Deutsche Baubranche verzeichnet Rekordanstieg bei Großaufträgen
Branche profitiert von Großaufträgen Bauwirtschaft verzeichnet Rekordplus bei Aufträgen
Stand: 23.10.2026 • 13:53 Uhr
Es ist ein Lichtblick in angespannten Zeiten: Die deutsche Baubranche meldet das größte Auftragsplus seit Beginn der Aufzeichnung. Grund sind aber vor allem Großaufträge. Trotzdem bleibt der Mietmarkt angespannt.
Die deutsche Bauwirtschaft hat im August so viele neue Aufträge erhalten wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnung. Der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe stieg saison- und kalenderbereinigt um 23 Prozent gegenüber dem Vormonat. Ausschlaggebend waren mehrere Großaufträge, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.
Auch im weniger schwankungsanfälligen Dreimonatsvergleich zeigt sich ein deutlicher Zuwachs. Von Juni bis August lag der Auftragseingang um 7,6 Prozent über dem Niveau der drei Monate zuvor.
"Wir sehen endlich Licht am Horizont", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes, Tim-Oliver Müller. Gleichzeitig betonte er: "Es dauert sicherlich etwas, bis insbesondere Großprojekte in der Branche und damit auch nachhaltig im Umsatz ankommen."
Besonders viele Aufträge im Tiefbau
Vor allem der Tiefbau verzeichnete im August höhere Auftragszahlen. Die Bestellungen stiegen laut den Statistikern um 31,6 Prozent gegenüber dem Vormonat. Zum Tiefbau gehören etwa der Straßen- und Schienenbau sowie weitere Infrastrukturprojekte. Im Hochbau, zu dem unter anderem Wohn- und Bürogebäude zählen, legte der Auftragseingang um 12,4 Prozent zu.
Die Entwicklung kommt zu einer Zeit, in der die Branche auf zusätzliche Impulse durch das Sondervermögen der Bundesregierung für Infrastruktur und Klimaneutralität hofft. Wirtschaftsverbände kritisieren allerdings, dass die bereitgestellten Mittel bislang kaum in der Breite der Bauwirtschaft ankämen.
Die kleineren Unternehmen des Baugewerbes fürchten, bei den Großaufträgen der öffentlichen Hand leer auszugehen. Die Aufträge würden in so großen Losen vergeben, dass nur noch wenige große Unternehmen mitbieten könnten. Der Mittelstand habe noch Kapazitäten, sagte der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, Felix Pakleppa. Im Hochbau seien die Geräte nur zu 45 Prozent ausgelastet.
Auch Umsatz und Beschäftigung steigen
Der Umsatz stieg im August gegenüber dem Vorjahresmonat um 10,1 Prozent auf 10,9 Milliarden Euro, wie es weiter hieß. Preisbereinigt betrug das Plus 4,9 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe erhöhte sich um 1,5 Prozent auf rund 548.000. Die Angaben des Statistischen Bundesamtes beziehen sich auf Betriebe von Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten.
Trotz des kräftigen Auftragszuwachses fordert die Branche weitere politische Maßnahmen, um insbesondere den Wohnungsbau anzukurbeln. Pakleppa bezeichnete die Wohnungsbauförderung als einen vergleichsweise günstigen Weg, die Konjunktur zu stärken. Eine Förderung von Wohneigentum könne zudem angespannte Mietmärkte entlasten und die heimische Wirtschaft stärken, argumentierte er.
Wohnungsbau bleibt unter Druck
Trotz des Rekordanstiegs bei den Bauaufträgen bleibt die Lage auf dem Wohnungsmarkt angespannt. Einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge steigen die Mieten, während die Kaufpreise für Immobilien nahezu stagnieren.
Noch Anfang dieses Jahres hatte es dem IW zufolge danach ausgesehen, dass sich die Dynamik bei Angebotsmieten und Kaufpreisen bei einer jährlichen Steigerung um drei bis vier Prozent angleicht. "Mittlerweile muss man jedoch davon ausgehen, dass die Kaufpreise eher stagnieren oder sinken, die Angebotsmieten dagegen umso stärker steigen", betonten die Forscher.
"Ursächlich hierfür ist die jüngste Zinsentwicklung." Sie dämpfe die Nachfrage nach Kaufobjekten. Dadurch verlagert sich die Nachfrage laut IW-Studie in das Mietsegment.
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