Zentralbank stellt die Weichen für den digitalen Euro
Die Europäische Zentralbank (EZB) treibt die technischen Vorbereitungen für eine europäische Digitalwährung voran: Ein Konsortium aus dem italienischen Zahlungsdienstleister Nexi und der Deutschen Telekom hat den Zuschlag für zentrale Netzwerkdienste des digitalen Euro erhalten. Als zweiter unabhängiger Netzwerkdienstleister hat die EZB den spanischen Telekommunikationskonzern Telefónica im Verbund mit der Indra-Tochter Minsait ausgewählt.
Beide Bietergemeinschaften erhalten einen Zehnjahresvertrag. Mit der Doppelvergabe will die Notenbank Ausfallsicherheit garantieren und Monopolabhängigkeiten bei der Anbindung vermeiden.
Zwei Konsortien
Die an der Mailänder Börse notierte Nexi-Gruppe stellt digitale Zahlungsinfrastrukturen, Kartenterminals sowie Abrechnungslösungen für Banken und Händler bereit. Gemeinsam mit der Deutschen Telekom soll das Unternehmen ein ausfallsicheres Netz aufbauen und betreiben.
Eine ähnliche Arbeitsteilung herrscht auch in dem Konsortium mit Telefónica und Minsait. Die Spanier bringen ein MPLS-Netz sowie SD-WAN ein, während sich Minsait um die Integration der Plattformen und Services sowie die Sicherheit kümmert.
Die Netze verbinden die Rechenzentren der künftigen Plattform für Dienste rund um den digitalen Euro (DESP) und gewährleisten zugleich den gesicherten Datenzugang für Geschäftsbanken, Zahlungsdienstleister sowie die nationalen Zentralbanken des Eurosystems.
Die Vergabe der Konnektivitätsdienste ist allerdings nur ein Baustein auf der umfangreichen technischen Beschaffungsinitiative für den digitalen Euro. Über das Leitungsnetz hinaus hat die EZB bereits im Oktober 2025 Rahmenvereinbarungen für fünf weitere Komponenten der Systemarchitektur geschlossen, darunter Offline-Zahlungen und Betrugsschutz.
Ergänzung zum Bargeld
Die EZB tüftelt seit Jahren an einer digitalen Variante der europäischen Gemeinschaftswährung. Sie soll das Euro-Bargeld ergänzen, aber nicht ersetzen. Mit einem digitalen Euro wollen die Euro-Notenbanken den starken US-Anbietern auf dem Markt ein europäisches Angebot entgegensetzen.
Die EZB peilt eine Einführung der Alternative zum Bargeld 2029 an, ein Pilotprojekt soll schon 2027 starten. Dafür muss allerdings der Rechtsrahmen für den digitalen Euro stehen. Über den Gesetzentwurf der EU-Kommission verhandeln das Europäische Parlament, der Rat und die Kommission seit Juli.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.