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Monday, September 14, 2026

Milena Moser über Hochzeiten: Das Glück der anderen

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Für eine ausgewiesene, lebenslange Romantikerin wie mich gibt es nichts Schöneres als eine Hochzeit. Es muss gar nicht mal die eigene sein.

Publiziert: vor 25 Minuten

Aktualisiert: 12.09.2026 um 10:05 Uhr

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft

  • Autorin reflektiert über Liebe, Hochzeiten und persönliche Erfahrungen in San Francisco
  • Massentrauung gleichgeschlechtlicher Paare in City Hall hinterliess bleibenden Eindruck
  • Ritual des «Wedding-Watching» inspiriert und stärkt Hoffnung auf Liebe und Zukunft
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Milena MoserSchriftstellerin

Letzte Woche hat mein Sohn geheiratet, doch dazu nur so viel: Es war sehr schön. Wirklich sehr, sehr schön.

Schon vor dem Stadthaus und später in den Gängen vor den Trauzimmern waren wir natürlich nicht allein. Überall standen diese kleineren und grösseren Gruppen zusammen, ganz unterschiedlich zusammengesetzt, gekleidet, begleitet und bespielt, mit Kindern, Musikinstrumenten, Luftballons, Girlanden. Bräute in filmreifen Kleidern oder in Jeans und Turnschuhen. Aber alle strahlten dieselbe Vorfreude aus, gemischt mit Rührung und einer leichten Anspannung.

Ich hatte schon Tränen in den Augen, bevor es überhaupt losging.

So viel Liebe, so viel Hoffnung

Und dann erinnerte ich mich an meinen allerersten journalistischen Auftrag in San Francisco vor vielen Jahren: Ich sollte über die erste Massentrauung gleichgeschlechtlicher Paare berichten. Ungefähr vierhundert Paare drängten sich unter der eindrücklichen Kuppel der City Hall zusammen, zwei von ihnen hatte ich schon während der Tage davor begleitet. Jetzt mischte sich ihre private Vorfreude, ihre Aufregung mit jener der grossen Masse. Wir spürten alle dasselbe. So viel Liebe, so viel Hoffnung, ich konnte direkt sehen, wie die kollektive Emotion in Wolken unter der Kuppel aufstieg und uns alle umhüllte.

Neben mir schniefte eine Frau mit Cowboystiefeln und beeindruckender Föhnfrisur in ihr Stofftaschentuch. Sie war aus Texas angereist, um ihre kleine Schwester zu feiern. Als Einzige und gegen den Widerstand der Familie. «Was trägt sie denn da?», schniefte sie und zeigte mit der typisch schwesterlichen Mischung aus Ungeduld und Fürsorge auf eine Frau in einem tatsächlich schlecht sitzenden Anzug, die aber so glückstrahlend vor dem Beamten stand, dass ihre strenge Schwester unter Tränen lächeln musste.

Lange blieben die damals geschlossenen Ehen nicht rechtsgültig. Meine amerikanische Cousine und ihre Frau mussten drei- oder sogar viermal heiraten, bis es endlich «hielt», rechtlich gesehen. Dabei sind sie eines der stabilsten, innigsten und langjährigsten Paare, die ich überhaupt kenne. Ich selbst habe ja auch schon dreimal geheiratet, aber aus anderen Gründen.

Der Glaube an die Liebe

Eine Romantikerin glaubt eben grundsätzlich, jede Liebe sei für immer. Sie hört nicht auf die Vernunft, kennt sie nicht einmal. Aber ich bereue nichts.

Als ich nach meiner letzten Scheidung am Boden zerstört und nahe der Bitterkeit war, besuchte ich bewusst glückliche Paare in meinem Umfeld. Das hat mich nicht traurig gemacht, im Gegenteil, es hat meinen damals vom Erlöschen bedrohten Glauben an die Liebe gerettet.

Den Glauben nicht zu verlieren, egal woran, die Hoffnung nicht aufzugeben, ist eine bewusste Entscheidung. Manchmal eine Anstrengung. Aber sie lohnt sich.

Auch heute fahre ich, wenn ich traurig oder entmutigt bin, mit der U-Bahn in die Innenstadt. Vor der City Hall findet fast immer eine Demonstration statt, die meiner Hoffnung auf eine demokratische Zukunft wieder Leben einhaucht. Und auf den breiten Treppenstufen werden immer die unterschiedlichsten Brautpaare fotografiert, manche in der traditionellen, farbenfrohen Festkleidung ihrer respektiven Herkunftsgegenden, manche in üppigen, knisternden, grellweissen Polyesterwolken, manche mit einer Entourage, als würden sie in einer Fernsehserie mitspielen, und ab und zu tun sie das sogar auch. Ich setze mich auf eine Bank, strecke die Beine aus, schaue zu. Stehe auf, gehe näher heran, sauge die konzentrierte Lebensfreude in mich auf.

«Warst du wieder Hochzeiten schauen?», fragt Victor, wenn ich deutlich gestärkt nach Hause komme.

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