Konflikte bei Irland-Israel-Spiel: Fußball nur im Abseits

Das Nations-League-Spiel zwischen Israel und Irland ging 1:1 aus. Nach all dem Streit, einer wütenden Pressekonferenzen und einem Spuckvorwurf ging es wenig um Sport.
I rlands Fußballer sind im Stich gelassen worden – von ihrer Regierung, von ihrem Verband und vom internationalen Verband Fifa. Es sind junge Männer, deren Alltag von ihren Vereinen organisiert wird. Sie müssen sich weder um ihre Ernährung noch um Einkäufe oder das Eröffnen eines Bankkontos kümmern.
Aber nun sollten sie eine weitreichende politische Entscheidung treffen, während sie von der ganzen Welt interessiert beobachtet wurden. Am Ende entschieden sie sich dagegen, die beiden Fußballspiele im Nations-League-Wettbewerb gegen Israel zu boykottieren.
Es war eine geheime Abstimmung, aber natürlich ist das Ergebnis durchgesickert, und damit müssen die Spieler leben. Lediglich Ersatzkeeper Gavin Bazunu beschloss, den Spielen fernzubleiben. Er wurde dafür in den sozialen Medien als „Israelhasser“ von Menschen beschimpft, die sein keineswegs hassvolles Statement offensichtlich nicht gelesen haben.
Die Iren hielten sowohl beim 3:0-Sieg im ungarischen Debrecen vor acht Tagen als auch beim „Heimspiel“, das aus Sicherheitsgründen ins serbische Bačka Topola verlegt worden war und gestern unentschieden ausging, ihre Köpfe bei der israelischen Hymne gesenkt. Gestern liefen beide Teams mit schwarzen Armbinden auf – die Iren in Gedenken „all derer, die in diesem Konflikt ihr Leben verloren haben“, die Israelis in Gedenken an die Opfer des Hamas-Massakers vom 7. Oktober.
Sechs israelische Vereine mit Sitz in illegalen Siedlungen
Die Pressekonferenz am Samstag endete im Eklat. Eine israelische Journalistin beschuldigte Irlands isländischen Trainer Heimir Hallgrímsson, er befürworte das versuchte Attentat auf den FlyDubai-Flug nach Tel Aviv: „Die Menschen, die Sie unterstützen – deren Ideologie basiert auf Mord“, sagte sie.
Ihr Kollege erhob den Vorwurf des Rassismus gegen die irischen Spieler in Verdrehung der Tatsachen: Es waren die israelischen Fans, die in Debrecen Irlands schwarze Spieler beleidigt, sowie „IDF“ skandiert hatten. Die Uefa schloss die beiden israelischen Journalisten von der Pressekonferenz nach dem Spiel aus.
Schon vor dem ersten Spiel musste Hallgrímsson zur Hamas und zu seiner Entscheidung, von 2018 bis 2021 in Katar zu arbeiten, sowie zum Spiel Irlands gegen Nazideutschland im Jahr 1936 Stellung beziehen. Er hatte zunächst geäußert, man spiele nicht mit Genozid, sondern gegen Genozid, entschuldigte sich dafür aber mehrmals, und die Entschuldigung wurde von israelischer Seite angenommen.
Aber die Frage, ob es ein Genozid ist oder nicht, ist in der Debatte um das Fußballspiel nebensächlich. Israel hat in der Nations League oder in sonst einem internationalen Wettbewerb aus anderen Gründen nichts zu suchen. Fakt ist, dass mindestens sechs Vereine mit Sitz in illegalen Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten in israelischen Ligen spielen.
Am Ende waren alle froh, dass es vorbei war
Das verstößt nicht nur gegen das Völkerrecht, sondern auch gegen die Statuten der Fifa. Artikel 64.2 dieser Statuten besagt: „Mitgliedsverbände und ihre Vereine dürfen ohne die Zustimmung eines anderen Mitgliedsverbands nicht auf dessen Gebiet spielen.“
Wenn nicht mal die Fifa ihre eigenen Regeln durchsetzt, welche Chance haben dann die Fußballer? Die Spannungen zwischen den Mannschaften waren bei jedem Zweikampf deutlich zu spüren. In der Halbzeitpause soll ein israelischer Spieler einen irischen Funktionär angespuckt haben, die Sache wird von der Uefa untersucht.
Am Ende waren alle froh, dass es vorbei war. Zwei Wochen mit geräuschvollen und hitzigen Debatten, feindseligen Pressekonferenzen und wütenden Statements der Regierungspolitiker beider Länder endeten in der bizarren Stille einer serbischen Kleinstadt, wo das Spiel ohne Zuschauer in einem leeren Stadion stattfand.
Hallgrímsson forderte die Uefa auf, seine Mannschaft bei künftigen Auslosungen von Israel fernzuhalten, nachdem die beiden Begegnungen, wie er sagte, „für uns alle eine harte Probe waren“.
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