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Monday, October 12, 2026

Abwehr in drei Schritten: Nato-Oberbefehlshaber skizziert Plan bei einem Angriff Russlands

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Abwehr in drei SchrittenNato-Oberbefehlshaber skizziert Plan bei einem Angriff Russlands

12.10.2026, 18:35 Uhr

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Ziel der Nato sei nicht die strategische Niederlage des Gegner, betont Grynkewich. (Foto: picture alliance / Anadolu)

Die Nato stellt sich auf einen möglichen russischen Angriff ein. Oberbefehlshaber Grynkewich präsentiert in Warschau seine Siegesstrategie, die den Aggressor aufhalten, zermürben und schließlich zerschlagen soll. Dem General zufolge beginnt die Abwehr bereits vor dem ersten Schuss des Gegners.

Nato-Oberbefehlshaber Alexus Grynkewich hat ein neues Konzept zur Abwehr eines möglichen russischen Angriffs auf Mitgliedsstaaten des Bündnisses vorgestellt. "Ich gehe nicht davon aus, dass ein Konflikt unmittelbar bevorsteht oder unvermeidlich ist. Das ist nicht der Fall", sagte Grynkewich auf dem Sicherheitsforum in Warschau. Einsatzbereitschaft erfordere aber, dass man für das plane, was möglich sei und nicht nur für das, was wahrscheinlich sei.

Seine als Siegesstrategie ("Theory of Victory") bezeichneten Überlegungen sehen vor, einen möglichen Angreifer in drei Schritten militärisch zu besiegen. Demnach sollen die eigenen Streitkräfte zunächst den Angriff stoppen ("Block"). Falls der Gegner weiterkämpft, würde dann die Wucht seines Angriffs gebrochen und jedes weitere Vorrücken verhindert ("Blunt"). Reicht auch das nicht aus, sollen die gegnerischen Truppen und das gesamte militärische System, das sie unterstützt und führt, zerschlagen werden ("Break").

An der "Theory of Victory" arbeite die Nato schon seit einigen Jahren, sagte Grynkewich in Warschau. Nach der jüngsten Entwicklung habe man sich aber entschlossen, sie öffentlich zu machen. Zwar erwähnte der amerikanische Vier-Sterne-General Russland bei der Vorstellung seines Konzepts mit keiner Silbe. Doch mehr als vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine wird der Kurs von Kremlchef Wladimir Putin von Sicherheitsexperten als äußerst besorgniserregend wahrgenommen. Westliche Geheimdienste gingen zuletzt davon aus, dass Russland spätestens 2030 militärisch in der Lage sein dürfte, einen weiteren Krieg zu beginnen.

Nato-Bodentruppen sollen Angreifer festsetzen

Das Nato-Land Polen befestigt derzeit mit Unterstützung der Bundeswehr seine Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad. Warschau blickt auch besorgt darauf, dass es zuletzt gehäuft russische Drohnenangriffe auf ukrainisches Gebiet direkt an der Grenze zu Polen gegeben hat.

Wie Grynkewich erläuterte, soll die Verteidigung des Nato-Gebiets schon vor dem ersten Schuss des Gegners beginnen. Durch Erkenntnisse der Nachrichtendienste, Daten aus unterschiedlichen Aufklärungssystemen und deren Auswertung soll die Nato drohende Angriffe frühzeitig erkennen. Dies würde dem Bündnis Zeit geben, die Absichten des Gegners einzuschätzen und eigene Streitkräfte rechtzeitig in Stellung zu bringen.

Der US-General geht deshalb davon aus, dass die Nato kaum von einem Angriff überrascht werden dürfte. Zugleich soll ein potenzieller Aggressor erkennen, dass er keine Chance hat, das Bündnis mit einem schnellen Handstreich vor vollendete Tatsachen zu stellen.

Im Ernstfall sollen laut Grynkewich vor allem die an der Front stationierten Nato-Bodentruppen den ersten Angriff aufhalten, angreifende Verbände festsetzen und bekämpfen. Zugleich würden Luftwaffe und Marine mit Unterstützung aus dem Weltraum und dem Cyberraum möglichst schnell die militärische Überlegenheit in der Luft und auf See herstellen. Bei anhaltenden Angriffen sollen hochmoderne Sensoren, autonome Waffensysteme und eng aufeinander abgestimmte Einsätze in verschiedenen militärischen Bereichen dafür sorgen, dass der Gegner nicht weiter vorrücken und auch nicht die Initiative zurückgewinnen kann.

Grynkewich: Bereit, noch heute Nacht zu kämpfen

Für den Fall, dass der Gegner trotzdem weiter angreift oder zusätzliche Truppen einsetzt, plant der Nato-Oberbefehlshaber, gezielt dessen militärischen Apparat lahmzulegen. So würde man Nachschub- und Versorgungswege unterbrechen, Führungssysteme ausschalten und die angreifenden Einheiten kampfunfähig machen. Zum Einsätze käme eine Kombination aus hochpräzisen, leistungsfähigen Waffen und großen Mengen günstigerer, in hohen Stückzahlen einsetzbarer Systeme.

Investiert werden soll deswegen unter anderem in Präzisionswaffen mit hoher Reichweite, Sensornetze und eine digitale Infrastruktur für die vernetzte Kriegsführung. Dabei zieht Grynkewich eine ausdrückliche Grenze. Ziel sei nicht die strategische Niederlage des Gegners, sondern ausschließlich die militärische Niederlage jener Kräfte, die das Bündnis angreifen, erklärte der Oberbefehlshaber der Nato-Streitkräfte in Europa. "Wir wissen, wie wir kämpfen werden, wenn es zum Kampf mit uns kommt. Und wir wissen, dass wir gewinnen werden", sagte der US-General. Wenn man angegriffen werden, sei man bereit, noch heute Nacht zu kämpfen.

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