Wahltag noch entfalten kann. Vor fünf Jahren hatte eine Mobilisierung im Schlussspurt des Wahlkampfes dafür gesorgt, dass die CDU den - in den Umfragen eng gemessenen - Abstand zur AfD deutlich ausbauen konnte und dann am Wahltag als deutliche Siegerin der Wahl hervorging.

Schulze deutlich unbeliebter als Vorgänger Haseloff

Damals trat der äußerst populäre CDU-Ministerpräsident Reiner Haseloff zur Wiederwahl an. Zudem gab es in weiten Teilen der Wählerschaft einen Wunsch, die AfD in dem Bundesland als stärkste Partei zu verhindern.

Die personellen Vorzeichen haben sich seitdem verändert - und der seit Januar amtierende CDU-Ministerpräsident Sven Schulze ist weit entfernt von den Beliebtheitswerten seines Vorgängers.

Zwar konnte Schulze seine Bekanntheit in den letzten Monaten ausbauen, aber in der Bewertung der politischen Arbeit überwiegt die Kritik: Sven Schulze bekommt von 30 Prozent der Wahlberechtigten ein positives Zeugnis ausgestellt, 46 Prozent sind mit ihm unzufrieden. Bei Reiner Haseloff waren 2021, im Juni vor der Landtagswahl, mehr als doppelt so viele mit seiner Amtsführung zufrieden (67 Prozent).

Mit der Arbeit des AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund sind aktuell 37 Prozent zufrieden; 35 sind nicht zufrieden. Zum Vergleich: Der damalige AfD-Kandidat Oliver Kirchner kam im Juni 2021 auf einen Beliebtheitswert von 13 Prozent.

Direktwahl: CDU und AfD gleichauf

In der Frage, wer der nächste Ministerpräsident werden sollte, ist das Meinungsbild gespalten. Wenn man den Ministerpräsidenten direkt wählen könnte, würden aktuell 41 Prozent auf den Amtsinhaber Sven Schulze setzen (+5 zu Mai), 39 Prozent (+7 zu Mai) auf den AfD-Herausforderer Ulrich Siegmund.

Deutliche Unterschiede bestehen hier bei den Altersgruppen. Eine mehrheitliche Präferenz für den CDU-Ministerpräsidenten besteht allein bei den Über-65-Jährigen. In den anderen Altersgruppen liegt Ulrich Siegmund vorne.

Patt bei Frage nach Regierungsführung

Seit 2002 hat die CDU in dem Bundesland alle Regierungen angeführt und den Ministerpräsidenten gestellt - aktuell regiert die CDU zusammen mit SPD und FDP.

Mit den Zahlen der aktuellen Sonntagsfrage wäre keine Fortführung dieser Koalition möglich - die FDP wäre sogar raus aus dem Landtag. Auch die AfD hätte keine Mehrheit und bräuchte einen Partner, um regieren zu können, was jedoch alle übrigen Parteien ausgeschlossen haben. Einzig das BSW sendet Signale einer größeren Offenheit gegenüber der AfD. Die Partei wird aber unterhalb der Mandatsschwelle von 5 Prozent gemessen.

Die CDU müsste ein Bündnis gemeinsam mit SPD, Grünen und den Linken schmieden - und damit aller im Landtag vertreten Parteien, außer der AfD.

Bei der Wahl zwischen einer CDU-geführten und einer AfD-geführten Regierung gibt es eine Patt-Situation: 42 Prozent sprechen sich für eine von der AfD geführte Landesregierung aus und 41 Prozent wollen eine CDU-geführte Landesregierung. Die Unterstützung für die AfD-geführte Regierung speist sich in erster Linie aus der eigenen Anhängerschaft. Die Anhänger von CDU, Grünen, SPD und Linken sprechen sich mit deutlicher Mehrheit für die CDU an der Spitze der nächsten Regierung aus.

Mehrheit gegen CDU-geführte Regierung, die durch Linke gestützt würde

Eine Koalition der CDU mit Linken, SPD und Grünen allein würde mit diesen Zahlen nicht reichen. Deswegen wurde bereits viel darüber gesprochen und spekuliert, welche Rolle die Linken nach der Wahl in Magdeburg spielen könnten. Als Vorbild könnten Sachsen und Thüringen dienen, wo für Gesetze auch immer wieder die Linke mit eingebunden wird.

Eine CDU-geführte Landesregierung, die von der Linken unterstützt wird, befürwortet ein Drittel (32 Prozent) der Befragten in Sachsen-Anhalt; eine Mehrheit (59 Prozent) aber lehnt eine solche Konstellation ab - vor allem getragen von den AfD-Anhängern.

Untersuchungsanlage

Grundgesamtheit: Wahlberechtigte in Sachsen-Anhalt
Erhebungsmethode: Zufallsbasierte Telefon- und Online-Befragung
Erhebungszeitraum: 24. bis 25. August 2026
Fallzahl: 1.511 Befragte (884 Telefoninterviews und 627 Online-Interviews)
Gewichtung: nach soziodemographischen Merkmalen und Rückerinnerung Wahlverhalten
Sonntagsfrage mit separater Gewichtung
Schwankungsbreite: 2 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 10 Prozent, 3 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 50 Prozent
Durchführendes Institut: infratest dimap

Die Ergebnisse sind auf ganze Prozentwerte gerundet, um falsche Erwartungen an die Präzision zu vermeiden. Denn für alle repräsentativen Befragungen müssen Schwankungsbreiten berücksichtigt werden. Diese betragen im Falle einer Erhebung mit 1.000 Befragten bei großen Parteien rund drei Prozentpunkte, bei kleineren Parteien etwa einen Punkt. Hinzu kommt, dass der Rundungsfehler für kleine Parteien erheblich ist. Aus diesen Gründen wird keine Partei unter drei Prozent in der Sonntagsfrage ausgewiesen.

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