Wie Start-ups in Deutschland trotz Hürden Erfolg haben können
Trotz Hürden für Gründer Wie es Start-ups auch in Deutschland schaffen
Stand: 10.10.2026 • 15:07 Uhr
Ein Berliner KI-Start-up zeigt, wie deutsche Gründer es auf die Weltbühne schaffen. Doch viele aufstrebende Unternehmen werden in ihrem Potenzial immer noch ausgebremst. Dabei gebe es viel Talent, sagt ein Gründer.
Wer die Hotline des Hauptstadt-Flughafens BER anruft, hat in aller Regel eine Künstliche Intelligenz am Apparat: eine Agentic AI, wie der Fachbegriff lautet. Eine Künstliche Intelligenz (KI) also, die komplexe Aufgaben erfüllen kann - weit mehr als nur ein Sprachmodell, das versucht, das richtige Wort zu erraten, das es als Antwort geben soll.
Diese KI müsse viel mehr können, brauche "nicht allgemeine Infos, sondern ganz spezielle Informationen über den BER", erklärt Stefan Ostwald, einer der Gründer des deutschen Start-ups Parloa und KI-Chef des Unternehmens. Parloa hat die Agentic AI entwickelt, die hinter der Hotline des BER steht.
Passgenaue Hilfe durch KI
Die BER-Software funktioniere anders als ein klassisches Large Language Modell (LLM), mit dem Benutzer regelmäßig zu tun haben. Das Programm müsse einerseits interne Abläufe im Flughafenalltag analysieren und bewerten können und andererseits verstehen, was die Anrufer wollen. Eine weitere Herausforderung, denn Menschen drücken sich oft unklar oder ungenau aus.
Hier helfen Sprachmodelle. Ziel sei es, so Ostwald, dass "Menschen in ihrer Sprache sprechen können" und die KI sie dennoch versteht und ihnen weiterhilft. "Passgenau", wie Ostwald sagt. Das sei der Anspruch an das eigene Produkt. "Das Schwierigste bei der Entwicklung sind eigentlich die internen Prozesse bei den Firmen."
Parloa konzentriert sich bei der Akquise auf die 2.000 größten Firmen der Welt. Hier gibt es Aufträge, die groß genug sind, den Entwicklungsaufwand wieder einzuspielen. Eine strategische Entscheidung: Parloa will mitspielen im Konzert der global agierenden KI-Unternehmen, und die KI für Flughafen-Passagiere sei dabei ein klassisches Produkt im Portfolio.
Bewertung im Milliarden-Bereich
Das Berliner Start-up ist ein "Unicorn", auf Deutsch Einhorn. So bezeichnet man Gründungen, die einen Marktwert von einer Milliarde US-Dollar erreichen. Das ist besonders, denn Europa und Deutschland gelten als schwieriges Pflaster für Start-ups. Die Kritik lautet häufig: zu viele Regularien, zu wenig Risikobereitschaft und auch zu wenig Kapital, das in neue Unternehmen investiert wird.
Ostwald teilt viele dieser Kritikpunkte, sagt aber auch: "Was wir gemerkt haben ist, dass das Ökosystem in Deutschland und Europa erwachsener geworden ist."
Mehr Start-ups, mehr Startkapital
Im Vergleich zu ihrem Gründungsjahr 2018 gebe es heute wesentlich mehr Start-ups und auch mehr Kapital. Vor allem Startkapital gebe es heute einfacher. Später aber, wenn die Geschäftsidee "skaliert", also im großen Maßstab aufgezogen werden soll, brauche es wesentlich mehr Kapital. "Da wird es dann oft schwieriger", berichtet Ostwald.
Aus Deutschland gebe es hier verhältnismäßig wenige Investoren, die in Frage kommen. "Da sind wir eigentlich auf internationale Märkte angewiesen", sagt er. Für den Standort Deutschland sieht er genau darin eine der zentralen Herausforderung, "diese Wachstumsfinanzierungslücke zu schließen."
Glaube an Standort hält an
Er und sein Mitgründer Malte Kosub haben Anfang des Jahres erst eine Finanzierungsrunde absolviert. Parloa wurde dabei mit mehr als drei Milliarden US-Dollar bewertet. Ein seltener Erfolg für deutsche Start-ups. Mit fast 600 Mitarbeitern expandiert das Unternehmen stetig weiter.
Die junge Firma ist Teil der Initiative "Made for Germany", die sich im Sommer 2025 gegründet hat. Traditionsreiche und neue Unternehmen wollen die Reformdynamik in Deutschland beschleunigen - gemeinsam mit der Bundesregierung, wie sie sagen. Alle betonen die Zukunftsfähigkeit des Standorts.
Das Unternehmen hat sich der Initiative angeschlossen, weil man daran glaube, dass es in Deutschland, in Europa "viele tolle Talente" gebe, wie Ostwald ausführt. Dennoch tue sich der Kontinent an manchen Stellen "trotzdem schwer". Nur vereint "als Ökosystem" könne man auch international besser dastehen, sagt Ostwald.
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