„Ocarina of Time“ angespielt: Das beste Spiel aller Zeiten ist zurück!
Das beste Spiel aller Zeiten ist zurück! Das mag etwas reißerisch klingen, aber, naja, es stimmt ja. Jedenfalls, wenn man den Wertungsaggregator Metacritic fragt. Denn da tummelt sich das 1998 auf dem Nintendo 64 veröffentlichte „The Legend of Zelda: Ocarina of Time“ an der einsamen Spitze der bestbewerteten Spiele aller Zeiten: Mit einer Durchschnittswertung von 99 von 100 Punkten lässt es selbst anbetungswürdige Klassiker wie „Super Mario Galaxy“, „Half-Life 2“ oder „Tekken 3“ in der Kritikergunst hinter sich.
Nachdem er bereits 2011 eine vor allem grafisch aufgemöbelte Wiederbelebung auf dem inzwischen eingestellten Nintendo-Handheld 3DS erhielt, ist der Klassiker erneut da. Dieses Mal als konsequentes Remake, exklusiv auf der Switch 2 – und noch genauso fesselnd wie eh und je!
Hey! Listen!
Es gibt nur wenige Spiele, die den Begriff „zeitloser Klassiker“ wirklich verdient haben. Aber, und darin sind sich Videospielfans aus aller Welt im Großen und Ganzen einig, Nintendos N64-Vorzeigetitel „The Legend of Zelda: Ocarina of Time“ ist eines der wichtigsten Mitglieder dieser erlauchten Gruppe. Klar, das war das erste 3D-Zelda-Spiel. Es gab der Welt das moderne 3D-Action-Adventure, das Z-Targeting für präzise Kämpfe im 3D-Raum, eine sich mit dem Helden verändernde Spielwelt und noch viel mehr.
Die Sache ist nur: Dieses Spiel ist jetzt fast 30 Jahre alt. Und egal, wie oft man auch betont, dass „Ocarina of Time“ eigentlich nur kniend gespielt werden darf – man muss irgendwann auch akzeptieren, dass sich die Spielewelt seit damals weitergedreht hat. Was 1998 noch revolutionär war, ist heute Normalität, was seinerzeit als quasi fotorealistisch galt, lässt heute Rufe nach dem Augenarzt erschallen.
Die gute Nachricht ist: Dieser Realitätscheck ist auch an Nintendo nicht spurlos vorbeigegangen. Denn das Spiel, das auf der Switch 2 denselben Namen wie sein ruhmreicher Vorfahr trägt, ist nicht einfach nur eine leicht aufgehübschte Portierung. Sondern ein Spiel, das die Seele des Klassikers zwar per se unangetastet lässt, aber konsequent in die Moderne befördert.
Oh, wundervolles Hyrule!
Worum geht’s in „Ocarina of Time“? Ein Junge namens Link wird vom mystischen Deku-Baum zu sich gerufen, weil ein großes Übel das Land Hyrule heimsucht und Schritt für Schritt die Welt zum Schlechteren verändert. Link hat das in seinen Träumen gesehen – nun liegt es an ihm, zu verhindern, dass sich das Böse in Form des niederträchtigen Ganondorf weiter ausbreitet. Aber was können ein kleiner Junge und seine geschwätzige Begleitfee Navi denn schon gegen ihn und seine unbesiegbar scheinenden Schergen ausrichten?
In aller Kürze handelt es sich dabei um ein klassisches Action-Adventure: Als Link rennt, springt und reitet man durch eine riesige 3D-Welt, bekämpft Gegner, löst Rätsel und sammelt hilfreiche Items auf, die einem im Stile eines Metroidvanias neue Bereiche von Hyrule zugänglich machen. Das Ganze findet in einer Art offenen Welt statt, in der man sowohl innerhalb als auch und gerade außerhalb der Haupthandlung sehr viel Freiheit bei der Wahl der Vorgehensweise hat. Zwar ist das keine richtige Open World wie das 2017 veröffentlichte „The Legend of Zelda: Breath of the Wild“, aber die Welt von „Ocarina of Time“ fühlt sich nie beengt an.
Bilder aus „Ocarina of Time“ (20 Bilder)

Nintendo
)Wenn man will, kann man gezielt der Handlung folgen und ist dann in etwa 20 bis 25 Stunden auch durch. Aber wenn man lieber komplett in der wundervollen Welt von Hyrule versinken möchte, dann darf man hier auch entspannt angeln, Bombenbowling spielen oder Geister jagen. Es gibt eine Art Metagame, in dem man versucht, unterschiedliche Masken zu verhökern. Oder man geht auf die Suche nach 100 überall versteckten goldenen Spinnen. Nichts davon muss gemacht werden, aber nichts davon ist reiner Selbstzweck. Denn es gibt immer eine Belohnung für einen großen Fisch, für 20 weitere Goldspinnen oder für einen Highscore beim Schleuder-Zielschießen. Wenn man „Ocarina of Time“ komplett ausreizen möchte, dann ist man wochenlang damit beschäftigt.
Unser Held der Zeit
Die Handlung des Spiels wirkt anfangs noch sehr klischeehaft: kleiner Junge, großes Böses, klassische Heldenreise. Im Laufe des Abenteuers gewinnt das Ganze aber deutlich an Tiefe, es entwickeln sich interessante Freundschaften, es gibt unerwartete Wendungen, man kann nicht immer klar mit dem Finger darauf zeigen, wer Freund und wer Feind ist. Ein sehr wichtiger Aspekt ist auch, dass Link nicht immer der kleine Junge bleibt, der am Anfang von seiner Leuchtefee Navi geweckt wird. Denn sobald er nach einigen Spielstunden die anfänglichen Dungeons gemeistert und die ersten glitzernden Artefakte gefunden hat, erhält er Zugriff auf das serientypische „Master Sword“ – und das ist der DeLorean von „Ocarina of Time“. Denn zieht Link das Schwert aus seinem steinernen Ruheplatz, reist er sieben Jahre in die Zukunft!
Dieser Zeitsprung hat nicht nur Auswirkungen auf ihn selbst (Link ist dann kein Kind mehr, sondern ein junger Erwachsener), sondern auch auf seine Umgebung: Ganondorf hat sich Hyrule mittlerweile untertan gemacht, alles ist düster, die vorher von Lachen und Tanz geprägten Straßen von Hyrule-Stadt bestehen nur noch aus Trümmern, sind durchzogen von gespenstischen Monstern.
Gleichzeitig kann der große Link jetzt auch ganz andere Waffen führen als sein früheres Ich, er darf Bereiche betreten, die dem Kind verwehrt blieben. Und er darf auch sein Pferd Epona reiten, das in der Vergangenheit noch ein knuddeliges Fohlen ist. Dieser Zeitsprung sorgt für zwei sehr unterschiedliche Spielerlebnisse. Und Link muss ihn immer wieder vollziehen. Denn nicht nur muss Link ab und an zurück in die Vergangenheit reisen, um gewisse Probleme in der Zukunft rückwirkend auszubügeln. Auch hat er dort die Möglichkeit, für die Zukunft vorzuplanen. Wer zum Beispiel vor sieben Jahren bestimmte Zauberbohnen im Boden versenkt hat, könnte in der Zukunft eventuell etwas davon haben …
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