Die zwei und der Rest der Bundesliga: Ein Klassiker und viele Trauerspiele

Alle reden über das Topspiel zwischen Bayern und Dortmund. Aber nur, weil die anderen Klubs dieses Duell erst so richtig zum Glänzen bringen.
Foto: Harry Langer/dpa
K lar, ein größeres Duell gibt es in dieser Liga nicht. Es ist das Topspiel schlechthin, der deutsche Klassiker, für das Weltpublikum auch „German Clásico“ genannt. Bayern München gegen Borussia Dortmund, mehr Spannung geht nicht. Es ist ja erst 14 Jahre her, dass Borussia Dortmund letztmals Deutscher Männerfußballmeister wurde. Vizemeister ist dieser Aktienverein und gnadenlose FC-Bayern-Jäger obendrein 12 Mal geworden, also doppelt so oft wie dieser Konzernverein, der sich die zweifelhafte Auszeichnung namens Vizekusen erspielt hat.
In Wahrheit bringen aber erst die anderen Klubs der Liga dieses eigentlich ungleiche Duell zwischen Bayern und Dortmund richtig zum Glänzen. Für diese Erkenntnis muss man sich nur diesen Spieltag genau anschauen. Tabellarisch fand die zweitranghöchste Paarung in unmittelbarer Nähe zur Münchner Arena statt.
Der Tabellenneunte FC Augsburg empfing den Dritten SC Freiburg und verlor. Weder im Englischen noch im Deutschen hat sich bislang eine prägende Bezeichnung für dieses Duell durchgesetzt. Aber auch wenn es diese gäbe, der Burggipfel etwa (the castle summit), sind die Vermarktungschancen selbst im Inland begrenzt. Jedes Mal muss man bei dieser Partie unweigerlich an ein zähes Schnitzel denken.
Fremdeln mit Tabellennachbar Elversberg
Namentlich und fußballerisch macht die Partie Bayer Leverkusen gegen den VfB Stuttgart einen etwas knusprigeren Eindruck. Beim 4:2-Auswärtssieg der Schwaben ging es auch drunter und drüber. Aber beim enttäuschendsten Klub dieser Saison ist man nun nur etwas weniger enttäuscht. In Leverkusen fremdelt man dagegen nach acht Spieltagen mit dem punktgleichen Tabellennachbarn Elversberg. So hat man sich diese Saison wirklich nicht vorgestellt.
In der Liga des Ballon-d’Or-Gewinners Harry Kane scheint das Prekariat größer zu werden. Allen voran kommt einem da ein anderer ehemaliger berühmter Vizemeister in den Sinn, der FC Schalke 04. International kann dieser einst so stolze Klub eh nur noch Mitleid gewinnen. Im Duell gegen RB Leipzig scheiterte man zum sechsten Mal in dieser Spielzeit an der nicht ganz unwichtigen Aufgabe, ein Tor zu erzielen. Drei der bislang vier kümmerlichen Treffer wurden von Defensivspielern erzielt.
Ein weiteres Trauerspiel fand zwischen Borussia Mönchengladbach und dem SC Paderborn (0:0) statt. Auch das Duell von Werder Füllkrug gegen die TSG Hoffenheim hat trotz aller Euphorie in Bremen nicht das Format eines künftigen Klassikers. Immerhin ist der Stürmer schon 33 Jahre alt. Geduld ist also angesagt. Dortmund trifft Anfang März wieder auf den FC Bayern.
Johannes Kopp taz-Sportredakteur
Jahrgang 1971, bis Ende März 2014 frei journalistisch tätig. Seither fest mit dem Leibesübungen-Ressort verbunden.
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