Inquirer78-year-old Piston member hospitalized while leading transport strikePunchMorning recap: Workers threaten October strike, Igbo traders urged to move beyond Chinese competition, Obi praised for supporting El-Rufai, other top storiesCNN Türkİsmail Kartal'dan yeni düzen: Fenerbahçe'de beklenen isim Marco AsensioESPNTransfer rumors, news: USMNT defender Richards to move to Inter?Bollywood HungamaVashu Bhagnani hospitalised in London amid Income Tax searches at 12 locations linked to him, Rakul Preet Singh, and Panorama Studios: ReportNOS SportDriehoek Alkmaar laat geen Israëlische uitsupporters toe in Europa League-duel bij AZNumeramaLe film d’horreur Kraken est-il le digne héritier de Vermines ?BBC عربيمكتب نتنياهو يستبعد اختطاف طائرة فلاي دبي المتجهة إلى تل أبيب، مع هبوطها في السعوديةRFIInfluences étrangères: « Nous allons amener ceux qui ne sont pas encore inscrits à s’inscrire », assure le président de la HATVPNOSGrote politie-actie in Duitsland tegen witwasnetwerk en leden Hells AngelsFootball ItaliaToday’s Papers – Juventus capital injection, generation KayodeOnetAtak Rosji na Ukrainę i kolejne alerty w Polsce. Jest komunikat wojska
The Daily Newsstand · Free, Always
Wednesday, September 30, 2026

Die Wahrheit: Das Gegenteil ist immer wahr

Translate

Bald startet die Impfsaison: Ein Wahrheit-Besuch beim Allround-Verschwörer Stefan „Pro Polio“ Oppi.

Kürzlich schreckte die Ständige Impfkommission (Stiko) die bundesdeutsche Öffentlichkeit auf: 30 bis 40 Prozent der Vorschulkinder hätten keinen ausreichenden Polio-Impfschutz, seien also der Gefahr einer Kinderlähmung ausgesetzt. Die Älteren von uns erinnern sich noch an die Schluckimpfung-Kampagnen aus den Sechzigern und Siebzigern: „Zucker ist süß, Kinderlähmung ist grausam“. Aber natürlich drohte die Polio-Meldung, wie fast alles, im Mahlstrom der Nachrichten unterzugehen. Bis Stefan Oppi mit seiner „Bürgerbewegung Pro Polio“ kam. „Pro Polio“? Für Kinderlähmung? Wie irre kann man sein?

Ein wenig Recherche genügt, und der Name Oppi taucht an verschiedenen Stellen auf. Etwa als Sprecher der „Initiative CO4“, die 2022 in Reaktion auf die Klimaschutzpläne der Ampel für den massiven Ausstoß von Kohlenstoffgasen aller Art warb. CO2 sei positiv und CO4 sogar doppelt so gut.

Höchste Zeit für einen Besuch. Uns öffnet ein drahtiger 140-Kilo-Mann von schätzungsweise Mitte 50. Die Kombination aus dem orange eingefärbten Irokesen und dem Trachtenjanker fällt sofort ins Auge. „Herr Oppi – ist ihre Bewegung ‚Pro Polio‘ nicht geschmacklos und zynisch? Sind Sie ernsthaft dafür, dass Kinder an Kinderlähmung erkranken und lebenslang beeinträchtigt sind?“, fragen wir.

„Der Name soll Schlafschaf-Medien wie Ihres provozieren“, antwortet Oppi unverzüglich. „Denn eine solche Krankheit gibt es gar nicht. Es handelt sich nachweislich um bedauerliche Erbschäden oder um vertuschte Fehler in staatlichen Kreißsälen, die dann auf eine erfundene Krankheit geschoben werden.“

taz-Wahrheit

ist die einzige Satire- und Humorseite einer Tageszeitung weltweit.

Die Wahrheit

hat den einzigartigen Cartoonstreifen: ©Tom Touché.

Die Wahrheit

hat drei Grundsätze:

Warum sachlich, wenn es persönlich geht.

Warum recherchieren, wenn man schreiben kann.

Warum beweisen, wenn man behaupten kann.

Deshalb weiß Die Wahrheit immer, wie weit man zu weit gehen kann.

Vorhersagen von Hobbyärzten

Damit ist der Ton gesetzt. Wir versuchen einen Einwand: „Aber die Stiko …“ Doch die ist offenbar ein rotes Tuch für den gemütlich wirkenden Choleriker: „Die haben uns doch die Coronaimpfungen eingeredet! Und damit 90 Prozent der Bevölkerung ermordet!“ Bitte wie? „Na klar! Es soll systematisch vertuscht werden – aber wir sind nur noch acht Millionen. Der Rest ist an der Impfung verreckt – genau wie unabhängige Hobbyärzte damals vorhergesagt haben. Oder was glauben Sie, woher der Fachkräftemangel kommt? Warum Restaurants und Läden ihre Öffnungszeiten reduzieren müssen? Warum die Renten gekürzt werden? Warum so viele Ukrainer kommen?“

Uns schwirrt schon jetzt der Kopf. Kommen die Ukrainer nicht wegen des Krieges? „Hä, welcher Krieg denn? Das sind doch alles gefälschte Bilder.“ Hat er dafür irgendwelche Belege? „Brauch ich nicht! Die Regierung sagt, in der Ukraine sei Krieg – also ist da keiner. Naturgesetz. Die Regierung lügt immer. Also ist das Gegenteil immer wahr. Und das Gegenteil davon auch.“

Auf Oppis Lippen bildet sich ein leichter Schaumfilm, den seine Frau liebevoll-routiniert entfernt. Sie hat sich vorgestellt als Gaby Schmitz. Wir versuchen zur Auflockerung ein wenig Smalltalk: Woher die unterschiedlichen Namen? Und hat er italienische Vorfahren? Unser Gastgeber lächelt gegen seinen Willen etwas wehmütig.

Mit 16 sei er den Jusos beigetreten – und da wurde „Oppi“ schnell sein Spitzname. Weil er immer in Opposition war. Er habe die Führung permanent attackiert, und zwar von links und rechts gleichzeitig. Und sei deshalb schon mit 17 wieder ausgeschlossen worden.

„Ich kann einfach nicht anders“, sagt Oppi und sieht dabei fast traurig aus. Aber dann ballt er wieder die Faust: „Eine Regierung, die meine Forderungen umsetzt, würde ich sofort bekämpfen.“ Wieder der Schaum. Das Taschentuch noch in der Hand, versucht Frau Schmitz, ein wenig gut Wetter zu machen.

„Manchmal müssen auch Kompromisse gefunden werden. So sind manche unserer Mitglieder aus Opposition zur Papstkirche pro Kopernikus. Auch wegen gewisser Indizien. Andere lehnen diese Mainstream-Wissenschaft ab. Deshalb ist unser Modell der Erde jetzt das einer Halbkugel: eine Hälfte flach, die andere rund.“

Ihr Mann übernimmt wieder: „Mein Juso-Spitzname wurde irgendwann mein offizieller Künstlername. Mit Eintrag im Ausweis. Ursprünglich hieß ich Stefan Schmitz.“ Fangfrage: Für diese Umbenennung habe er doch ein Amt des von ihm verachteten Staates aufsuchen müssen. Mit einem fast teuflischen Grinsen erwidert er: „Und seitdem kann ich den Staat jederzeit der Lüge überführen. Schwarz auf weiß. Ich muss nur meine Geburtsurkunde zeigen – und dann den Ausweis mit dem von der Regierung verfälschten Namen danebenhalten.“

Das drückende Schweigen dauert nicht lange. „Unter anderem bin ich Queerulant: Es gibt nur zwei Geschlechter und keine homosexuellen Beziehungen.“ Wir schauen demonstrativ bedeutungsvoll und investigativ auf die beiden Starschnitt-Poster, deren Glow die Tür des alten Küchenschranks leuchten lässt: Sahra Wagenknecht und … Alice Weidel. Aber unser beredtes, anklagendes Schweigen bleibt leider unbemerkt.

Wir haben genug gehört. Als wir aufstehen, hält Oppi uns eine Keksdose vor die Nase. „Bitte eine Spende für die Bewegung.“ Wobei das „Bitte“ nicht recht passen mag zu seinem drohenden Gesicht und dem Knurren der beiden Dobermänner „Pro“ und „Kontra“. Wofür genau das Geld sei? Oppi plustert sich ein letztes Mal auf: „Ich parke grundsätzlich im Halteverbot. Dafür nehme ich auch längere Fußwege in Kauf. Aber was glauben Sie, was so eine konsequente Dagegen-Haltung kostet?“

Viele Märtyrer in letzter Zeit

Eine letzte Frage noch: Wie viele Mitglieder hat die Oppositionsbewegung der Familie Schmitz-Oppi eigentlich? Ein flackernder Blick zur Seite, dann ein trotzig-kleinlautes Auftrumpfen: „Wir haben sehr viele Märtyrer, gerade in letzter Zeit.“ Uns fröstelt erstmals so richtig. Was für Märtyrer? „Wir missachten Reisewarnungen der Regierung grundsätzlich.“ Oppis Stimme bricht fast, als er hinzufügt: „So viele sind nicht wiedergekommen.“ Dann schließt sich die Tür.

Erst jetzt fällt uns der Spion darin auf – und das Klebeband, mit dem er unbrauchbar gemacht worden ist. Er bekämpft sogar seine eigenen Schutzvorrichtungen. Ein wenig widerwilligen Respekt angesichts so konsequenter Blödheit nehmen wir dann doch mit zurück in die Welt jenseits der Stefan-Oppi-Grenzanlagen. Und in einem Anfall von Bockigkeit stecken wir das gebührenpflichtige Ausreisevisum, das er uns ausgestellt hat, entgegen seinen Anweisungen nicht in die Box links, sondern in die rechte. Hat Oppi uns etwa schon angesteckt?

Die Wahrheit auf taz.de

Die Wahrheit

ist die einzige Satire- und Humorseite einer Tageszeitung weltweit.

Die Wahrheit

hat den einzigartigen Cartoonstreifen: ©Tom Touché.

Die Wahrheit

hat drei Grundsätze:

Warum sachlich, wenn es persönlich geht.

Warum recherchieren, wenn man schreiben kann.

Warum beweisen, wenn man behaupten kann.

Deshalb weiß Die Wahrheit immer, wie weit man zu weit gehen kann.



Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

View the original on taz →

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.