Merz: "Habe nicht die Absicht, Liebling der Nation zu werden"
Kanzler Friedrich Merz auf dem Arbeitgebertag - die ganze Rede.
13.10.2026 | 40:16 minDer Bundeskanzler kam mit einem Schnupfen: "Na, Sie hören's: Lohnfortzahlung im Krankheitsfall", sagte Friedrich Merz (CDU) mit kratziger Stimme zu Beginn seiner Rede auf dem Arbeitgebertag - und sorgte für Lacher im Publikum. Danach folgte ein Ritt durch wichtige Themen, die die Koalition derzeit umtreiben: anstehende Sozialreformen, schlechte Umfragewerte und der neue Arbeitsminister.
Merz fordert Tempo bei Rente
Nach dem Rücktritt von Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) drängte Merz ihren Nachfolger Alexander Schweitzer zu Tempo, vor allem bei der Rentenreform: Er erwarte, dass Schweitzer ab Mittwochmittag nach der Kabinettssitzung in seinem Ministerium arbeite. "Und zwar so schnell und so zügig, dass wir die Gesetzentwürfe, die wir verabredet haben, die zum Teil auch schon im Entwurf da sind, so schnell wie möglich ins Kabinett bekommen", sagte Merz bei der Veranstaltung des Branchenverbands BDA.
Bärbel Bas tritt als Arbeitsministerin und SPD-Co-Chefin zurück - mitten im Streit um zentrale Reformen.
12.10.2026 | 12:47 minIdealerweise sei der Rentenentwurf dann nicht nur durchformuliert, sondern auch mit den Bundestagsfraktionen und den Bundesländern abgestimmt.
Und wenn das erreicht wird in diesem Jahr, dann hat er seinen Job gemacht.
Friedrich Merz über seinen neuen Arbeitsminister
Kampeter: "Bitte keine hundert Tage warten"
BDA-Hauptgeschäfstführer Steffen Kampeter sagte im ZDF-Morgenmagazin, es sei wichtig, dass der neue Arbeitsminister zügig liefere: "Bitte keine hundert Tage warten."
Man werde der Bundesregierung ein 20-Punkte-Programm überreichen, unter anderem mit Vorschlägen zu Bürokratieabbau und Qualifizierung von Arbeitskräften.
"Der Reformzug muss jetzt mal losfahren", sagt Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände.
13.10.2026 | 8:07 minMerz: Abschaffung der "Rente mit 63" nötig
Merz verteidigte das Ende der abschlagsfreien Rente, umgangssprachlich "Rente mit 63" genannt. Mit Blick auf die Pflegeversicherung sagte er, es gehe dabei auch um Grundsatzfragen der Gerechtigkeit. Wer sich Pflege nicht leisten könne, für den sei der Sozialstaat da. Wer sie allerdings bezahlen könne, der müsse künftig mehr dazu beitragen.
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Die Umsetzung der Reformen in Gesundheit, Pflege und Rente hält Merz für wichtig, um Vertrauen in der Bevölkerung zurückzugewinnen. Viele Jüngere glaubten nicht, dass das Sicherheitsversprechen auch für sie gelte, wenn sie im Alter bei Krankheit oder Pflegebedürftigkeit Hilfe bräuchten.
BDA-Präsident Rainer Dulger auf dem Deutschen Arbeitgebertag - die ganze Rede.
13.10.2026 | 17:57 minAbschaffung des Acht-Stunden-Tags
Das Aus für den starren Acht-Stunden-Tag nannte Merz eine Chance nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Beschäftigte. Es gebe international Betriebe, in denen werde zwölf Stunden am Stück gearbeitet, "dreimal in der Woche und dann ist gut", sagte Merz.
Der Gesetzentwurf zur Flexibilisierung der Arbeitszeit sei in der Bundesregierung überfällig. Geplant ist, statt einer täglichen eine wöchentliche Höchstarbeitszeit festzulegen, um flexiblere Modelle zu ermöglichen.
Sicherheit, Bezahlbarkeit und Gerechtigkeit: Darauf will die CDU nach ihrer Klausurtagung setzen. CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann spricht von Vorhaben, "die sofort umgesetzt werden können".
13.10.2026 | 4:46 minSchlechte Umfragewerte für Schwarz-Rot
Die Umfragewerte für Merz' Regierung sind schlecht: Laut aktuellem ZDF-Politbarometer sagen 59 Prozent der Befragten, die Reformen der Bundesregierung gehen in die falsche Richtung. Trotzdem gab sich Merz gelassen:
Ich habe nicht die Absicht, der Liebling der Nation zu werden. Sondern ich habe die Absicht, dieses Land so auf Kurs zu bringen, dass wir vor allen Dingen für die junge Generation wieder eine vernünftige Perspektive bieten.
Bundeskanzler Friedrich Merz
Auf eine Frage hin, ob er mit Blick auf unbequeme Reformen bereit sei, persönlich in den Konflikt zu gehen, damit Deutschland wettbewerbsfähig bleibe, antwortete Merz, er sei mittendrin in diesem Konflikt. Wenn er nicht in diesem Konflikt wäre, dann wären seine persönlichen Umfragewerte besser. Laut ZDF-Politbarometer bewerten 77 Prozent der Deutschen die Arbeit des Bundeskanzlers als "eher schlecht".
Nach deutlichen Niederlagen bei Landtagswahlen in Ostdeutschland sucht die CDU einen Weg aus der Krise. Das Parteipräsidium hat zwei Tage beraten und seine Überlegungen in einem fünfseitigen Plan festgehalten.
13.10.2026 | 2:29 minQuelle: dpa, AFP, Reuters
Über das Thema berichtete das ZDF-Morgenmagazin am 13.10.2026 ab 05:30 Uhr.
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