Expertin gibt Rat – Jobkiller KI: So treten Sie der Angst entgegen

Eine trübe Herbstkulisse und eine traurige Botschaft: Ein junger Mann hält sein, wie er findet, «komplett nutzloses Masterdiplom der Universität Zürich» in die Kamera. Studiert hat er Data Science, Statistik und Politik.
«Viele junge Menschen haben Ausbildungen abgeschlossen, die sich als wertlos erwiesen haben», sagt der Youtuber. Hunderttausende Klicks und Kommentare zeigen: Die KI-Revolution beschäftigt gerade auch junge Menschen.
Ungewisse Perspektiven
Das geht auch aus einer Studie im Auftrag von Angestellte Schweiz hervor. Demnach ist die Unsicherheit bei unter 30-Jährigen grösser als bei über 50-Jährigen.
Aber warum eigentlich? «Sie können mit KI-Tools umgehen», sagt Tanja Tanneberger von Angestellte Schweiz. «Sie stehen aber am Anfang ihres Berufslebens und haben noch nicht die Erfahrung wie ältere Arbeitnehmende.»
Überall, wo ein Bildschirm leuchtet, verändert KI die Arbeit.
Gleichzeitig stellt Angestellte Schweiz fest, dass die Zahl der ausgeschriebenen Stellen für Berufseinsteiger und Praktikumsplätze zurückgeht. Dazu kommt eine Ungewissheit: Wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt der Zukunft – und welche Ausbildung lohnt sich?
Klar ist: «Überall, wo ein Bildschirm leuchtet, verändert KI die Arbeit», sagt Tanneberger. «Wir erleben eine tiefgreifende Umgestaltung des Arbeitsmarktes.»
Tannebergers Rat: Flexibel bleiben und den Wandel als Chance sehen. «Die KI ist da und die Unternehmen wollen, dass man sie einsetzt.» Eine Studie der Denkfabrik «einstAIn» zeigt: KI gehört heute in vielen Branchen zum Arbeitsalltag. Im Handwerk spielt sie aber kaum eine Rolle, auch Sozial- und Pflegeberufe sind weniger betroffen.
Ältere Arbeitnehmende treibt die Sorge um, dass jahrelang aufgebaute Kompetenzen künftig nicht mehr gefragt sein könnten. Auch der Umgang mit neuen KI-Tools fällt nicht allen leicht. Für diese Arbeitnehmenden sei es zentral, sich weiterzubilden, sagt Tanneberger.
Dafür braucht es entsprechende Angebote. Angestellte Schweiz appelliert denn auch an die Unternehmen: «Transformation gelingt nur, wenn wir in Menschen investieren, nicht nur in Technologie.»
Jede vierte Person in der Schweiz macht sich gemäss der repräsentativen Befragung von Angestellte Schweiz Sorgen um ihren Arbeitsplatz. Jede zehnte hält es für sehr wahrscheinlich, die Stelle innerhalb der nächsten zwölf Monate zu verlieren.
Ausschlaggebend dafür sind mehrere Faktoren: Unternehmensentscheide, Kostendruck und KI – geopolitische Umbrüche werden in der Befragung weniger häufig genannt.
Laut «einstAIn» sind in der Schweiz 850'000 von drei Millionen untersuchten Jobs stark vom Wandel betroffen.
Tanneberger erinnert daran, dass sich die Arbeitswelt schon zur Jahrtausendwende fundamental verändert hat. Auch damals hatten Menschen Angst, auf der Strecke zu bleiben. «Diese Ängste haben sich nicht bestätigt.»
Ob die KI-Revolution ähnlich glimpflich verläuft, bleibt abzuwarten. Angestellte Schweiz spricht von einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe: Unternehmen, Bildung und Politik müssten Antworten finden, damit die KI-Revolution Wohlstand statt Verunsicherung schafft.
«Man darf nicht in Schwarzmalerei verfallen», schliesst Tanneberger. «Es braucht einen offenen Dialog zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern.» In Zeiten des Wandels müssten Unternehmen transparent kommunizieren. Dies könne helfen, dass Angestellte die Veränderungen nicht als Belastung, sondern als Chance empfänden.
«Dass viele Berufe stark von KI betroffen sind, bedeutet nicht automatisch einen Stellenabbau», sagte Patrick Chuard-Keller, Chefökonom beim Schweizerischen Arbeitgeberverband, jüngst gegenüber SRF News.
Angesichts des durch die Demografie erwarteten Arbeitskräftemangels hätten die Unternehmen ein starkes Interesse daran, dass Arbeitnehmende mithilfe von KI ihre Produktivität steigern könnten. Die KI könne einen Beitrag leisten, den Wohlstand zu sichern.
Auch «einstAIn» fordert: Unternehmen müssten eine langfristige KI-Strategie festlegen, statt kurzfristige Effizienzgewinne anzustreben: «Wer KI einsetzt, um Dienstleistungen, Produkte und Geschäftsmodelle zu entwickeln, schafft neue Wertschöpfung und Beschäftigungsmöglichkeiten.»
Fazit: Hilflos sind wir der KI-Revolution nicht ausgeliefert – der Mensch hat durchaus ein Wort mitzureden.
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