"Wird schamlos verbreitet": Antisemitismusbeauftragte beklagt offen gelebten Judenhass

"Wird schamlos verbreitet"Antisemitismusbeauftragte beklagt offen gelebten Judenhass
28.10.2026, 12:35 Uhr

Die neue Antisemitismusbeauftrage zeichnet ein düsteres Bild: Judenhass in Deutschland war immer da, sagt von Schnurbein. Doch jetzt könne man sich auch öffentlich antisemitisch äußern, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen.
Die neue Antisemitismusbeauftragte Katharina von Schnurbein hat beklagt, dass Judenhass hierzulande teils wieder offen gelebt wird. Deutschland sei an einer Stelle angelangt, "wie es sie seit der Schoah wahrscheinlich nie gab", sagte die Regierungsbeauftragte der "Rheinischen Post". "Antisemitismus wird offen und schamlos verbreitet."
Antisemitismus sei immer da und nie weg gewesen, fügte sie hinzu. "Doch wer heute antisemitische Aussagen macht, befürchtet keine Konsequenzen mehr."
Von Schnurbein tritt nun ihr Amt an. Die Politikwissenschaftlerin löst Felix Klein ab, der Ende August nach acht Jahren aus dem Amt geschieden war. Das beim Bundesinnenministerium angesiedelte Amt des Antisemitismusbeauftragten war seitdem unbesetzt. Zuvor war von Schnurbein elf Jahre lang Antisemitismusbeauftragte der Europäischen Kommission.
Von Schnurbein sieht Deutschland nun in einer Vorreiterrolle im Kampf gegen Judenhass. "Mein langfristiges Ziel ist, jüdisches Leben in Deutschland zu normalisieren, dass man gar nicht groß weiß, ob jemand Jude ist", sagte sie der "Rheinischen Post". "Und nicht zuletzt muss Deutschland bei der Bekämpfung von Antisemitismus auch der europäische Motor werden." Ziel müsse sein, "dass jüdische Kinder auf dem Schulhof nicht angefeindet werden, dass 'Jude' kein Schimpfwort ist und dass Kinder, die in jüdische Schulen gehen, nicht hinter Polizeischutz und Panzerglas sitzen müssen".
Sie appellierte dabei auch an die "extremen Ränder des politischen Spektrums, also Islamisten, Linke und Rechte". Diese könnten sich grundsätzlich zwar "auf sehr wenig einigen, aber sie können sich auf Antizionismus und Antisemitismus einigen".
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