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Wednesday, October 14, 2026

Geflüchtetenunterkunft in Berlin: Zuflucht bei der Rentenversicherung

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Aus der Deutschen Rentenversicherung in der Hasenheide ist eine Geflüchtetenunterkunft geworden. Bald sollen über 900 Menschen in den einstigen Büros leben.

Pascal Maier

Zwei Betten und zwei Metallspinde stehen sich in einem sonst kahlen Raum gegenüber – in der Ecke neben der Tür lehnt noch ein Wischmob an der Wand. So sieht die Welt von Geflüchteten aus, die seit dem 1. Oktober in der Erstaufnahmeeinrichtung Hasenheide in Berlin-Kreuzberg untergebracht sind. Der blaue Kunststoffboden und die abgehängte Bürodecke atmen noch den Geist der Deutschen Rentenversicherung, die früher im selben neunstöckigen Gebäude untergebracht war.

Eine Woche vor der Eröffnung stehen über 100 Kreuz­ber­ge­r:in­nen aus der Nachbarschaft in der geräumigen Kantine der Unterkunft, um sich selbst ein Bild zu machen. Man kann sich gut vorstellen, wie Sach­be­ar­bei­te­r:in­nen der Rentenversicherung ihre Tabletts entlang der Essensausgabe vor sich her geschoben haben. Künftig sollen hier bis zu 921 Geflüchtete aus Vietnam, Moldau, Afghanistan, der Türkei und Syrien das Gleiche tun können.

Ein Willkommensbezirk

Die grüne Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Clara Herrmann, steht mit umgehängter Bauchtasche auf der Bühne in der Kantine. Sie macht deutlich, dass es ihr es lieber gewesen wäre, die Geflüchteten dezentral statt hier in einer Großunterkunft unterzubringen; der Berliner Senat habe aber anders entschieden. Trotzdem sei klar: „Wir sind ein Willkommensbezirk für Menschen in Not.“

Nix wie hin

Die Besonderheit

Hier, wo früher Rentenbescheide ausgestellt wurden, finden Menschen Zuflucht. Für die Rente und das Grundrecht auf Asyl gilt gleichermaßen: Von beidem bleibt am Ende nicht viel übrig.

Das Zielpublikum

Wer das Glück hatte, in Zentraleuropa geboren worden zu sein, muss hier nicht hinkommen – kann das aber tun. Entweder um mit Menschen, die weniger Glück hatten, in Kontakt zu kommen oder um ein Gebäude zu sehen, das immer noch nach guter deutscher Verwaltung mieft.

Hindernisse auf dem Weg

Das Gebäude hat mehr Eingänge, als man denkt. Zum Glück war der Weg während der Ortsbesichtigung idiotensicher ausgeschildert, hoffentlich bleiben die Betreiber bei dieser Praxis.

Die meisten ihrer Zu­hö­re­r:in­nen hier sehen das ähnlich. „Ich glaube nicht, dass Integration in solchen Großeinrichtungen funktioniert“, sagt Miriam Meyer, die sich selbst für Geflüchtete engagiert. Vor allem die sogenannten Willkommensklassen für junge Geflüchtete innerhalb der Unterkunft statt in normalen Schulen halte sie für einen Fehler.

Vor einer Wendeltreppe mit rotem Geländer, die sich in den ersten Stock schraubt, stauen sich die Besucher:innen. Ein Mitarbeiter der Einrichtung lässt blockweise immer 20 Leute nach oben – eine Mutter mit jammerndem Kind auf dem Arm darf noch dazuschlüpfen. Oben, vor einem Pappmodell des Gebäudes, erklärt eine Mitarbeiterin, dass in bestimmten Bereichen nur Frauen mit Kindern unterbracht würden. Daneben gebe es noch einen gemischten Bereich, in dem auch für ganze Familien Platz sei. Eine Besucherin fragt, ob sie auch die Unterrichtsräume für die Willkommensklassen sehen könne. Die knappe Antwort: „Heute leider nicht.“

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Das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten und Unterbringung rechnet damit, dass Familien maximal sechs Monate in der Unterkunft leben werden. In dieser Zeit sollen die Kinder in den Willkommensklassen Deutsch zu lernen anfangen und erst später in normale Schulen wechseln. Anfangs sollten auch unbegleitete Minderjährige in die Massenunterkunft einziehen, was inzwischen aber wieder vom Tisch ist.

Ein Mann Mitte 30, der in der gleichen Straße wohnt, ist sichtlich erleichtert. Sein erster Eindruck von der Unterkunft ist: „Es ist alles gepflegt, ein bisschen oldschool.“ Er mache sich allerdings gerade bei den jüngeren Geflüchteten Sorgen, dass sie wegen der Nähe zum Hermannplatz in Neukölln in die Kriminalität abrutschen könnten.

Mehr Geld gefordert

Es gibt also selbst im linken Kreuzberg Bedenken, was die Geflüchtetenunterkunft angeht. Anders als woanders gibt es hier aber kein Bündnis, das sich gegen sie ausspricht, sondern eines dafür: Maxim Vanderheyden vom Willkommensbündnis Hasenheide sagt, es gebe hier im Kiez organisierte Kriminalität, das sei kein Geheimnis. Die Geflüchteten müssten aber vor ihr geschützt und dürften nicht schon, bevor sie hier sind, abgeschrieben werden.

Der Senat habe für die große Zahl an Geflüchteten nicht genügend Geld zur Verfügung gestellt, und das spürten die Menschen im Kiez, so Vanderheyden: „Wir wünschen uns eine bessere Finanzierung für die Unterkunft.“ Bezirksbürgermeisterin Herrmann sagt, ihre Verwaltung habe einen Bedarf von 2 Millionen Euro jährlich für die Betreuung errechnet. Der Senat stelle aber nur 400.000 Euro an sogenannten Verstärkungsmitteln für das erste Jahr zur Verfügung.

Im ersten Stock, wo die Geflüchteten ab Oktober leben, reiht sich ein Zimmer an das nächste. In einem Raum stehen Waschmaschinen und Trockner übereinander. Die grünen Duschkabinen im Waschraum sind geräumig und noch komplett sauber. So gepflegt wie die Unterkunft vor der Eröffnung ist, so leblos und kalt wirkt sie auch. Der Gemeinschaftsraum ist eher spartanisch, aber immerhin mit zwei bequemen Stühlen eingerichtet. „Es ist noch ein bisschen kahl und noch keine Bilder an der Wand, aber es wird schon“, findet eine Besucherin.

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