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Thursday, September 24, 2026

Indien und Bangladesch: Beziehungen bleiben frostig - Der Gastgeber des BRICS-Gipfels war Indien. Doch der Nachbar Bangladesch fehlte.

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Es ist übliche Praxis, Staats- und Regierungschefs zum BRICS-Gipfel einzuladen, auch wenn ihre Länder keine offiziellen Mitglieder des Staatenbundes im Globalen Süden sind. Das Treffen fand dieses Jahr in Indien statt. Der Premierminister des Nachbarlandes Bangladesch, das offiziell eine Mitgliedschaft bei BRICS beantragt hatte, war jedoch abwesend.

Laut Angaben der indischen Regierung erhielt Premierminister Tarique Rahman zwei Einladungen aus Neu-Delhi: eine zur BRICS-Outreach-Sitzung als Vorsitzender einer regionalen Staatengruppe rund um den Golf von Bengalen sowie eine zum bilateralen Besuch in Indien.

In Dhaka wurden diese Einladungen jedoch als Affront empfunden, da die ehemalige Premierministerin Bangladeschs, Sheikh Hasina, regelmäßig am Haupttisch des Gipfels teilgenommen hatte.

Einladung oder Affront?

Dieser Fall ist ein weiteres Beispiel für die frostigen Beziehungen zwischen den beiden südasiatischen Nachbarn seit 2024. Damals ließ Bangladeschs Premierministerin Sheikh Hasina Massenproteste gegen sie gewaltsam niederschlagen, bei denen schätzungsweise 1500 Menschen ums Leben kamen. Anschließend musste sie ins indische Exil fliehen. 2025 wurde Hasina in Bangladesch wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Zusammenhang mit der Unterdrückung zum Tode verurteilt. Seitdem fordert Bangladesch von Indien ihre Auslieferung, während Indien dazu schweigt. Hasina wies das Urteil zurück und bezeichnete es als politisch motiviert.

Aufbruch zur Demokratie? Bangladesch vor der Wahl

Seit dem Amtsantritt von Tarique Rahman in Dhaka haben sich die Beziehungen wieder entspannt. Indien hat erneut einen Botschafter nach Bangladesch entsandt. Dennoch stellt Hasinas Exil ein erhebliches Hindernis für eine Normalisierung dar. Dass Rahman beim BRICS-Gipfel nicht teilnahm, wertet der ehemalige indische Diplomat Ajay Bisaria im DW-Interview als eine verpasste Gelegenheit.

"Störfaktor Sheikh Hasina"

"Es war eine Chance, nicht nur mit Indien, sondern auch mit anderen führenden Politikern weltweit in Kontakt zu treten. Der verlorene Boden lässt sich jedoch leicht wieder gutmachen", betont er. Beide Länder müssten mit dem "Störfaktor" durch Hasinas Exil in Indien umgehen. Ein direktes Gespräch im laufenden Jahr könnte den Beziehungen neuen Schwung verleihen.

Bangladesch: Mutter trauert um bei Protesten getöteten Sohn

Der ehemalige bangladeschische Diplomat Humayun Kabir ist dagegen weniger optimistisch. Die Beziehungen seien nicht mehr dieselben wie vor Hasinas Flucht nach Indien. "Vor dem Aufstand waren die Beziehungen einseitig. Dhaka strebt nun nach etwas anderem", erklärt Kabir gegenüber der DW. "Es muss Würde und Gleichberechtigung herrschen." Dhaka sei zu Dialogen bereit, doch Neu-Delhi müsse eine angenehme Atmosphäre für einen Besuch Rahmans schaffen. Dazu gehöre auch, Hasina von "provokativen Äußerungen" abzuhalten und das Urteil gegen sie anzuerkennen.

Der Politologe Zafar Sobhan aus Bangladesch schätzt, dass sein Land zukünftig nur noch auf Augenhöhe verhandeln werde. "Man hatte gehofft, dass Neu-Delhi mit dem Abgang der vom Nobelpreisträger Mohammad Yunus geführten Übergangsregierung die Beziehungen zur gewählten bangladeschischen Regierung wiederherstellen könnte", sagt Sobhan. "Allerdings werden beide Seiten von Hardlinern blockiert, was ihren Handlungsspielraum stark einschränkt."

Bangladeschs Premierministerin Sheikh Hasina im DW-Exklusivinterview

Der beste Weg für Indien, das Vertrauen Bangladeschs zurückzugewinnen, bestehe darin, "nicht zuzulassen, dass Hasina Bangladesch mit provokativen Äußerungen destabilisiert", erläutert Sobhan. Gelinge es nicht, sie im Zaum zu halten, werde dies als unfreundlicher Akt gewertet.

Streitpunkt Wasser

In dieser Woche kündigte Hasina in Indien an, noch vor Dezember nach Bangladesch zurückkehren zu wollen. "Ich bin voll und ganz bereit, alle rechtlichen Konsequenzen zu tragen, einschließlich einer Haftstrafe, wenn dies der Preis ist, den ich zahlen muss, um meinen politischen Kampf fortzusetzen und dem Volk von Bangladesch zu dienen", sagt sie. "Mein Engagement für Demokratie, Gerechtigkeit und das Wohlergehen unserer Bürger bleibt unerschütterlich."

Shanthie Mariet D'Souza, Gründerin der Denkfabrik Mantraya in Goa, sieht in der "deutlichen Kränkung" Bangladeschs noch weitere Gründe. Unter anderem ist die ungelöste Verteilung des Süßwassers aus dem Ganges, einem der größten Flüsse Südasiens, ein Streitpunkt. Im Jahr 1996 hatten Indien und Bangladesch unter Sheikh Hasina eine 30-jährige Vereinbarung getroffen. Aktuelle Verhandlungen über die Wasseraufteilung, die ein Fünftel der Erdbevölkerung betrifft, brachten bisher keine Einigung.

Außerdem versuche die Regierung in Bangladesch, ihre Beziehungen angesichts der zunehmenden Annäherungsversuche Chinas und der harten Haltung Indiens zu diversifizieren, erklärt D'Souza gegenüber der DW. Dabei gehe es nicht um eine Abkehr von Indien, sondern um eine "Neuausrichtung hin zu mehr Absicherung und größerer Autonomie".

China-Faktor

Die Nähe Bangladeschs zu China ist keine neue Entwicklung. Seit Dhaka im Jahr 2016 der Seidenstraßeninitiative von Chinas Präsident Xi Jinping beigetreten ist, hat Peking über ein Jahrzehnt hinweg seine wirtschaftliche und strategische Präsenz in Bangladesch ausgebaut, unter anderem in den Bereichen Infrastruktur, Energie, Handel und Verteidigung.

Die Agrar-Influencerin aus Bangladesch

China ist mittlerweile Bangladeschs größter Handelspartner und ein wichtiger Rüstungslieferant. Außerdem hat Peking seine Unterstützung für das seit langem verzögerte Wasserschutzprojekt am Fluss Teesta zugesagt. Der Teesta entspringt in den Gletschern des indischen Himalaya und fließt durch Bangladesch. Der Höhenunterschied beträgt 1560 Meter. Trotz jahrelanger Verhandlungen ist es Bangladesch und Indien bisher nicht gelungen, ein Abkommen über die gemeinsame Nutzung des Teesta-Wassers zu unterzeichnen. Chinesische Firmen führen derzeit Machbarkeitsstudien zur Hochwasserkontrolle, Wasserversorgung und Wasserkraftnutzung durch.

"Es ist normal, dass ein mittelgroßer Staat wie Bangladesch Beziehungen zu Peking und anderen Nationen aufbaut", sagt D'Souza und warnt davor, dass intensiver Druck von Indien Dhaka weiter in diese Richtung treiben könnte.

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