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Thursday, October 1, 2026

Frau überlebt zwei Giftspritzen: USA gehen nach Hinrichtungsdrama Methoden für die Todesstrafe aus

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Frau überlebt zwei GiftspritzenUSA gehen nach Hinrichtungsdrama Methoden für die Todesstrafe aus

01.10.2026, 12:25 Uhr imageVon Solveig Bach

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Rettungsfahrzeuge treffen bei der Hochsicherheitsanstalt Riverbend ein, nachdem die Hinrichtung von Christa Pike abgebrochen wurde. (Foto: dpa)

Zwei Dosen Gift, ein hörbares Schnarchen, aber der Tod tritt nicht ein: In Tennessee scheitert die geplante Hinrichtung von Christa Gail Pike. Damit verschärft sich die Debatte, ob es wirklich möglich ist, bei der Tötung von Hinrichtungskandidaten grausame und ungewöhnliche Strafen zu vermeiden.

Christa Gail Pike sollte die erste Frau sein, die seit mehr als 200 Jahren im US-Bundesstaat Tennessee hingerichtet wird. Fast in letzter Minute hatte das US-Berufungsgericht den Weg dafür freigemacht. Doch in der Riverbend-Hochsicherheitsanstalt in Nashville liefen die Tötungsabläufe nicht nach Plan.

Die 50-Jährige überlebte die für Mittwochabend angesetzte Vollstreckung der Todesstrafe und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Ihr genauer Zustand ist unklar. Ihren Anwälten zufolge verabreichten Gefängnisbeamte Pike zwei Dosen Pentobarbital. Das hoch dosierte Barbiturat dämpft das zentrale Nervensystem so stark, dass die verurteilte Person zunächst das Bewusstsein verliert und anschließend die Atmung aussetzt. Daraus folgen Sauerstoffmangel, Kreislaufversagen, schließlich tritt der Tod ein. Jedenfalls in der Theorie.

Am Mittwochabend in Nashville bot sich den Augenzeugen jedoch ein anderes Bild. "Frau Pike ist bewusstlos, hat aber noch einen Herzschlag und schnarcht hörbar", schrieben ihre Anwälte noch während des laufenden Tötungsversuchs in einem Eilantrag, um die Hinrichtung abzubrechen. Sie argumentierten, dass die Todeskandidatin bei dieser Form der Hinrichtung unnötig leidet und ihr Recht auf eine Hinrichtung ohne grausame und ungewöhnliche Bestrafung verletzt wird. Die Anwälte setzten auch durch, dass die Justizvollzugsbehörde lebensrettende Maßnahmen bei Pike einleiten muss.

Zwei Dosen Pentobarbital

Das Justizministerium von Tennessee erklärte in einer Stellungnahme, dass es "jeden Schritt des rechtmäßigen, festgelegten und vom Generalstaatsanwalt genehmigten Hinrichtungsprotokolls des Staates befolgt" habe. Das sieht vor, dass nach der ersten Verabreichung eine zweite Dosis Gift gegeben wird, "falls der Häftling nach der ersten Verabreichung noch lebt". Es legt nicht fest, was geschieht, wenn die Person auch nach der zweiten Verabreichung noch lebt. Die Behörden betonten, die für die Giftspritze verwendete Substanz sei in der Vergangenheit stets wirksam gewesen.

Pike hatte dem Protokoll zufolge um 19.27 Uhr die erste Dosis Pentobarbital erhalten und um 20.26 Uhr die zweite. Um 20.53 Uhr wurden die Mikrofone im Hinrichtungsraum abgeschaltet und die Medienvertreterinnen und -vertreter sowie die Angehörigen des Opfers hinausbegleitet. Der Nachrichtenagentur AP zufolge wurden die Vorhänge zum Hinrichtungsraum zweimal geschlossen.

Die USA haben seit Jahren zunehmend Probleme mit ihren Methoden bei der praktischen Umsetzung der Todesstrafe. Bei mehreren Hinrichtungsversuchen unter Einsatz der Giftspritze kam es zu grausamen Pannen und Fehlern. Vollstreckungsteams fanden keinen venösen Zugang für das Gift oder brauchten dafür extrem lange, brachen nach zahlreichen Einstichen ab oder hielten Vorgaben zu Medikamenten und Fristen nicht ein. In mehreren Fällen überlebten die Betroffenen den Hinrichtungsversuch.

Daraufhin verweigerten Pharmakonzerne zunehmend die Lieferung der bisher meistverwendeten Medikamente. Das traditionelle Protokoll bestand meist aus drei nacheinander verabreichten Stoffen. Im ersten Schritt wurde ein starkes Narkosemittel gespritzt, etwa Natriumthiopental, später teils Pentobarbital. Im zweiten Schritt wurde ein Muskelrelaxans injiziert, das die Atembewegungen des Todeskandidaten lähmte. Die dritte Medikamentengabe, Kaliumchlorid, löste dann einen Herzstillstand aus.

Wie geht nicht-grausames Töten?

Die Idee hinter diesem Protokoll war auch, dass die Gefängnismitarbeitenden nicht genau wussten, wer am Ende das tödliche Medikament verabreicht. So sollten auch moralische Konflikte minimiert werden. Denn von den Exekutionsteams wird erwartet, dass sie den staatlichen Auftrag zur Ausführung der Todesstrafe korrekt ausführen. Gleichzeitig ist aber für sie unübersehbar, dass sie unmittelbar an der geplanten Tötung eines wehrlosen Menschen mitwirken, den sie möglicherweise zuvor aus Jahren des Alltags im Strafvollzug kennen.

Nach dem Rückzug der Pharmakonzerne wurde es zunehmend schwierig, die bisherige Praxis aufrechtzuerhalten. Ähnlich war es bereits, als der elektrische Stuhl die Hinrichtung durch Erhängen ablöste und dann wiederum durch die Giftinjektion ersetzt wurde. Ebenso wie das Strangulieren und Ersticken beim Erhängen erwies sich auch die angenommene Schmerzlosigkeit des Todes durch einen starken Stromschlag als Illusion.

Der US-Bundesstaat Alabama vollzog 2024 wegen des Medikamentenmangels die erste Hinrichtung mit Stickstoffhypoxie. Der Hinrichtungskandidat atmet dabei reinen Stickstoff ein, dadurch fehlt Sauerstoff, es kommt zum Erstickungstod. Bis Juni 2026 wurden in den USA acht Stickstoff-Hinrichtungen registriert. Seit Juli 2026 hat der Bundesstaat Idaho aus dem gleichen Grund das Erschießungskommando zur primären Hinrichtungsmethode gemacht. Tennessee wich auf die Pentobarbital-Gabe aus.

Der achte Zusatzartikel zur US-Verfassung verbietet "cruel and unusual punishments", also grausame und ungewöhnliche Strafen. Gegner der Todesstrafe argumentieren seit Jahrzehnten, dass damit die Ausführung der Todesstrafe an sich unmöglich sein müsste. Auch Pike schrieb vor der Vollstreckung ihres Urteils in einem Brief an NBC News, sie habe keine Angst vor dem Tod. "Ich bin nur wegen des Verfahrens nervös."

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