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Wednesday, September 16, 2026

Amnesty-Bericht zu Iran: 87 Architekten von Mord, Gewalt und Folter

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Amnesty International macht publik, wer 2022 in Iran die Proteste niederschlug. Die Bezichtigten sind teils bekannte Gesichter des Islamischen Regimes.

Daniel Zylbersztajn-Lewandowski

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International macht in einem am Mittwoch publizierten Bericht 87 Personen als Hauptverdächtige der Niederschlagung der „Frau, Leben, Freiheit“-Proteste im Jahr 2022 namhaft. Die Liste reicht von hohen Amtsträgern bis zu Lokalverantwortlichen. Und sie sei keineswegs vollständig, ergänzte die Menschenrechtsorganisation sogleich.

Der über 1.000 Seiten lange Bericht „Architekten der Gräueltaten“ ordnet das gewaltsame Niederschlagen der Proteste vor nunmehr vier Jahren als Verbrechen gegen die Menschlichkeit ein. Mindestens 377 von den iranischen Sicherheitskräften getötete Menschen, darunter 56 Kinder und Minderjährige, werden im Bericht thematisiert. Außerdem tausende Fälle von Folter und sexueller Gewalt, Festnahmen und Verfolgungen sowie des Verschwindenlassens.

Die Generalsekretärin von Amnesty International Deutschland, Julia Duchrow, sprach von einer „staatlich angeordneten und orchestrierten Strategie“, um die Zivilbevölkerung durch massive Repression und tödliche Gewalt zu unterdrücken und mundtot zu machen. Amnesty fordert nun die Aufnahme von Ermittlungen durch Behörden der internationalen Gemeinschaft, gleich der Verfolgung von Menschenrechtsverletzungen in Syrien und der Ukraine.

2022 markiere außerdem nicht das Ende der Gewalt, erklärte Amnesty. Die schematische Unterdrückung laufe bis in die Gegenwart weiter – ein Beispiel sei die brutale Niederschlagung der Demonstrationen am 8. und 9. Januar 2026.

Augenzeug:innen, geleaktes Material, Gerichtsurteile

Der nun veröffentlichte Bericht sei die umfassendste Recherche in der Geschichte von Amnesty International, so die Organisation. 270 Augenzeug:innen, darunter Angehörige der Opfer, Menschenrechtsaktivist:innen, Jour­na­lis­t:in­nen und medizinisches Personal wurden angehört. Man habe außerdem über 2.000 Videoaufnahmen sowie geleakte staatliche Dokumente, offizielle Aussagen, Gerichtsurteile und forensische Unterlagen ausgewertet.

Unter den Opfern zählt Amnesty überproportional Menschen der belutschischen und kurdischen Minderheiten. Während sie maximal zwischen 5 und 15 Prozent der iranischen Bevölkerung darstellen sollten, nähmen sie 62 Prozent aller von der Organisation dokumentierten Opfer ein.

Einige der mutmaßlichen Täter sind tot oder sanktioniert

Als Beschuldigte genannt werden unter anderem Einsatzkräfte der islamischen Revolutionsgarden (IRGC) und des Polizeikommandos der Islamischen Republik Iran (Faraja), die unter anderem bewusst und immer wieder mit Schusswaffen in die Menschenmengen gezielt hätten.

Von den 87 namentlich erwähnten Personen auf der Liste von Amnesty wurden sechs bei gezielten Angriffen der USA und Israels getötet. Darunter sind das ehemalige iranische Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei, der einstige Generalstabschef des iranischen Militärs Mohammad Bagheri und der ehemalige IRGC-Generalkommandant Hussein Salami.

Von den 87 namentlich erwähnten Personen auf der Liste von Amnesty wurden sechs bei gezielten Angriffen der USA und Israels getötet

Unter den restlichen 81 Personen unterstehen viele bereits internationalen Sanktionen, etwa Ahmad Wahidi, seit März 2026 Befehlshaber der IRGC, oder Seyyed Majid Mirahmadi, der bis 2024 stellvertretender iranischer Innenminister für Staatssicherheit und Polizei war.

Auch der ehemalige iranische Polizeichef Hossein Ashtari und der Ex-Chef der polizeilichen Sondereinheiten Hassan Karami werden genannt sowie die beiden IRGC-Kommandanten für die kurdisch besiedelten Teile des Irans, Mohammad Taqi Osanloo und Majid Arjmandfar, und der IRGC-Kommandant Mohammad Nazar Azimi für die Provinzen Kermanscha, Hamadan and Ilam.

In zahlreichen Fällen hätte ihre Ausübung von Gewalt sogar zur Beförderung von Mitgliedern des Regimes geführt, so Amnesty International. Die Menschenrechtsorganisation gibt außerdem an, dass das iranische Regime die von den USA und Israel geführten Angriffe, die Ende Februar 2026 begonnen hatten, als Deckmantel nutze, um noch schärfer gegen die eigene Bevölkerung vorzugehen.

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