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Saturday, October 10, 2026

Bei Müller tat's weh: FC Bayern schafft mit Neuer ein Dreifach-Problem

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imageVon Sebastian Schneider & Till Erdenberger

10.10.2026 | 20:34 Uhr

Manuel Neuer patzt gegen den FC Augsburg schwer. Die Torwart-Ikone, die sich so endlos viele Meriten erworben und dem FC Bayern und dem DFB-Team so viele Titel gewonnen hat, muss seine Karriere sauber ins Ziel bringen. Es ist eine stressige Situation - mit drei Problemen.

Er ist nicht mehr der Alte. Diese Erkenntnis über Manuel Neuer muss mittlerweile auch bei ihm selbst angekommen sein. Die noch aktive deutsche Torwart-Legende stand bedröppelt nach dem 2:2-Remis seines FC Bayern im Keller der Augsburger WWK-Arena. Und musste erklären, wie ihm gleich zwei haarsträubende Fehler unterlaufen konnten. Der Erste war gar historischer Natur, schließlich stieg Robin Fellhauer nach Neuers Patzer zum schnellsten Torschützen der Bundesliga-Geschichte auf.

Neuer hatte in den ersten Sekunden des Bundesliga-Duells versucht, den Ball über den heranstürmenden Fellhauer zu lupfen. So, wie er es in seiner großen Karriere bestimmt schon Hunderte Male gemacht hat. Doch gegen den 28-jährigen Abwehrspieler klappte es nicht. "Ich hätte eine andere Lösung finden müssen", räumte Neuer ein.

Der Torwart, der das Spiel für seine Zunft einst auf ein neues Niveau gehoben hat, war immer dafür bekannt, seine Schwächen noch irgendwie erklären zu können. Im Santiago Bernabeu entdeckte er einmal sogar einen kleinen Maulwurf im Rasen. Doch diesmal sagte Neuer nur: "War ein blöder Fehler von mir." Und selbst der 40-Jährige mit der großen Aura reagiert sehr menschlich. Denn, danach "musste ich erst mal in mich gehen, durchatmen".

Es ist wie nun schon mehrfach in den vergangenen Monaten: Der ehemalige Sicherheitsgarant des deutschen Fußballs mutiert mittlerweile regelmäßig zum Unsicherheitsfaktor. Und der deutsche Rekordmeister schafft damit ein gleich dreifaches Problem. Der FC Bayern München selbst kann sich freilich keine Romantik leisten.

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Rekordmann Fellhauer bekommt ganz besondere Grüße

Den Bundesliga-Titel werden sie auch in diesem Jahr wieder einfahren, selbst wenn Vincent Kompany Torwart-Legende Sepp Maier in der Rückrunde ins Tor stellen würde. Dafür ist die Maschinerie zu gut geölt, dafür ist die individuelle Klasse von Ausnahmespielern wie Michael Olise oder Harry Kane zu überragend - und dafür ist auch die Konkurrenz zu stumpf, wie Borussia Dortmund durch einen fahrlässigen Punktverlust gegen Werder Bremen mal wieder unter Beweis gestellt hat.

Stress für den FC Bayern

Aber international, dort, wo es zur Sache geht und die großen Spiele von großen Spielern entschieden werden müssen, gegen Manchester City, gegen den FC Barcelona, gegen Real Madrid, gibt es keinen Raum für Sentimentalitäten. Das Argument, dass er in den großen Spielen zu großer Form aufläuft, hatte Neuer im turbulenten Champions-League-Viertelfinale gegen Real Madrid, als er im spektakulären Rückspiel schon nach wenigen Sekunden das 0:1 verursacht und im weiteren Verlauf mehrfach gewackelt hatte, selbst entzaubert. Schon in der Gruppenphase hatte er nicht gut ausgesehen, bei der WM konnte er der deutschen Mannschaft kaum helfen.

Seinem Klub, bei dem er zu einem der weltbesten Torhüter aufstieg und dem er zu Punkt um Punkt und Titel um Titel verhalf, verschafft Neuer deshalb Stress: Sie müssen die Personalie moderieren und sie müssen die Personalie vor allem klären.

Hartes Ende für Müller

Bei Thomas Müller war das fürchterlich schiefgegangen, die Bayern-Legende wurde erst kommunikativ kaltgestellt und schließlich unter lautem Getöse nach zwei Jahrzehnten aus dem Klub expediert. Es war eine schmerzhafte Entscheidung, gleichwohl sie sportlich unausweichlich war. Bei Manuel Neuer haben sie sich anders entschieden und den Vertrag des Routiniers vor der WM noch einmal um ein Jahr verlängert.

Für ihn selbst geht es mittlerweile auch um sein eigenes Erbe. Die Titel und Auszeichnungen wird Neuer mit einem holprigen Karriereende nicht vergessen machen. Aber gerade der Extremfall Cristiano Ronaldo zeigt eindrucksvoll: Auch das Abschiednehmen ist eine hohe Kunst, deren sichtbare Ergebnisse in Erinnerung bleiben.

Und wenn man in den Fußballannalen nicht als Ronaldo-Beispiel auftauchen will, sollte man vielleicht nicht nur an der Hier und Jetzt denken. Neuer betonte immer, dass er sich körperlich fit fühle, das ist die Grundvoraussetzung für sein Weitermachen. Aber vielleicht reicht das nicht mehr?

Man muss sich nichts vormachen, die Bayern werden die Saison wohl mit Manuel Neuer im Tor beenden. Ein schlechtes Spiel in Augsburg beendet nicht die große Karriere des Torhüters. Und doch könnte man mit Blick auf die kommenden Wochen vielleicht auch mal in die Zukunft blicken. Die Vorgänge in Augsburg verfolgte jemand von der Auswechselbank, der als der Kronprinz des deutschen Torwartwesens gehandelt wird.

Ausgebremster Urbig

Jonas Urbig war wenige Tage zuvor noch als Ersatz-Nummer-eins der deutschen Nationalelf zurück nach München zurückgekehrt. Jürgen Klopp machte für ihn etwas, was für Bundestrainer eigentlich eine Unsitte ist. Er stellte Urbig für gleich zwei der vier Spiele ins Tor mit dem Argument: Der 23-Jährige braucht halt Spielpraxis. Anders als seine DFB-Konkurrenten bekommt er die beim FC Bayern nicht.

Neuer und Urbig haben im Klub ein Jobsharing etabliert, das war eine Bedingung für die Vertragsverlängerung des Routiniers. Der, der früher nie Spiele abgeben wollte, musste das nun machen, damit er weiter im Tor stehen darf. Alexander Nübel verließ den FC Bayern deshalb, weil er nicht auf der Bank schmoren wollte. Bei Urbig ist das anders: Neuer und der Neue verstehen sich prächtig, der Ex-Kölner lernt fleißig von seinem Mentor - und findet sich mit seiner Rolle ab.

Nur: Jeder Lerneffekt bringt nichts, wenn aus der Theorie selten Praxis wird. Urbig steht (die DFB-Spiele abgezogen) in dieser bislang noch jungen Saison bei lediglich zwei Einsätzen. Für einen jungen Torwart ist Spielzeit aber das Allerwichtigste. Und die fehlt ihm nun mal, solange Neuer im Tor steht. Und die großen Spiele kommen ja noch. Die, in denen es um alles geht. Um Titel, um wichtige Erfahrungen - und wohl auch darum, wie glanzvoll eine große Karriere endet.

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