Arm wurde violett – die Chronologie der gescheiterten Hinrichtung

- Die Hinrichtung der Todeskandidatin Christa Pike in Tennessee ist gescheitert.
- Sie befindet sich in kritischem Zustand im Spital.
- Ihr Anwalt Randy Spivey berichtet von Blasen und Verbrennungen rund um die Einstichstellen sowie einer Verfärbung des rechten Arms.
Christa Pike befindet sich nach dem gescheiterten Hinrichtungsversuch laut ihren Anwälten in kritischem Zustand. Sie werde in einem Spital lebensrettend behandelt. Eine verlässliche Prognose gebe es noch nicht, sagte ihr Anwalt Randy Spivey am Donnerstagabend.
Die Verteidigung berichtet von schwerwiegenden Problemen während des Vollzugs.
Der Ablauf am 30. September 2026
9 Uhr*:
Das Berufungsgericht für den sechsten Bundesgerichtsbezirk ordnet einen vorläufigen Aufschub der Hinrichtung an. Es verweist auf offene rechtliche Fragen, darunter Pikes gesundheitliche Probleme sowie Hinweise auf schweren Missbrauch in ihrer Kindheit.
17.50 Uhr:
Der Oberste Gerichtshof der USA hebt den Aufschub mit 6 zu 3 Stimmen auf.
18.30 bis 18.40 Uhr:
Zeuginnen und Zeugen betreten den Hinrichtungsraum.
19.26 Uhr: Der Vollzug beginnt. Auf die Frage nach letzten Worten sagt Pike laut Journalist Damon Lawrence, sie wolle die Welt «mit Liebe» verlassen und sei bereit zu gehen.
19.34 Uhr:
Pike sagt: «Mein Arm fühlt sich an, als würde er gleich aufplatzen.»
19.37 Uhr:
Laut dem Journalisten Will Puckett nimmt Pike vier tiefe, deutlich sichtbare Atemzüge.
19.41 Uhr:
Die Behörden teilen mit, die erste Dosis Pentobarbital sei vollständig verabreicht worden.
19.45 Uhr:
Pike gähnt laut Augenzeugen sehr tief.
19.46 Uhr:
Die Vorhänge zum Zeugenraum werden erstmals geschlossen.
19.49 Uhr:
Die Vorhänge öffnen sich wieder. Zeugen berichten, Pike habe mit offenem Mund hörbar geschnarcht; Puckett sagte später, es habe beinahe geklungen, als würde sie ersticken.
20.01 Uhr:
Die Behörden geben die Verabreichung einer zweiten Dosis Pentobarbital bekannt.
20.05 Uhr:
Die Vorhänge werden erneut geschlossen.
20.53 Uhr:
Das Mikrofon im Hinrichtungsraum wird abgeschaltet, die Zeugen werden hinausgeführt.
Gegen 21.15 Uhr:
Ein Krankenwagen trifft in der Riverbend Maximum Security Institution ein.
Gegen 21.28 Uhr:
Pike wird unter Polizeibegleitung in ein Spital gebracht.
1. Oktober, gegen 15 Uhr:
An der Pressekonferenz «Christa lebt» berichteten die Anwälte von zahlreichen Problemen während des Hinrichtungsversuchs. Demnach dauerte es etwa eine Stunde, die intravenösen Zugänge zu legen. Allein an Pikes linkem Arm habe er sieben Einstiche gezählt, sagte Spivey. Eine der verwendeten Nadeln sei beim Herausziehen offenbar verbogen gewesen. Während der Verabreichung der Medikamente habe sich ihr rechter Arm zunehmend violett verfärbt. Inzwischen gebe es nach Angaben der Verteidigung Blasen und Verbrennungen rund um die Einstichstellen.
Spivey sagte zudem, er habe Pike nach der ersten Medikamentengabe noch sprechen und singen gehört. Die Anwälte kritisierten auch die mangelnde Transparenz während des Ablaufs: Der Vorhang zum Zeugenraum sei über längere Zeit geschlossen geblieben, Informationen seien nur verzögert weitergegeben worden. Erst viel zu spät habe man erfahren, dass ein Krankenwagen unterwegs sei.
* Die in der Chronologie angegebenen Zeiten sind Ortszeiten.
Der Fall Christa Pike
Im Januar 1995 lockte die damals 18-jährige Christa Pike ihre 19-jährige Mitschülerin Colleen Slemmer gemeinsam mit ihrem Freund Tadaryl Shipp und Shadolla Peterson in ein abgelegenes Waldstück nahe dem Job Corps Center in Knoxville. Pike verdächtigte Slemmer, ihr den Freund ausspannen zu wollen. Slemmer wurde im Wald über längere Zeit misshandelt und getötet.
Die Ermittler fanden später ein Stück ihres Schädels, das Pike als Andenken aufbewahrt hatte. Pike gestand die Tat, erklärte jedoch, sie habe Slemmer zunächst nur einschüchtern wollen. Am 22. März 1996 sprach eine Jury sie des vorsätzlichen Mordes ersten Grades und der Verschwörung zum Mord schuldig. In der Strafphase stellte sie besondere Grausamkeit und das Ziel fest, eine Strafverfolgung zu verhindern. Am 30. März 1996 verhängte die Jury die Todesstrafe.
Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.
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