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Sunday, October 25, 2026

Audi-Chef Döllner zu Besuch bei Trump: Ingolstädter Autobauer plant neues SUV-Werk in den USA

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Bei einem Wahlkampf-Event des US-Präsidenten verspricht Audi-Chef Döllner ein neue Fertigungsstätte in Georgia. Deutsche Fabriken stehen auf der Kippe.

Nanja Boenisch

Audi-Chef Gernot Döllner tanzte in den letzten Jahren aus der Reihe. Andere Autobosse wetterten häufig und hörbar gegen die europäischen CO2-Vorgaben für die Autoindustrie – Döllner aber verteidigte die Klimaregeln, auch das Verbrenner-Aus ab dem Jahr 2035. „Ich kenne keine bessere Technik als das Elektroauto, um in den nächsten Jahren bei der CO2-Reduzierung im Verkehr voranzukommen“, sagte er der Wirtschaftswoche im Herbst 2025, als Kollegen und konservative Politiker gerade wieder einen großen Angriff auf die EU-Vorgaben fuhren.

In diesem Herbst nun, am Samstag, ließ sich Döllner im US-amerikanischen Perry im Bundesstaat Georgia von Präsident Donald Trump freundlich auf die Bühne bitten. Trumps Fans jubelten, Döllner konnte seine Freude kaum verbergen – dann verkündete er am Rednerpult, geziert vom Siegel des US-Präsidenten, dass die Volkswagentochter Audi ein neues, eigenes Werk in den USA bauen will: „Wir planen, unsere größten und hochwertigsten SUVs hier in Macon, Georgia, zu produzieren.“

Es war eine Wahlkampfveranstaltung der Republikaner, der rechtsextreme US-Präsident wirbt um Stimmen für die Zwischenwahlen Anfang November. Georgia ist politisch besonders umkämpft und könnte im Ringen um Mehrheiten im US-Senat das Zünglein an der Waage sein. Trump sagte in Perry, Audi werde vier Milliarden US-Dollar in den Bau des neuen Werks investieren. Jährlich sollen dort 200.000 Fahrzeuge gefertigt werden. Audi-Chef Döllner erklärte: „Dies ist eine langfristige Investition. Wir glauben an den amerikanischen Markt.“

Die Ankündigung kommt zu einer Zeit, in der die Zeichen in der deutschen Autoindustrie auf Krise stehen. Große Hersteller wie Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz wollen die Kosten an deutschen Standorten drücken und im großen Stil Stellen streichen. Im Audi-Mutterkonzern VW stehen die Fabriken in Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm auf der Kippe, die Zukunft vieler Ar­bei­te­r:in­nen ist ungewiss. Erst Ende September kündigte Volkswagen 10 der 13 bestehenden Haustarifverträge, laut der Gewerkschaft IG Metall wurden die Gehälter der weltweit rund 660.000 Mitarbeitenden bis 2030 eingefroren.

„Peinlich und befremdlich“

Lange lief der Umbau der Industrie in Richtung klimafreundlicher Elektromobilität schleppend. Zwar kamen die E-Auto-Verkäufe der deutschen Hersteller zuletzt in Schwung. Trotzdem stehen sie unter Druck: Chinesische Konkurrenten haben sich mit günstigen E- und Hybridmodellen in Europa etabliert, und noch werden die gewinnbringenden Batterien für deutsche Fahrzeuge zu selten in Deutschland selbst produziert. Die von US-Präsident Trump verhängten Zölle und seine Anti-Klimaschutz-Politik erschwerten wiederum die Verkäufe, erst recht den E-Absatz, auf dem großen US-Markt.

Geld, das dringend für die Transformation des Unternehmens gebraucht wird, würde in die USA verschoben

Jens Hilgenberg, BUND

Dass die VW-Tochter Audi in einer solchen Situation ein neues Werk in den USA verspricht, sei eine schlechte Nachricht für die Beschäftigten an deutschen Standorten, sagte Ferdinand Dudenhöffer, Wirtschaftswissenschaftler und Gründer des Bochumer Center Automotive Research (CAR), der taz. Außerdem sei es „peinlich und befremdlich, dass sich Döllner von Trump im Wahlkampf vor den Karren spannen lässt“.

Trump konnte in Perry suggerieren, dass sich seine protektionistische Zollpolitik lohne. Audi schwächelt in den USA, alle Fahrzeuge müssen teuer aus Europa oder Mexiko importiert werden. Die neue Fabrik in Macon soll nun laut Audi 4.500 Arbeitsplätze schaffen, die Produktion Anfang der 2030er Jahre starten. Vom Band rollen sollen die Verbrenner-SUVs Q7, Q8 und Q9.

Wirtschaftlich mache es angesichts der Zölle Sinn, eine eigene Produktion in den USA aufzubauen, findet Dudenhöffer. Dass dort Verbrenner gebaut werden, sei auch nachvollziehbar, meint der Autoexperte: „Trump hat das Elektroauto auf die Standspur gestellt.“

VW-Aufsichtsrat muss noch zustimmen

Jens Hilgenberg, Leiter Verkehrspolitik beim Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND), sieht das anders. „Der Volkswagenkonzern würde Klimasünden ins Ausland verlagern und gleichzeitig die Beschäftigten sowie ganze Regionen in der Heimat im Stich lassen“, sagte er. „Geld, das dringend für die Transformation des Unternehmens gebraucht wird, würde in die USA verschoben.“ Döllners Bekenntnisse zum Klimaschutz wirkten nun „wie bloße Lippenbekenntnisse“, meint Hilgenberg.

Und auch Isabel Cademartori, verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, ist verärgert. Ar­beit­neh­me­r:in­nen in Deutschland müssten um die Zukunft ihrer Arbeitsplätze zittern – gleichzeitig mache Audi offensiv Wahlkampf für einen Autokraten, der „mit einem Handelskrieg Arbeitsplätze auf Kosten Europas in die USA holen“ wolle. „Das wird sowohl dem Wirtschaftsstandort Deutschland als auch der eigenen Marke massiv schaden“, glaubt Cademartori.

Bevor der Werksbau in Macon beginnen kann, muss der Aufsichtsrat des Volkswagenkonzerns noch zustimmen. Das Land Niedersachsen und die IG Metall, die beide im Aufsichtsrat sitzen, fordern weiterhin sichere Perspektiven für die Beschäftigten in Deutschland.

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