Wer Flüge in der Bibliothek bucht, soll sparen – stimmt das?

«Habe meine Flüge in der Bibliothek gebucht, um Geld zu sparen.» Dieser kuriose Reisetipp kursiert derzeit auf Social Media und hat auf Tiktok in einem Video 3,8 Millionen Klicks gesammelt. Laut dem Trick sollst du deinen Flug an einem öffentlichen Computer in einer Bibliothek buchen. So seien bis zu 50 Prozent Ersparnis möglich. Die Begründung: eine andere IP-Adresse, keine Cookies und kein digitales Geräteprofil, das dich anhand früherer Suchanfragen wiedererkennt. Doch funktioniert das wirklich?
«Das ist alles Unsinn»
Ein halber Flugpreis für einen kurzen Bibliotheksbesuch? Kyle Potter, Chefredaktor des Reiseportals Thrifty Traveler, hält davon wenig. «Das ist alles Unsinn», sagt er gegenüber der «Huffpost». Für ihn sei der Tipp bloss eine neue Variante alter Buchungsmythen – etwa, dass Flüge grundsätzlich am Dienstag günstiger seien oder gelöschte Cookies den Preis drücken würden.
Laut Potter verfolgen Fluggesellschaften deine Suchanfragen nicht, um dir anschliessend teurere Tickets anzubieten. Steigt der Preis zwischen zwei Abfragen, ist das kein Beleg dafür, dass die Airline dich als besonders kaufwillig erkannt hat.
Flugpreise hängen vielmehr von Nachfrage und verfügbaren Tarifen ab. Ist der günstigste Tarif ausgebucht, wird das nächste Angebot teurer – unabhängig davon, wer sucht. Auch auslaufende Aktionen können Preissprünge erklären, wie das Vergleichsportal Kayak erklärt.
Auch Katy Nastro, Luftfahrtkorrespondentin der Flugtracking-App Flighty, widerspricht. Laut «Huffpost» hat sie den Bibliothekstrick selbst ausprobiert und dieselben Flüge am öffentlichen Computer sowie auf ihrem Handy gesucht. Das Ergebnis: In zwei von drei Fällen war das Angebot am Bibliothekscomputer sogar teurer – wenn auch nur um fünf bis zehn Dollar.
Welcher Spartrick bei der Flugbuchung bringt dir am ehesten etwas?
Ein VPN ist ebenfalls keine Spargarantie
Und wenn du statt des Computers einfach virtuell den Standort wechselst? Ein VPN, das deine IP-Adresse verbirgt, kann laut Potter gelegentlich einen günstigeren Preis bringen. Doch das sei «relativ selten und nicht die ultimative Lösung, um günstigere Flugpreise zu finden».
Das klingt widersprüchlich, hat aber eine andere Erklärung: Je nach Standort können dir andere Angebote angezeigt werden. Google Flights erklärt beispielsweise, dass je nach gewähltem Land unterschiedliche Airlines und Buchungsportale zur Auswahl stehen.
Was Potter an solchen Tricks stört: «Sie liefern leicht verständliche Erklärungen für die frustrierenden, ständig wechselnden Flugpreise, die wir alle kennen und verabscheuen.» Sie würden dann zur Standardlösung – «die aber letztendlich nichts löst».
Lieber am Reisetag schrauben
Den grösseren Spielraum sieht Potter bei den Ferienplänen selbst. Wer beim Abflug- oder Rückreisetag flexibel sei, könne verschiedene Verbindungen vergleichen. So sei die Rückreise am Dienstag möglicherweise günstiger als am Sonntag. Wer sich noch nicht auf ein Ziel festgelegt habe, könne zudem mehrere Wunschdestinationen gegeneinander prüfen.
Nastro empfiehlt, frühzeitig mit der Suche zu beginnen, gerade für Reisen in stark nachgefragten Ferienzeiten. Auf ein Last-minute-Schnäppchen zu hoffen, sei keine gute Strategie. Potter rät ausserdem dazu, ein überzeugendes Angebot zu buchen, wenn man es findet – statt auf den nächsten vermeintlichen Geheimtrick zu warten. Für die Bibliothek hat er trotzdem eine Empfehlung: «Hol dir stattdessen ein gutes Buch.»
Hast du andere kuriose Reisetipps auf Lager, mit denen du tatsächlich Geld sparen konntest?
Laura Zygmunt (lmz) arbeitet seit 2022 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin im Ressort Lifestyle und schreibt über die Welt des Reisens.
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