Beliebtester Streamingdienst – Trotz Umsatzplus ist Netflix in der Krise

Beliebtester Streamingdienst Trotz Umsatzplus ist Netflix in der Krise
Hinter den Kulissen brodelt es: 1000 Angestellte entlassen, Aktienkurs im Sinkflug. Was ist los bei Netflix?
21.10.2026, 14:29
Wer kennt das Gefühl? Auf der Suche nach einer neuen Serie oder einem neuen Film scrollt man minutenlang durch eine riesige Auswahl. Aber so richtig überzeugen tut nichts. Das ist momentan die Hauptsorge von Netflix. Denn auf dem Papier sehen die Zahlen eigentlich gut aus: Mehr als 3.5 Milliarden Dollar Gewinn in nur drei Monaten.
Es wird weniger Netflix geschaut
An der Börse geht trotzdem die Angst um, dass das Wachstum bald weiter abflachen könnte. Eine Kennzahl macht Netflix dabei besonders nervös: Es sind die «Qualified Play Days» – ein Massstab dafür, wie oft sich Netflix-Abonnentinnen und -Abonnenten tatsächlich auf Netflix einloggen. Diese Zahl nimmt stetig ab. Mit anderen Worten: Der Inhalt von Netflix überzeugt sie immer weniger.
Schon heute hat Netflix insbesondere im Heimatmarkt USA das Problem, dass die Menschen am Fernseher doppelt so viel Zeit mit Youtube verbringen als mit Netflix.
Sechs Prozent der Angestellten entlassen
Letzte Woche gab es dann einen grossen Knall bei Netflix: Tausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verloren ihren Job. Das entspricht sechs Prozent der Belegschaft. Auch die Chefetage war betroffen. So musste etwa die langjährige Programmverantwortliche gehen.
An dieser Stelle gilt es nochmals zu betonen, dass Netflix Milliardengewinne macht und der Umsatz allein in den letzten drei Monaten um zwölf Prozent auf 12.9 Milliarden Dollar angewachsen ist. Andere Unternehmen können von solchen Zahlen nur träumen. Aber dem Netflix-Management rund um Chef Ted Sarandos reicht das nicht.
Netflix muss eine Wachstumsgeschichte erzählen können, um Investoren zu überzeugen. Und das funktioniert momentan nicht wie gewünscht: Der Streamingdienst hat innerhalb eines Jahres 300 Milliarden Dollar an Börsenwert verloren.
Nur beste Mitarbeiter sind gefragt
Ob die Massenentlassung gegen den sinkenden Börsenkurs hilft, darf bezweifelt werden. Laut der britischen Zeitung «Financial Times» hat Netflix-Chef Sarandos vor allem Leute entlassen, die bisher brav umsetzten, was er selber angeordnet hatte. Sündenböcke müssen also den Kopf hinhalten, während der Chef der gleiche bleibt.
Auch die Firmenkultur beziehungsweise das Arbeitsklima bei Netflix gibt zu reden. Es gibt einen «Keeper Test», also einen Test, ob man Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter behalten möchte: Netflix-Manager müssen sich immer wieder fragen, ob sie um ihre Mitarbeitenden kämpfen würden, wenn diese zum Beispiel vorhätten zu kündigen.
Oder sie müssen sich die Frage stellen, ob sie – Stand heute – ihre Mitarbeitenden erneut einstellen würden. Wenn nicht, dann wird den Führungskräften nahegelegt, die Mitarbeitenden zu entlassen, weil sie nicht mehr zur absoluten Spitze gehörten.
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