Neuer Krieg in Äthiopien: Flächenbrand in Afrika

Der Krieg in Äthiopien droht sich zum Regionalkrieg im gesamten Nordosten Afrikas auszuweiten. Es gäbe Möglichkeiten, dagegen etwas zu tun.
Foto: Mohamed Ibrahim/International Organization for Migration/AP/dpa
I n der internationalen Politik äußern sich viele Diplomaten über viele Dauerkrisen „tief besorgt“. Die Krisen am Horn von Afrika gehören dazu, von Somalia bis Sudan. Nun droht im Nordosten Afrikas ein länderübergreifender Krieg. Sehr vereinfacht ausgedrückt, haben sich die Regierungen von Ägypten, Sudan, Eritrea und Somalia unabhängig voneinander gegen die Regierung von Äthiopien gestellt. Alle habe eigene Gründe: Ägypten streitet mit Äthiopien um die Kontrolle des Nils, Sudan wirft Äthiopien Unterstützung der aufständischen RSF-Miliz vor, Eritrea unterstellt Äthiopien Expansionswünsche hin zum Roten Meer. Und Somalia moniert Äthiopiens Unterstützung der Abspaltung Somalilands.
Gegen Äthiopiens Regierung kämpft neuerdings im eigenen Land eine neue Rebellenallianz rund um die Tigray-Volksbefreiungsarmee TPLF. Die Guerillagruppe beherrschte Äthiopien jahrzehntelang, wurde aber zuletzt marginalisiert und wehrt sich dagegen mit allen Mitteln. Nicht nur in Tigray toben jetzt heftige Kämpfe, der Krieg droht auch Eritrea zu erfassen. Dass am Sonntag die Präsidenten der vier Länder in Ägyptens Hauptstadt Kairo zu einem Gipfel zusammenkamen, könnte sich als Startschuss für einen Krieg erweisen, der den gesamten Nordosten Afrikas mit seinen rund 285 Millionen Einwohnern in den Abgrund reißt.
Sofern er sich dort nicht schon befindet. In Sudan tobt der aktuell blutigste Krieg der Welt, in Eritrea herrscht seit Jahrzehnten eine brutale Militärdiktatur, Somalia ist seit Jahrzehnten von Bürgerkrieg zerrissen. Direkt gegenüber liegt der Brandherd Jemen, dessen Kontrolle über das Schicksal des Welthandels mitbestimmt.
Kurios ist, dass mittendrin der Kleinstaat Dschibuti die größte Ansammlung internationaler Militärkontingente in der gesamten Region beherbergt, mit Militärbasen der USA, Frankreich, China, Japan, Italien. Könnten sie nicht auch gegen die aufflammenden Kriege rings um sie herum etwas tun? Leider bleibt es wohl dabei, dass alle Welt „tief besorgt“ ist – und ratlos.
Dominic Johnson Ressortleiter Ausland
Seit 2011 Co-Leiter des taz-Auslandsressorts und seit 1990 Afrikaredakteur der taz.
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