Hunderte Festnahmen bei Kakerlaken-Protesten in Indien
Bei neuerlichen Straßenprotesten der "Kakerlaken"-Jugendbewegung in Indien gegen eine umstrittene Überprüfung von Wählerverzeichnissen hat die Polizei Hunderte Menschen festgenommen. Zahlreiche Protestteilnehmer seien bei der Hauptkundgebung im Zentrum Neu-Delhis und an anderen Orten der Hauptstadt von Beamten abgeführt worden, berichtet die Zeitung "The Hindu".
Um die verbotenen Proteste zu verhindern, hatten die Behörden Tausende von Sicherheitskräften mobilisiert, Straßenbarrieren errichtet, einstweilige Internetsperren verhängt und U-Bahnstationen geschlossen. Wie die Kakerlaken-Volkspartei (CJP) mitteilte, wurden bereits vor Beginn der Demonstrationen ihr Gründer, Abhijeet Dipke, und weitere Führungsmitglieder bei der Landung auf dem internationalen Flughafen in Neu-Delhi festgenommen.
Kernforderung: Rücktritt
Eine Kernforderung der Bewegung ist der Rücktritt des obersten Chefs der Wahlkommission, Gyanesh Kumar. Die unabhängige Kommission ist für die jüngste landesweite Prüfung der Wählerverzeichnisse verantwortlich. Dabei sollen 130 Millionen Namen gestrichen worden sein.

Kritiker werfen der Wahlkommission vor, die Änderungen könnten Menschen ihres Wahlrechts berauben; im Ergebnis begünstigten sie die hindu-nationalistische Regierungspartei BJP von Premierminister Narendra Modi. Die Kommission wie auch die BJP weisen die Vorwürfe zurück. Nach eigener Darstellung hat die Revision zum Ziel, doppelte Einträge aus den Wählerverzeichnissen zu löschen und Namen nicht wahlberechtigter Menschen zu entfernen.
Partei ohne Zentrale
Die CJP wurde im Mai gegründet, nachdem ein oberster Richter des Landes arbeitslose junge Menschen als "Kakerlaken" bezeichnet hatte. Die CJP beschreibt sich selbst als "satirische politische Bewegung". Sie organisiert sich vor allem im Internet; eine Parteizentrale gibt es nicht.

Die Protestbewegung gilt als eine der größten Herausforderungen für Modi und dessen BJP. Durch wochenlange Proteste gegen Missstände im Bildungssystem und das Prüfungssystem im Hochschulwesen gelangte sie im Sommer zu internationaler Bekanntheit. In der Folge gab der damalige Bildungsminister sein Amt auf. Die Bewegung erklärte ihre Proteste daraufhin zunächst für beendet.
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