CS-Banker verlieren ihre letzten Boni

Sieg für Karin Keller-Sutter!
CS-Banker verlieren ihre letzten Boni
Nach dem Niedergang der Credit Suisse strich der Bund der Führungsriege der Grossbank die Boni. Diese klagten. Doch jetzt erleiden sie vor dem Bundesgericht eine Schlappe.
Publiziert: 12:00 Uhr
- Das Bundesgericht bestätigt die Streichung von Boni für rund 1000 ehemalige CS-Kader
- Das öffentliche Interesse rechtfertigt laut Bundesgericht die Bonus-Kürzungen wegen der staatlichen Unterstützung
- Die UBS dürfte 2026 angesichts hoher Gewinne noch mehr Boni ausschütten als im Vorjahr
Erneuter Sieg für Bundesrätin Karin Keller-Sutter (62, FDP)! Kurz nach dem Untergang der Credit Suisse hat die Finanzministerin den obersten drei Kaderebenen der maroden Grossbank zuvor versprochene Boni ganz oder teilweise gestrichen. Der Entscheid aus dem Frühling war rechtens, wie nun das Bundesgericht entschieden hat. Betroffene hatten dort gegen die Bonus-Kürzung geklagt.
Zum Hintergrund: Die CS-Riege hatte zuvor grosszügig Boni erhalten. In den zehn Jahren vor dem Untergang hatte die Bank – trotz 3,2 Milliarden Franken Verlust – 32 Milliarden an Boni ausbezahlt.
Betroffen vom Streichungsentscheid waren rund 1000 CS-Kader. Der Geschäftsleitung sollten die Vergütungen ganz gestrichen werden, bei der Ebene darunter um 50 Prozent, auf der dritten Ebene noch um 25 Prozent.
Interesse der Steuerzahler geht vor
Gegen die Streichung klagten frühere CS-Kader. Noch vor dem Bundesverwaltungsgericht hatten sie 2025 recht bekommen. Die Richter dort argumentierten, dass es für die Boni-Streichungen keine genügende gesetzliche Grundlage gebe. Den einzelnen Betroffenen habe einerseits keine Schuld für den finanziellen Untergang der CS nachgewiesen werden können. Zudem solle das Bankengesetz grundsätzlich nicht zum Abstrafen von möglichen Managementfehlern genutzt werden.
Das höchste Schweizer Gericht in Lausanne ist jetzt aber zu einem anderen Schluss gekommen. Die Richter dort verweisen auf das 2012 geänderte Bankengesetz. Dieses sehe explizit vor, dass Boni gestrichen werden können, wenn eine systemrelevante Bank Staatshilfe erhalte. Und dies sei hier zweifellos der Fall.
Schliesslich gab es (rasch zurückbezahlte) Liquiditätshilfen der Nationalbank, und der Bund hat eine Ausfallgarantie in der Höhe von 100 Milliarden geleistet. Das Interesse der Steuerzahler sei deshalb gross, dass nicht Boni finanziert würden für einen Zeitraum, in dem das Management den «Grundstein für die Notwendigkeit staatlicher Beihilfe gelegt» habe. Zusammen mit dem Finanzdepartement kämpfte vor Gericht auch die UBS für die Streichung.
Keller-Sutter kritisiert Ermotti-Lohn
Seit dem Niedergang der Credit Suisse ist die eigentlich wirtschaftsliberale FDP-Politikerin Keller-Sutter in Sachen Bankenregulierung zur «eisernen Lady» geworden. Seit Monaten liefert sie sich mit UBS-Chef Sergio Ermotti (66) ein Fernduell um neue Eigenkapitalvorschriften.
Keller-Sutter drängt auf die härtestmögliche Lösung beim Eigenkapital für Tochterbanken im Ausland. Und als bekannt wurde, dass Ermotti für seine ersten neun Monate an der UBS-Spitze 14,4 Millionen Franken erhielt, wurde er von der Finanzministerin öffentlich gemassregelt. «Hier werden Vergütungen bezahlt, die die Vorstellungskraft jedes normalen Bürgers, jeder normalen Bürgerin übersteigen. Ich finde diese Entwicklung nicht gut», sagte Keller-Sutter damals.
Und: Bei der neuen Bankenregulierung möchte der Bund einführen, dass auch bereits ausbezahlte Boni zurückgefordert werden können – wenn Banker Missmanagement betreiben.
Die Boni-Sause geht weiter
Das Urteil zu den CS-Boni kommt zu einem Zeitpunkt, in dem gerade die Investmentbanker schon mal den Champagner für die diesjährigen Zusatzvergütungen kalt stellen: Weil die Gewinne an der Wall Street auf neue Rekorde klettern, ist in den USA mit einer regelrechten Boni-Explosion zu rechnen. Thomas DiNapoli (72), Rechnungsprüfer des US-Bundesstaats New York, veröffentlichte kürzlich eine Prognose dazu. Er rechnet damit, dass der gesamte Bonuspool aller Wall-Street-Banker auf 55 bis 60 Milliarden Dollar wachsen wird – eine Zunahme gegenüber 2025 um 10 Prozent.
Zu den Profiteuren dürften auch die Tausenden Mitarbeiter zählen, die für die UBS im Herzen des amerikanischen Kapitalismus tätig sind. Denn auch das Geschäft der letzten Schweizer Grossbank brummt.
Im ersten Halbjahr steigerte sie ihren Reingewinn um 43 Prozent auf 5,84 Milliarden Euro. Und fürs Gesamtjahr gibt es Gewinnschätzungen von über 11 Milliarden Dollar. 2025 schüttete die UBS total 5,15 Milliarden Dollar an Boni aus. Diese Marke dürfte dieses Jahr geknackt werden. Wie viel die UBS tatsächlich ausschütten wird, legt die Bank gegen Ende des Jahres fest.
Die Grossbank selbst äussert sich nicht zum Bundesgerichtsentscheid. «UBS nimmt den Entscheid zur Kenntnis», sagt eine Mediensprecherin. Fragen zu den Folgen für künftige Boni-Zahlungen und deren Höhe durch die Grossbank bleiben unbeantwortet. Keine Infos gibt es auch zur Höhe der Boni-Zahlungen für das laufende Geschäftsjahr der Grossbank.
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