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Thursday, October 15, 2026

500'000 philippinische Opfer – Online-Kindesmissbrauch – Täter auch in der Schweiz

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Worum geht es? Innerhalb eines Jahres sind auf den Philippinen fast eine halbe Million Kinder Opfer von sexuellem Online-Missbrauch geworden. Die Zahl stammt aus einem Bericht der Menschenrechtsorganisation «International Justice Mission», die sich gegen die sexuelle Ausbeutung von Menschen in Armut einsetzt. Der US-Sender CNN hat jüngst darüber berichtet.

Wie gehen die Täter vor? Kinder und Jugendliche werden vor einer Webcam von ihren Müttern, Vätern oder auch Geschwistern missbraucht. Die Tat wird live im Internet gestreamt. Die Angehörigen der Kinder handeln dabei nach Anweisungen von Pädokriminellen, die ihnen via Whatsapp oder über andere Messengerdienste Anweisungen schicken und sie dafür bezahlen.

Person in unscharfer Aufnahme, hält ein Smartphone.
Legende: «Anonym im Internet können die Täter die Armut der Menschen auf den Philippinen für ihre sexuellen Neigungen ausnutzen», sagt der freie Journalist Carsten Stormer, der aus Manila berichtet. Keystone/Malin Wunderlich

Gibt es auch in der Schweiz Täter? Die Schweiz sei ein wichtiger Akteur, sagt Regula Bernhard Hug, die Direktorin von Kinderschutz Schweiz, gegenüber SRF. «Sei dies als Drehscheibe von Material, aber auch, weil in der Schweiz Täter leben.» Das Bundesamt für Polizei, Fedpol, schreibt auf Anfrage, dass das Thema «Live Distant Child Abuse» (auf Deutsch: Live-Übertragung von Kindesmissbrauch aus der Ferne), kurz LDCA, auch die Schweiz betreffe. Im Jahr 2025 waren 13 Fälle bekannt. Zwei Jahre zuvor waren es 26 Fälle. Zudem berichtete das Westschweizer Fernsehen RTS im März 2026 von mehreren Schweizer Tätern.

Wie werden die Täter gefunden? Die Zahl der aufgedeckten Fälle von LDCA in der Schweiz ist erstaunlich niedrig. 13 Fälle sind im letzten Jahr, laut dem Fedpol, aufgeklärt worden. Oft handelt es sich bei den aufgedeckten Fällen zudem um Zufallsfunde, wie eine Recherche von RTS am Beispiel eines Mannes aus der Waadt zeigt. Eigentlich untersuchte die Polizei einen Missbrauchsfall vor Ort, auf dem Handy des Mannes fanden sich aber unter anderem auch 800 Nachrichten, die er mit Menschen auf den Philippinen ausgetauscht hatte.

In der Schweiz hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. 2023 erschien ein Bericht des Bundesrats zum Problem von LDCA, als Antwort auf zwei Postulate zum Thema.

Auch wenn der Bundesrat damals einen nationalen Aktionsplan abgelehnt hat, so wurden punktuell Massnahmen benannt. Etwa bei der internationalen Zusammenarbeit, der Koordination und Prävention. Seither wird etwa mehr in Aufklärung und Sensibilisierung investiert.

Warum ist die Aufklärung der Fälle so schwierig? «Anonym im Internet können die Täter die Armut der Menschen auf den Philippinen für ihre sexuellen Neigungen ausnutzen», sagt der freie Journalist Carsten Stormer gegenüber SRF. Stormer lebt in der philippinischen Hauptstadt Manila. Auch für die Täter in der Schweiz ist es dank dem Internet einfach, diese Taten zu begehen. «Ich nehme an, dass die tatsächliche Hemmschwelle sinkt», sagt Regula Bernhard Hug von Kinderschutz Schweiz dazu. «Man kann sich heute sozusagen die Gewalttat bestellen, auch wenn man das Kind selbst nicht bestellen muss.»

Das Fedpol schreibt dazu, dass LDCA in mehreren Ländern festgestellt wurde, sich die Philippinen aber als Drehscheibe für dieses kriminelle Phänomen entwickelt hätten.

Der Journalist Carsten Stormer erklärt gegenüber SRF: «Hier treffen mehrere Faktoren aufeinander: grosse Armut, gute Englischkenntnisse und die Digitalisierung. Englisch ist Amtssprache, und selbst in ärmeren Regionen findet man fast überall schnelle Internetverbindungen.»

Wie liessen sich Fälle nachweisen? Regula Bernhard Hug sieht für die Aufklärung der Fälle auch die Finanzwelt in der Pflicht. Banken seien ein wichtiger Teil für die Aufdeckung solcher Straftaten, nämlich dann, sobald Geldüberweisungen stattfinden. Dann müssten die Behörden dem Geld folgen können und so ganze Netzwerke finden. «Wir würden uns wünschen, dass die Zusammenarbeit mit der Finanzwelt besser funktionieren würde», so Bernhard Hug weiter. Das werde bis jetzt noch zu wenig berücksichtigt.

Wenn man im Internet selbst etwas erlebt oder gesehen hat oder eine Beratung zum Thema braucht, kann man sich bei der Beratungsstelle von Kinderschutz Schweiz melden: clickandstop.ch

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