Warum Blutspenden auch im Alter möglich ist
Lange war Blutspenden ab 65 Jahren nicht erlaubt. Aber der Bedarf an Blut steigt und es wird zu wenig gespendet. Seit 2023 ist darum die Altersgrenze aufgehoben. Wer gesund ist, darf spenden.
25.09.2026 | 1:44 min"Das Alter allein ist nicht dafür ausschlaggebend, ob jemand Blut spenden kann. Entscheidend ist, ob eine Person gesund ist und die Spende gut verträgt", sagt Kristina Hölig, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie.
Hölig und ihre Kolleg*innen sprechen bei der Jahrestagung in Stuttgart diese Woche nicht nur über neue Behandlungsmethoden bei Blutgerinnungsstörungen, über KI in Blutbanken und Laboren, sondern auch darüber, wie Bluttransfusionen reduziert oder vermieden werden können.
Denn es fehlt an Blutspenden. Seit Jahren fehlt der Nachwuchs. Und der Bedarf steigt.
Mehr Blutspenden auch durch demografischen Wandel notwendig
Ältere Menschen werden häufiger schwerer krank und brauchen deshalb häufiger Blutprodukte, andererseits gibt es viele fitte Rentnerinnen und Rentner bei bester Gesundheit. Auch weil jeden Tag rund 15.000 Blutspenden benötigt werden, doch nur etwa drei Prozent der Bevölkerung regelmäßig spenden, wurde die Altersgrenze von 65 Jahren aufgehoben.
Studien zeigen: Wenn ältere Menschen nach ärztlicher Prüfung zur Spende zugelassen werden, vertragen sie diese genauso gut wie Jüngere. Sie kennen ihren Körper, wissen, was sie sich zumuten können. Wer sich schlapp fühlt, sollte die Blutspende sein lassen.
Am wichtigsten ist, ehrlich zu sein und eigenverantwortlich zu handeln. Manche Medikamente schließen eine Blutspende aus, andere haben keinen Einfluss. Deshalb müssen alle, die Blut spenden, angeben, welche Präparate sie einnehmen, welche Vorerkrankungen sie haben, ob sie chronisch krank sind oder welche Operationen es gab.
Da Blutverlust den Körper schlaucht, dürfen Männer nur sechsmal, Frauen nur viermal im Jahr Vollblut spenden. Eine Plasmaspende, bei der nur das flüssige Plasma gebraucht wird und bei der die Blutzellen dem Spender gleich wieder zurückgegeben werden, ist wöchentlich möglich.
Blutspender seit über 50 Jahren
Für den 72-jährigen Henning Örsted gehört Blutspenden zum Alltag - seit mehr als 50 Jahren.
Ich kann Menschen helfen, vielen kranken Menschen. Und mein Blut wird komplett kontrolliert.
Henning Örsted, Blutspender, 72 Jahre
Sein erstes Mal war, als Örsted den Motorradführerschein machte. Motorradfahrer seien besonders gefährdet, dachte er sich. "Wenn mir was passiert, brauche ich auch Blut, also kann ich es doch auch den Menschen geben. Das war eigentlich der Einstieg."
Hitzewelle und Ferienzeit sorgten im Sommer für weniger Blutspenden. Kliniken mussten ihre Reserven sichern, denn Blutkonserven sind nur begrenzt haltbar.
24.07.2026 | 1:31 minÄrztin: Besonders dünn in Erkältungszeit
Treue Spenderseelen wie Örsted gibt es häufiger, doch es mangelt an Nachwuchs. Das stellen sie auch am Zentrum für Klinische Transfusionsmedizin (ZKT) in Tübingen fest. Die Ärztin Ute Mohaupt erzählt, dass es in der Urlaubs- und in der Erkältungszeit besonders dünn sei. Deshalb seien langjährige Spenderinnen und Spender willkommen. "Die Leute werden einfach immer älter und der Nachwuchs fehlt."
Wir hätten gerne mehr Nachwuchs und freuen uns über alle, die weiter spenden.
Ute Mohaupt, Ärztin am ZKT
Wie kann man Jüngere zum Blutspenden motivieren? Damit beschäftigen sich auch die Teilnehmenden der Jahrestagung. Der Präsident der Tagung und Leitende Arzt für Transfusionsmedizin an der Uniklinik Tübingen, Tamal Bakchoul, meint: "Ich glaube, die Wertschätzung, Vollblut oder Blut zu spenden an Menschen, die man nicht kennt, das sollten wir in Zukunft intensiver in den Vordergrund stellen. Und um die Zeit heutzutage besser zu managen, braucht man Terminvereinbarungen", sagt er.
Nur wenige junge Menschen spenden Blut. Doch Blut fehlt, weshalb das Deutsche Rote Kreuz auf Plattformen wie Instagram und TikTok und mit Blutspende-Pop-Up-Stores um neue Blutspender wirbt.
29.08.2025 | 1:50 minMedizinischer Fortschritt lässt Blutbedarf steigen
Man könnte meinen, durch innovative Therapien würde weniger Blut gebraucht. Doch das Gegenteil ist der Fall. Gerade bei modernen Krebsbehandlungen, bei Leukämie zum Beispiel, gibt es Nebenwirkungen, die Bluttransfusionen nötig machen.
Da reicht es nicht, dass bei anderen operativen Eingriffen heute durch gezielte Blutmanagement-Programme weniger Blutkonserven gebraucht werden. Transfusionsmediziner Bakchoul will sein Augenmerk aber nicht nur auf die aktuelle Situation richten. Er blickt voraus:
Wir müssen die Infrastruktur für die Blutspende und die Blutbanken verbessern, um in einer kritischen Situation, zum Beispiel im Krieg, vorbereitet zu sein.
Tamal Bakchoul, Ärztlicher Direktor am Zentrum Klinische Transfusionsmedizin Tübingen
Er wolle nicht den Teufel an die Wand malen, eher auch in die Zukunft denken. Denn Blutspenden retteten Leben -nicht nur bei großen Operationen oder nach Unfällen, sondern auch im Katastrophenfall.
Petra Otto berichtet aus dem ZDF-Landesstudio in Baden-Württemberg.
Über dieses Thema berichtete heute - in Deutschland am 25.09.2026 ab 14:00 Uhr.
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