Konservativer und progressiv: Volkswagen enthüllt den ID. Tiguan - fast der Alte, aber deutlich cooler

Konservativer und progressivVolkswagen enthüllt den ID. Tiguan - fast der Alte, aber deutlich cooler
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Volkswagen passt den ID.4 an und tauft ihn in diesem Rahmen um in ID. Tiguan. Also wenig Neues, große Wirkung? Könnte man so sagen, allerdings hat der Hersteller den kompakten Allrounder cooler und praktischer gemacht. ntv.de hat bereits dringesessen.
Die Wolfsburger können es nicht lassen mit ihren Retroanklängen. Während sie beim ID. Polo tachomäßig die 1970er-Jahre herausgekramt haben, kommen jetzt beim ID. Tiguan die späten 1990er dran. Kennen Sie das ausdrucksstarke Blau als Skalen-Hintergrundbeleuchtung noch? Und überhaupt die klar beschrifteten Skalen samt kleinem Feld in der Mitte für Bordcomputer-Infos mit roter Punktmatrix-Anzeige. Golf IV lässt grüßen. Das ist "whimsy", würde man heute sagen, also etwas spleenig und verspielt, aber auch irgendwie cool. Etwas Futter für die automobile Seele, wenn man so will.
Exakt so kann das Kombiinstrument beim ID. Tiguan auf Wunsch aussehen. Und während man noch schmunzelt, erblickt man bei der Sitzprobe auch schon schnell den ersten handfesten Vorteil: nämlich im Kontext mit dem neu gestalteten Lenkrad. Dieses ist analog zu den anderen aufgefrischten Volkswagen-Baureihen wieder mit präzise klickenden Tasten bestückt - eine Wohltat bei der Bedienung. Ein paar fancy Gadgets fallen überdies rasch ins Auge.
Als da wären die induktiven Ladeflächen, die sich jetzt wie kleine Herdplatten dem Smartphone entgegenstrecken und auch noch illuminiert werden. Darüber hinaus ist erstmals in einem europäischen Volkswagen ein Beifahrerdisplay verfügbar. Für die Gen Z vielleicht unabdingbar. Mit einem physischen Lautstärkeregler hält ein klassisches Bedienelement Einzug in den ID. Tiguan; und solide wirkende, mechanische Tasten für die Klimaautomatik runden das pragmatische Bedienerlebnis ab.
Äußerlich haben die Kreativen den Kompakten auf links gedreht, optisch hat man sich also verabschiedet von den ID.4-Vibes. Vor allem die nun weniger verspielten Scheinwerfer tragen zu einer deutlich konservativen Erscheinung bei. Dafür gibt es am Heck die bereits vom ID. Polo bekannten 3D-LED-Einheiten (wirken hologrammartig) samt mehrlagigem Leuchtstreifen nebst illuminiertem Logo.
Ein außerdem leicht überarbeiteter Stoßfänger hilft dabei, den Luftwiderstandsbeiwert von bisher cW 0,27 auf 0,26 zu reduzieren. Ein paar weitere News beziehen sich auf das Assistenz-Geschehen. Praktisch: Der aktive Tempomat wurde beispielsweise um eine Ampelerkennung erweitert, die im Alltag ganz gut funktioniert, wie sich bereits im Rahmen der ID. Polo-Testfahrten herausgestellt hat.
Antriebe sind souverän, jedoch nicht aufregend
Dass der 4,62 Meter lange ID. Tiguan ein ordentlicher Reiseprofi bleibt, beweisen nicht zuletzt proper dimensionierte Sessel mit optionaler Lüftungs- und Massagefunktion - allerdings sind diese auch schon in den späten ID.4-Modellen verfügbar. Ebenso bereits vor etlichen Monaten eingeführt hat Volkswagen die effizienteren Triebwerke. So bekommt auch der ID. Tiguan einstweilen die bisherigen Aggregate in drei Leistungsstufen.
Den Einstand bildet der 190 PS starke Hecktriebler. Darüber hinaus gibt es 286 PS für Leistungshungrige. Und Allradfans erhalten 299 PS. Während die Basisvariante einen 58 kWh großen Lithium-Eisenphosphat-Akku trägt, schöpfen die starken Ausführungen aus dem 77-kWh-Fundus in Form eines Nickel-Mangan-Cobalt-Speichers. Als phlegmatisch kann man keine der drei Offerten bezeichnen, selbst die Basis erklimmt die 100-km/h-Marke binnen 8,5 Sekunden. Dagegen sind die starken Ausgaben zackig unterwegs mit 6,3 respektive 6,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Außerdem rennen diese 180 Sachen, während man sich beim Grundmodell mit 160 km/h zufriedengeben muss.
Ob man sich hingegen mit 29 Minuten zufriedengeben mag zum Aufladen der großen Batterie von 10 auf 80 Prozent, sei dahingestellt. Es bleibt im Kontext dieser Plattform jedenfalls beim 400-Volt-Bordnetz, und die maximale Ladeleistung rangiert bei 165 kW. Für die kleine Batterie nennt Volkswagen eine Ladezeit von 26 Minuten (ebenfalls 10 bis 80 Prozent) bei bloß 105 kW Peak. Fairerweise muss man sagen, dass diese Ladezeiten derzeit noch als segensüblich durchgehen.
Die WLTP-Reichweiten langen von 450 Kilometern für den Einsteiger über 560 Kilometer für den 4Motion bis hin zu 600 Kilometer. In letzterem Fall geht es um die Version mit großem Akku in Kombination mit Heckantrieb. Der Volkswagen ID. Tiguan rollt ab 2027 zu den Händlern und steht ab 42.695 Euro zur Verfügung. Ein Coupé-Derivat wird es nicht mehr geben, dafür aber etwas sportlicher aussehende R-Line-Optionen.
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