Ukraine-Krieg: Drohnenattacke setzt Öllager in St. Petersburg in Brand
Behörden in Russland haben einen massiven ukrainischen Drohnenangriff auf die Region Sankt Petersburg gemeldet. Der Gouverneur der Region Leningrad, Alexander Drosdenko, teilte mit, 126 Drohnen seien abgeschossen worden. Ein Mensch sei bei dem Angriff getötet worden. Fünf weitere Personen seien verletzt.
Trümmer seien auf Wohnhäuser, Autos und Stromleitungen gestürzt und hätten Stromausfälle verursacht. Es sei ein "großangelegter Angriff mit UAVs", also mit unbemannten Luftfahrzeugen, "der weiterhin abgewehrt" werde, so Drosdenko.
Der Gouverneur der russischen Metropole an der Ostsee, Alexander Beglow, teilte mit, der ukrainische Angriff habe ein Feuer im Öllager von Sankt Petersburg ausgelöst, das bereits im Juni getroffen worden war. "Die Luftverteidigungssysteme sind im Einsatz", so Beglow.
"Aus Sicherheitsgründen" sei der Betrieb am Petersburger Flughafen Pulkowo eingeschränkt worden. Passagiere und Mitarbeiter wurden an sichere Orte gebracht.
Demnach brachen auch in Industriehallen Brände aus. Der russische Online-Händler Ozon teilte mit, dass sein Logistikzentrum in der Stadt brenne. Das Internetunternehmen VK meldet, sein Rechenzentrum in der Region Leningrad sei von Drohnen angegriffen worden. Der Betrieb laufe jedoch normal weiter. VK betreibt ein in Russland beliebtes soziales Netzwerk.
Offenbar gab es auch in anderen Landesteilen Luftangriffe. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau fing die russische Luftabwehr in der Nacht 1015 ukrainische Drohnen über verschiedenen Regionen des Landes ab.
Erneut russische Angriffe auf die Ukraine
Auch die Ukraine wurde wieder attackiert. Russische Angriffe, vor allem mit Drohnen, verursachten in mehreren ukrainischen Landesteilen Schäden. Erneut ist auch die Stromversorgung betroffen. Mindestens zwei Menschen starben.
Bei Attacken auf die Stadt Saporischschja im Südosten des Landes wurde der Militärverwaltung zufolge eine Frau getötet und eine weitere Frau sowie ein kleines Mädchen verletzt. Den Angaben nach wurden zwei Mehrfamilienhäuser, 18 Autos und eine Bildungseinrichtung beschädigt. Zum eingesetzten Waffentyp machten die Behörden keine Angaben.

In der zentralukrainischen Großstadt Poltawa gab es nach Behördenangaben Drohnenangriffe. Eine Frau sei getötet und vier weitere Menschen verletzt worden, teilte Militärverwaltungschef Witalij Djakiwnytsch mit. Demnach wurden in der Stadt neun Wohnhäuser beschädigt, teils durch abgestürzte Drohnentrümmer.
Der Militärverwaltung zufolge führten in der westukrainischen Region Winnyzja russische Drohnenangriffe auf die kritische Infrastruktur zudem zu Stromausfällen. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe setzte das russische Militär insgesamt bei seinen Angriffen 180 Kampfdrohnen ein, von denen 152 abgefangen werden konnten. Einschläge habe es an 20 Orten gegeben.
Luftalarm im Baltikum
Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine hat auch erneut Auswirkungen im Baltikum, also auf dem Gebiet von Mitgliedstaaten von EU und NATO. Litauen hat die Bewohner im Zentrum und Norden des Landes wegen eines unbekannten Flugobjekts vorübergehend in die Schutzräume gerufen. Während der Luftwarnung seien NATO-Abfangjäger aufgestiegen und der Flughafen Kaunas geschlossen worden, wie die litauische Armee und das nationale Krisenzentrum mitteilten.
Das nördliche Nachbarland Lettland gab für einige Grenzregionen vorübergehend ebenfalls eine Warnung heraus. Begründet wurde dies mit einer "möglichen Bedrohung".
In den vergangenen Monaten sind wiederholt ukrainische Drohnen in den Luftraum der baltischen Staaten eingedrungen. Der Regierung in Kyjiw zufolge werden sie durch russische Störsender vom Kurs abgebracht. Dies schürt Sorgen vor einer Ausweitung des russischen Krieges in der Ukraine auf das NATO-Gebiet.
Ende von Trumps "Energie-Waffenruhe"
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die von US-Präsident Donald Trump vor einer Woche verkündete "Energie-Waffenruhe" für beendet erklärt. In einem am Donnerstag veröffentlichten Interview der britischen Zeitung "Financial Times" hatte Selenskyj gesagt, die von Trump angekündigte Einstellung der beiderseitigen Angriffe auf Energieinfrastruktur sei für ihn "aufgehoben". Die Angriffe würden wieder aufgenommen.

Die Ukraine wehrt sich seit mehr als viereinhalb Jahren mit westlicher Unterstützung gegen den russischen Angriffskrieg. Das ukrainische Militär greift dabei auch immer wieder Ziele in Russland fernab der Front an, um der Führung in Moskau die Fortsetzung des Kriegs zu erschweren.
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