HSV: Zwei neue Schocks und Pause bei Poulsen
Das Improvisieren war für Merlin Polzin bereits in den zurückliegenden Wochen Programm, fortan ist Hamburgs Trainer auf diesem Gebiet noch mehr gefordert: Bilal Nadir und Fabio Vieira fallen langfristig aus, Yussuf Poulsen verlängert die Ausfallliste zumindest in der "Frankfurt-Woche".

Fällt wegen Muskelblessur mit Sehnenbeteiligung monatelang aus: Bilal Nadir. picture alliance/dpa
Unmittelbar nach dem 0:1 in Paderborn war Merlin Polzin zumindest bei Bilal Nadir noch hoffnungsvoll und hatte trotz des Ausscheidens des Marokkaners auf ein Mitwirken gegen Eintracht Frankfurt gehofft. Seit Montag herrscht bittere Gewissheit: Während Fabio Vieira mit dem erwarteten Muskelfaserriss ausfällt, hat es den Neuling von Olympique Marseille richtig schwer erwischt: Eine Muskelblessur mit Sehnenbeteiligung.
Ursachenforschung wegen Häufung von Muskelverletzungen
"Das ist für Bilal und für uns richtig bitter", sagt der Trainer. Zur Erinnerung: Der 22-Jährige war erst durch den Kreuzbandriss von Nicolai Remberg in die Startelf gerückt, hat in dessen Rolle überzeugt und fällt nun selbst lange aus. "Er war extrem betroffen und geknickt", verrät der 35-Jährige, "weil er gerade erst gezeigt hat, weshalb wir uns im Sommer für ihn entschieden haben." Das bedeutet: Polzin muss nicht nur seinen Kapitän im Mittelfeldzentrum, sondern auch dessen veranlagten Back-up ersetzen. Und noch deutlich mehr.
Für das erste Aufeinandertreffen mit den Frankfurtern am Dienstag vor dem Wiedersehen in der Liga am Sonntag fallen mit den Innenverteidigern Jordan Torunarigha und Nicolas Capaldo, den Mittelfeldkräften Remberg, Nadir und Fabio Vieira sowie Angreifer Yussuf Poulsen gleich sechs potenzielle Stammspieler aus.
Der bislang verletzungsfrei durch die Saison gekommene Sturm-Routinier ist mit Hüftproblemen aus Paderborn zurückgekehrt und wird beide Duelle mit der Eintracht verpassen. "Für Yussi", erklärt Polzin, "wird es in dieser Woche nicht reichen." Somit wird Terem Moffi, selbst erst von Knieproblemen genesen, zumindest am Dienstagabend in der Startelf stehen, mit Patson Daka ist immerhin eine Alternative aus dem Krankenstand zurück.
Zu den Spielen
Die Ausfallflut trifft den HSV in einer Phase, da er sich zuletzt stabilisiert hatte, mit voller Wucht. Schon in Paderborn war sichtbar geworden, dass die Kompensation ab einem gewissen Zeitpunkt schwierig wird, nun kommen mit Poulsen, Fabio Vieira und Nadir drei weitere Ausfälle dazu - und Torunarigha und Capaldo entgegen der anfänglichen Erwartungen nicht zurück. Polzins Motto lautet: "Wir sind keine Opfer, wir begeben uns nicht in eine Opferrolle, sondern müssen mit dieser Situation umgehen."
Mit dieser Situation umzugehen, bedeutet ausdrücklich auch, diese aufzuarbeiten. Deutlich ist, dass sich die Muskelverletzungen häufen. Der Trainer verhehlt dies nicht und sagt offen: "Wir betreiben Ursachenforschung, arbeiten es intern auf." Wichtig ist ihm eine differenzierte Herangehensweise bei diesem Prozess: "Es geht einerseits um Spieler mit Vorverletzungen, andererseits auch darum, zu welchem Zeitpunkt der Vorbereitung die Spieler zu uns gestoßen sind, wie viel sie mitgemacht haben."
Moffi, zwischenzeitlich im Krankenstand und der nun verletzte Fabio Vieira etwa kamen spät und haben bei ihren Ex-Klubs nicht die komplette Vorbereitung bestritten; Capaldo gehörte bis kurz vor WM-Beginn zum Trainingsaufgebot der Argentinier, hatte einen verkürzten Urlaub; Nadir war in Marseille seit dem Frühjahr ohne Spielpraxis, ehe er nun zweimal in Folge voll gefordert war, und Poulsen hat ohnehin eine bekannte Vorgeschichte, während sich Albert Grönbaek und Daka bei ihren Nationalmannschaften verletzt hatten.
Keine Ausflüchte
Polzin ist bemüht, weder Alibis noch Ausflüchte zu suchen, übt sich aber in einem differenzierten Umgang mit der Situation. "Wir gehen sehr aufmerksam damit um, haben gleichzeitig aber auch großes Vertrauen in den Bereich Athletik und Medizin. In den zurückliegenden zwei Jahren hatten wir wenig mit diesen Themen zu tun."
Aktuell treffen die Ausfälle den HSV in einer hochsensiblen Zeit. "Es ist eine Phase, in der wir uns gerade gefunden haben", sagt Polzin, "gerade deshalb ist wichtig, dass wir diese Situation jetzt nicht negativ betrachten, sondern annehmen."
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