Nato-Atomwaffenübung in Italien: Deutsche Tornados trainieren nuklearen Ernstfall

Nato-Atomwaffenübung in ItalienDeutsche Tornados trainieren nuklearen Ernstfall
12.10.2026, 17:41 Uhr
In Italien probt die Nato mit der Übung "Steadfast Noon" den atomaren Ernstfall. Auch deutsche Kampfflugzeuge sind vor Ort. Das konkrete Übungsszenario ist geheim.
Die deutsche Luftwaffe beteiligt sich in den kommenden Tagen mit mehreren Kampfflugzeugen an einem Nato-Manöver zur Verteidigung des Bündnisgebiets mit Atomwaffen. Wie ein Sprecher der Luftwaffe sagte, wurden für die Übung mit dem Namen "Steadfast Noon" drei Tornados des taktischen Luftwaffengeschwaders 33 auf die Aviano Air Base nach Norditalien verlegt. Insgesamt sind den Angaben zufolge mehrere Dutzend deutsche Soldaten an dem Manöver beteiligt.
Die Tornados sind normalerweise auf dem Stützpunkt Büchel in Rheinland-Pfalz stationiert. Dort lagern nach offiziell unbestätigten Angaben US-Atomwaffen, die im Ernstfall über das Konzept der sogenannten nuklearen Teilhabe der Nato auch von deutschen Jagdbombern abgeworfen werden könnten. Als weitere Lagerorte für US-Atomwaffen in Europa gelten Stützpunkte in Ländern wie Italien, Belgien und den Niederlanden.
Zu Details der heute beginnenden Übung machte die Nato bis zuletzt keine Angaben. Aus der Bündniszentrale hieß es lediglich, der Umfang sei mit dem im Vorjahr vergleichbar. Damals hatte die Nato von rund 2.000 beteiligten Militärs und mehr als 70 beteiligten Flugzeugen gesprochen. Darunter waren auch hochmoderne Kampfjets vom Typ F-35 sowie Überwachungs- und Tankflugzeuge.
Geheim ist auch das Übungsszenario. Militärexperten zufolge wird bei den regelmäßig im Oktober stattfindenden Manövern unter anderem geübt, wie man die Waffen sicher aus unterirdischen Magazinen zu den Flugzeugen transportiert und unter die Kampfjets montiert. Dabei und bei den anschließenden Angriffsübungen kommen allerdings nur Übungsbomben ohne echten Kernsprengkopf zum Einsatz.
Rutte schließt weitere US-Atomwaffen in Europa nicht aus
Nach Nato-Angaben steht die Übung in keinem Zusammenhang mit aktuellen weltpolitischen Ereignissen und richtet sich auch nicht gegen ein bestimmtes Land. In ihrer Bedrohungsanalyse hat die Allianz allerdings seit Jahren vor allem Russland im Blick. Erst Ende des vergangenen Monats wurde Moskau auch wieder nukleares Säbelrasseln vorgeworfen. Russland hatte zuvor mit Blick auf Nato-Manöver und eine aus seiner Sicht drohende Isolierung Kaliningrads mit dem möglichen Einsatz seines gesamten militärischen Arsenals einschließlich Atomwaffen gedroht.
Von russischer Seite gab es keine Reaktion auf die Manöverankündigung. Im vergangenen Jahr hatte Moskau parallel zu der laufenden Atomübung der Nato ein eigenes großangelegtes Manöver seiner strategischen Nuklearstreitkräfte gestartet. Es handle sich um eine planmäßige Militärübung, betonte Kremlchef Wladimir Putin damals.
Nato-Generalsekretär Mark Rutte schloss im Juli nicht aus, dass künftig mehr US-Atomwaffen in Europa stationiert werden. Er wollte sich aus Geheimhaltungsgründen allerdings nicht zu Details der laufenden Beratungen äußern. Das Bündnis prüfe fortlaufend, welche Fähigkeiten benötigt würden und wie der nukleare Abschreckungsmix aussehen müsse, erklärte er. "Wo immer wir Anpassungen vornehmen müssen, werden wir dies tun."
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