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Wednesday, October 28, 2026

Russland-Afrika-Gipfel in Moskau: Afrika wird zunehmend zu Russlands Schattenfront

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Russland baut seine Macht in Afrika mit Militärbasen, Waffen und Geschäften aus. Nun findet in Moskau ein zweitätiges Gipfeltreffen statt.

A n der Uferpromenade von Bengasi fallen die Russen auf. Sie leben in den Strandresorts und Neubaugebieten am Stadtrand. Hunderte sollen im vergangenen Jahr in die libysche Stadt am Mittelmeer gezogen sein, heißt es: Offiziere, oft mit ihren Familien. Sprechen wollen sie über den Grund ihres Aufenthaltes nicht.

„Es sind ganz offensichtlich gut trainierte Soldaten“, weiß aber ein leitender Angestellter des „Golden Palm Tree Resort“-Hotels im Bezirk Qar Yunis zu erzählen. „Sie bleiben bei uns nur kurz. Viele mieten nun Wohnungen oder entspannen sich von Einsätzen in Zentralafrika.“

In Bengasi herrscht der libysche General Chalifa Haftar. Mit seiner Libysch-Arabischen Nationalarmee (LNA) kontrolliert er Ost- und Südlibyen. Seit Jahren bildet er die Gegenmacht zur international anerkannten Übergangsregierung in Tripolis im Nordwesten des Landes. Über Haftar will Russland seinen Einfluss ausbauen: am Mittelmeer und tief hinein nach Afrika.

„Wie die türkischen Offiziere in Tripolis treten die Russen in Bengasi nie öffentlich in Uniform auf“, sagt ein lokaler Journalist, mit dem sich die taz in Bengasi auf die Suche nach Putins Kämpfern gemacht hat. „Wir leben mit einer Geisterarmee von mehreren Tausend Soldaten zusammen. Doch wer öffentlich über sie spricht, verschwindet in den Kerkern der Tariq Ben Zeyad Brigade, die für die libysche Armee die Drecksarbeit macht.“

Russland-Afrika-Gipfel in Moskau

Der 3. Russland-Afrika-Gipfel findet am 28. und 29. Oktober in Moskau statt. Russlands Präsident Wladimir Putin will dort gemeinsam mit dem amtierenden Vorsitzenden der Afrikanischen Union, Burundis Präsident Évariste Ndayishimiye, Vertreter fast aller afrikanischen Staaten empfangen. Nach amtlichen Angaben geht es um „die Weiterentwicklung der vielfältigen Beziehungen Russlands mit afrikanischen Nationen“. Der Gipfel soll einen „Partnerschaftsaktionsplan“ für 2027-029 sowie eine Kooperationsvereinbarung über die „zivile Anwendung von KI“ verabschieden.

Premiere 2019 Der erste Russland-Afrika-Gipfel fand 2019 in Sotschi am Schwarzen Meer statt, damals kamen 43 Staatschefs aus Afrika nach Russland. Ein zweiter war 2022 in Äthiopien geplant, wurde aber wegen des Ukrainekrieges abgesagt und 2023 am Rande eines Wirtschaftsgipfels in St. Petersburg nachgeholt. Damals kamen nur noch 17 Staatschefs.

Dieses Jahr werden wieder etwas mehr Teilnehmer erwartet. Die Präsidenten der wirtschaftlich wichtigsten Länder, Südafrika und Nigeria, fehlen jedoch. In Berichten russlandfreundlicher Medien in Afrika heißt es, westliche Länder hätten vergeblich versucht, die Staatsgäste mit Meldungen über Seuchen und Unsicherheit vom Flug nach Moskau abzuhalten. Immer wieder werden Moskaus Flughäfen wegen ukrainischer Drohnenangriffe gesperrt und der Flugverkehr eingestellt.

Alte sowjetische Verbindungen

Die militärische Kooperation zwischen Russland und Haftar ist alt. Sie reicht bis in die Zeit des Diktators Muammar al-Gaddafi zurück. Viele libysche Offiziere wurden damals in den Militärakademien der Sowjetunion ausgebildet, auch der heute 82 Jahre alte General Haftar. Er war einst Gaddafis Mitstreiter, dann brach er mit ihm, ging ins Exil und schloss sich schließlich den Rebellen an, die Gaddafi 2011 stürzten. Danach ging Haftar wieder seinen eigenen Weg.

Der Großteil des Kriegsgeräts der LNA stammt aus Russland. Haftar und sein Sohn Saddam, Vize-Oberbefehlshaber der LNA, reisten in den vergangenen Jahren immer wieder nach Moskau. Zuletzt traf Saddam Haftar im August Präsident Wladimir Putin. Wenige Tage später lief ein von russischen Kriegsschiffen begleiteter Schiffskonvoi den Mittelmeerhafen Tobruk an, den einzigen Tiefseehafen in Ostlibyen. Die Frachter „Anastasiia“ und „Yuriy Arshenevskiy“ hatten Panzer, Luftabwehrsysteme und Drohnen an Bord – wohl die größte Waffenlieferung nach Libyen seit Gaddafis Sturz. Das Militärgerät steht nun nach Angaben von Journalisten auf von der russischen Armee betriebenen Militärbasen in Libyen.

Männer in Uniform sitzen mit ernsten Minen an einem Tisch mit Mikrofonen und Wasserflaschen - auf dem Tisch stehen zwei kleine Flaggen Russlands und Lybien und an der Stirnseite hängt eine große russische Flagge
Khalifa Haftar (zweiter von links) bei einem Treffen mit dem russischen Verteidigungsminister Andrei Beloussow in Moskau

Foto: SNA/imago

Russische Waffen und Benzin werden nach Süden weitergeleitet, bestätigen libysche Beobachter der taz. Die Lieferungen gehen an die Miliz RSF (Rapid Support Forces) im Sudan. Die RSF beherrscht weite Teile der Region Darfur und führt gegen Sudans Militärregierung einen brutalen Krieg, der Hunderttausende Tote gefordert hat. Ein Großteil dieser russischen Lieferungen wird nach UN-Expertenberichten über die Vereinigten Arabischen Emirate abgewickelt. Die Emirate sind ein Drehkreuz für Waffenlieferungen aus vielen Ländern über Libyen an die RSF. „Auf dem Rückweg bringen die Flieger Gold aus den Minen in Sudan und Dollarscheine mit“, sagt ein lokaler Aktivist der südlibyschen Toubou-Minderheit.

Russland baut seine militärische Infrastruktur in Libyen jetzt weiter aus. Neben dem neu errichteten Hauptquartier des russischen Afrikakorps südlich von Bengasi, wo ein Trainingsgelände für 5.000 Soldaten entsteht, stehen russische MiG-29-Kampfjets auf einer der größten Landebahnen der Sahara im Süden Libyens nahe der Oase Kufra. Auch nahe der Grenze zu Algerien werden im Gebiet, unter der Kontrolle der LNA, libysche Flughäfen modernisiert. Der libysche Entwicklungs- und Wiederaufbaufonds investiert dafür umgerechnet mehr als eine Milliarde Euro.

„In den letzten Jahren ist in der libyschen Sahara ein regelrechtes Netzwerk an russischen Stützpunkten entstanden“, sagt ein libyscher Journalist. „Sowohl der Kreml als auch Haftar wollen das gesamte Land kontrollieren. Aber nicht mehr mit Gewalt, sondern durch die stille Einnahme strategischer Positionen in der südlibyschen Fezzan-Provinz, die an Ägypten, Tschad, Sudan, Niger und Algerien grenzt.“

Militärhilfe gegen Gold

Russland schafft mit dem Afrikakorps seiner Streitkräfte, das 2023 an die Stelle der privaten russischen Wagner-Söldnertruppe trat, in Ost-und Südlibyen Nachschubrouten für seine Expansion im Sahel und in Zentralafrika. Das Afrikakorps hat seine Präsenz in Mali ausgebaut und auch in der Zentralafrikanischen Republik. Dort schützten früher Wagner-Kämpfer Präsident Faustin-Archange Touadéra. Doch als Touadéra am 30. März dieses Jahres in der Hauptstadt Bangui für seine dritte Amtszeit vereidigt wurde, trugen seine russischen Leibwächter am roten Teppich bereits das Abzeichen des Afrikakorps.

Bis zu den Präsidentschaftswahlen im Dezember 2025 hatte Touadéra sich gegen den Austausch seiner Wagner-Schutztruppe durch das Afrikakorps gewehrt. Der Grund: Für die Wagner-Söldner musste der bankrotte Staat in Bangui nicht zahlen. Wagner finanzierte sich selbst über eigene Firmen in Bangui, die vor allem Gold förderten und exportierten. Für das Afrikakorps verlangt Moskau dagegen Geld, schätzungsweise rund 15 Millionen Dollar im Monat. Deshalb flog Touadéra kurz vor seiner Amtseinführung im März nach Moskau und traf dort Präsident Putin. „Diese neue Amtszeit ermöglicht es uns, unsere Zusammenarbeit im Bereich der Sicherheit sowie in anderen Sektoren zu stärken“, erklärte er.

Nun tragen Touadéras russische Leibwächter also das Abzeichen des Afrikakorps. Die russischen Geschäftsleute, die mit Wagner nach Bangui kamen und Touadéras Vertrauen genießen, bleiben jedoch aktiv. Pavel Prigoschin, der 28-jährige Sohn des 2023 nach seiner gescheiterten Meuterei in Russland verstorbenen Wagner-Chefs Jewgeni Prigoschin, lebt in Bangui und hat dort direkten Zugang zum Präsidentenpalast.

Über ihn wurde offenbar ein Deal eingefädelt, der die Finanzierung der russischen Soldaten in Bangui sichern soll: Die von Wagner gegründete Goldfirma Midas Ressources übernahm 2024 die Konzession für die größte Goldmine Ndassima. Nach dem jüngsten Bericht der „Global Initiative against Transnational Organized Crime“ (GI-TOC) investiert sie in den industriellen Abbau. Im vergangenen Jahr wurden laut offiziellen Zahlen fünf Tonnen Gold im Wert von 250 Millionen Dollar von Bangui über Somaliland und Puntland nach Dubai ausgeflogen – Geld, mit dem die Waffen aus Moskau bezahlt werden können.

Russland und Ukraine bekämpfen sich auch in Afrika

Der Ausbau der russischen Präsenz in Nordafrika bleibt im Westen nicht unbemerkt. In Misrata, der mit dem Haftar-Regime verfeindeten Hafenstadt in Nordwestlibyen, sind italienische Soldaten und US-amerikanische Verbindungsoffiziere stationiert. Ende letzten Jahres kamen dann Drohnenexperten aus der Ukraine auf die Luftwaffenakademie in Misrata. Am 3. März schossen sie vor Misrata den mit Flüssiggas beladenen russischen Tanker „Arctic Metagaz“ mit einem unbemannten Torpedo in Brand.

Der Ukrainekrieg hat längst eine afrikanische Front, zumal Russlands Armee aus Mangel an eigenen Rekruten immer mehr afrikanische Söldner anheuert. Damit hat sich Russlands Afrika-Strategie drastisch verändert, sagt Ivan Klyszcz. Er ist Experte für russisch-afrikanische Beziehungen am Internationalen Zentrum für Verteidigung und Sicherheit in Estland. Früher standen wirtschaftliche Interessen im Vordergrund, heute ordnet sich das Engagement dem Ziel unter, den Krieg in der Ukraine zu gewinnen:„Es gibt nur eine einzige Außenpolitik, und sie ist ganz auf den Ukrainekrieg ausgerichtet“, sagt Klyszcz

„Der ukrainisch-russische Krieg wird auch in Afrika geführt“, bestätigt ein ehemaliger libyscher Kommandeur, der jahrelang gegen den Islamischen Staat und dann gegen Haftars LNA kämpfte. „Die russischen Basen in der Sahara werden die nächsten Ziele der Ukrainer sein.“

Ein Foto, das im Mai im Telegram-Kanal des Afrikakorps auftauchte, unterstreicht diese Aussage. Es zeigt einen toten Afrikaner in Flecktarnuniform, dessen Hand das Abzeichen des ukrainischen Auslandsmilitärgeheimdienstes in die Kamera hält. Unter dem Bild steht: „In Mali wurden bei Terroristen Abzeichen der Hauptverwaltung für Aufklärung des ukrainischen Verteidigungsministeriums entdeckt.“ Als Quelle nennt der Beitrag „malische Blogger“. Die Botschaft ist eindeutig: Russland kämpft auch in Afrika gegen die Ukraine und den Westen.

Der Vorwurf, dass die Ukraine Malis Tuareg-Rebellen ausrüste, führte bereits 2024 dazu, dass Mali und Niger ihre diplomatischen Beziehungen zu Kyjiw abbrachen. Im September berichtete der US-Sender CNN, 15 Militärexperten aus der Ukraine würden Kämpfer der Tuareg-Separatistenarmee FLA (Awazad-Befreiungsfront) in Mali an Drohnen ausbilden. Zugleich gab es Berichte über zahlreiche russische Tote bei Kämpfen in Mali.

In Mali kämpfen die islamistische Gruppe JNIM, ein Ableger von al-Qaida, und die Tuareg-Rebellen der FLA gegen die von Russland unterstützte Militärregierung. Im April eroberten sie die Stadt Kidal. Videos zeigen JNIM-Kämpfer, die sich über zurückgelassenes russisches Kriegsgerät hermachen. Später meldeten Medien weitere getötete russische Soldaten an anderen Orten in Mali.

Die „Schattenflotte“ bringt Öl und Kriegsgerät

Russland reagiert auf die Rückschläge mit verstärktem Nachschub. Über Guinea und Togo, deren Regierungen Moskau wohlgesonnen sind, gelangen schwere Waffen und Panzer nach Mali. Beide Länder verfügen über Tiefseehäfen, die Russland nutzt. Bereits 2025 verlagerte Moskau Kriegsgerät aus Syrien nach Mali, nachdem die Assad-Diktatur gestürzt worden war, dies bestätigt eine Quelle aus Sicherheitskreisen gegenüber der taz. Wenig später schloss Togos autoritäre Regierung mit Russland ein Abkommen, das Moskau die Entsendung von Militärausbildern und Militärgerät erlaubt.

Die Transporte erfolgen oft über die sogenannte „Schattenflotte“ – Schiffe, die die Sanktionen der westlichen Länder gegen Russland unterlaufen, indem sie Öl und andere sanktionierte Güter für den Export transportieren. Das finanziert nicht nur Russlands Krieg in der Ukraine, sondern sichert auch den Nachschub für das Afrikakorps.

Um nicht geortet zu werden, fahren die Schiffe häufig mit ausgeschalteten Transpondern und unter wechselnden Flaggen. Im November 2025 lag die russische „Mersin“, beladen mit 39.000 Tonnen Treibstoff, mehrere Wochen im Hafen von Dakar in Senegal, nachdem vier Lecks am Rumpf es manövrierunfähig gemacht hatten. Die offensichtliche Beschädigung durch Sprengsätze deutete auf einen gezielten Sabotageakt hin. Verdächtigt wurde Ukraines Militärgeheimdienst. Im Januar kündigte die russische Seeschifffahrtsbehörde daraufhin an, Handelsschiffe künftig von Militärschiffen begleiten zu lassen.

Im Juli 2026 erreichte der Frachter „Mikhail Britnev“ den Hafen von Lomé. An Bord: gepanzerte Transportwagen und Infanteriefahrzeuge, die nun in Mali eingesetzt werden. Anfang Oktober konnte Malis Armee die Stadt Kidal wieder zurückerobern – Ergebnis „intensiver Boden-Luft-Operationen“, wie sie erklärte, „gemeinsam mit unseren russischen Partnern“.

Die „Mikhail Britnev“ hatte im Juni unter Eskorte des russischen Kriegsschiffs „Aleksandr Shabalin“ den russischen Ostseehafen Pillau verlassen, wie aus Daten der Website Global Fishing Watch hervorgeht. Trackingdaten zeigen, dass nach der Passage durch den Ärmelkanal der Transponder ausgeschaltet und drei Wochen später im Hafen von Lomé wieder sichtbar wurde.

Die Geschäfte blühen, aber die direkte Präsenz russischer Truppen in Afrika hat sich seit dem weitgehenden Abzug von Wagner reduziert. Russlands Generalstab entsendet nur noch kleine Einheiten von maximal mehreren Hundert Mann unter dem Label Afrikakorps. Zielländer sind Mali, Algerien, Burkina Faso und Niger – Staaten, die aus russisch-imperialer Sichtweise aus den Fängen der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich befreit werden.

Diese Strategie verleiht Putins Größenwahn einen antikolonialen Anstrich. In diesem Sinne ist die Afrika-Politik nicht nur rein militärisch zu verstehen, erläutert Experte Klyszcz. Es geht auch um das russische Image auf der Welt und um neue wirtschaftliche Verbindungen, mit denen sich westliche Sanktionen umgehen lassen.

Der Nuklearkonzern Rosatom verkauft afrikanischen Staaten Atomenergie, russische Firmen liefern Dünger und Weizen. Ausrangiertes Kriegsgerät aus der Ukraine, wie Radpanzer oder Grabenbagger, findet in Afrika neue Abnehmer. Auch Überwachungs- und Verschlüsselungssoftware aus Russland ist gefragt. Afrikanische Delegationen besuchen regelmäßig Moskaus Cybersecurity-Festival.

Auch beim diesjährigen Russland-Afrika-Gipfel in Moskau Ende Oktober werden zahlreiche Unterschriften unter neue Kooperationsabkommen erwartet. „Dies soll gewissermaßen die Vorzeigeveranstaltung sein, bei der demonstriert wird, wie weit die Beziehungen inzwischen gediehen sind“, so Klyszcz.

Viele russische Diplomaten betonen seiner Aussage nach, dass es bei diesem Gipfel nicht mehr um jenen anfänglichen Enthusiasmus geht, wie er bei den Vorgängergipfeln 2019 und 2023 zu beobachten war. „Vielmehr steht nun die konkrete Umsetzung im Vordergrund; dabei geht es auch darum, der russischen Unterstützung – die über reine Rüstungsdeals hinausgeht – Glaubwürdigkeit zu verleihen.“

„Russische Häuser“ in den Tropen

Um diese Glaubwürdigkeit zu zementieren, hat Moskau auf dem Kontinent eine mächtige Propagandamaschinerie aufgebaut, die Teil einer hybriden Kriegsführung ist und sich die bestehende Skepsis gegenüber dem Westen zunutze macht, insbesondere gegen die einstige Kolonialmacht Frankreich, die am längsten noch in Afrika Einflusszonen zu bewahren versuchte.

Während das Russische Haus in Berlin geschlossen wurde, entstehen auf dem Kontinent immer mehr solcher Einrichtungen. In 16 Städten, darunter Bangui, Niamey und Kampala, bieten sie kostenlose Russischkurse an. Acht weitere Häuser sind geplant, etwa in der Demokratischen Republik Kongo, Madagaskar und Togo. Ziel ist es, Afrikas Jugend für Russland zu begeistern – als Studenten, Arbeitskräfte oder Söldner.

Beworben wird auch eine „alternative Weltsicht“, wie dies in den russischen Telegram-Kanälen, genannt wird. Diese Weltsicht verbreitet ein Propagandanetzwerk, wie ein Konsortium investigativer Medien jüngst aufdeckte. Dazu gehören rund 90 PR-Spezialisten der russischen Organisation Africa Politology, die seit 2023 als „Politologen“ durch Afrika reisen. Sie bezahlen gezielt lokale Journalisten und Influencer.

Ein wichtiger Baustein ist die Plattform Africa Initiative, die auf Englisch, Französisch und Russisch Nachrichten liefert. Betont werden dort Erfolge. Von einem angeblichen neuen russischen Impfstoff gegen Ebola bis zum Internationalen Jugendfestival im russischen Jekaterinburg im September, wo 46 afrikanische Blogger und Journalisten zu Gast waren. Gleichzeitig baut Russland seine Medienpräsenz aus. Der staatliche Sender Russia Today (RT) kündigte seinen Markteintritt in Senegal an, obwohl ihm noch die Sendeerlaubnis fehlt.

Uganda – ein Hub für Russlands Rüstungsschmiede

Mittlerweile reicht der russische Einfluss bis an den Äquator. Grasgrüne Radpanzer russischer Bauart reihen sich auf dem Parkplatz vor dem himmelblauen Gebäude in Ugandas Hauptstadt Kampala. „Wir haben entschieden“, so General James Mugira bei der Eröffnungszeremonie des ersten Verkaufsraumes für Militärfahrzeuge im vergangenen Jahr, „dass wir unsere Produkte näher zu unseren Kunden bringen wollen“.

Mugira, einst Chef des Militärgeheimdienstes, leitet seit 2015 die staatliche Rüstungsfirma NEC (National Enterprise Corporation). Auf einem Luftwaffenstützpunkt 140 Kilometer nördlich von Kampala lässt NEC Radpanzer bauen. Seit Jahrzehnten repariert das Unternehmen alte russische Kalaschnikows aus Afrikas Kriegsgebieten und überholt russische Hubschrauber und Jets.

Seit Kurzem arbeiten dort auch russische Militärausbilder, Piloten und Ingenieure. Sie modernisieren Ugandas Militärindustrie – eine der führenden Afrikas – für die technisierte Kriegsführung und erweitern den Luftwaffenstützpunkt. Immer häufiger landen russische Frachtmaschinen aus Dubai. Künftig sollen afrikanische Armeen ihre russischen Waffen direkt in Kampala kaufen können, ohne umständliche Flug- oder Schiffsrouten.

Das neue Radpanzerwerk finanzierte und baute die in Dubai ansässige Streit Group. Ihr Chef, Guerman Goutorov, betont gern, er lebe in Kanada. Doch der Russe und seine Firma stehen seit 2025 auf der EU-Sanktionsliste, weil sie russische Truppen im Ukrainekrieg ausrüsten. In Uganda ist Goutorov dennoch ein willkommener Gast. Streit produziert dort monatlich 40 Radpanzer für den Export in ganz Afrika.

Vergangene Woche nahm Ugandas Präsident Yoweri Museveni den Spatenstich für drei neue Militäreinrichtungen vor, finanziert von Russland mit 53 Millionen Dollar. Die Zentren sollen moderne Kriegsführung lehren, darunter den Einsatz von Drohnen und KI aus russischer Produktion. In seiner Rede dankte der 82-jährige Museveni Putin persönlich: „Unsere Zusammenarbeit mit Russland sollte uns dabei helfen, lokale Kapazitäten aufzubauen, unsere Souveränität zu schützen und unsere Fähigkeit zur Verteidigung Ugandas zu stärken.“ Ein weiterer Putin-Verbündeter auf Afrikas Schachbrett.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text wurde von unseren Korrespondenten in Afrika gemeinsam recherchiert.

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