Wettlauf gegen die Zeit – Pfahlbauten im Zürichsee: Eine Weltkultur vor dem Zerfall

Die Pfahlbauten in den Schweizer Seen sind archäologische Schätze. Sie geben Einblicke in eine Zeit, aus der es keine schriftlichen Quellen gibt. Doch dort, wo die oberste Sedimentschicht durch Schiffsschrauben, Bautätigkeiten und dadurch veränderte Strömungen abgetragen wird, droht den prähistorischen Hölzern der Zerfall.
5000 Jahre in der Zeit zurück
Die Mitarbeitenden der Unterwasserarchäologie Zürich versuchen, das Verschwinden der Pfahlbauten aufzuhalten. Nur wenige Meter vom Seeufer entfernt – und nur rund einen Meter unter der Wasseroberfläche – schlummern seit Jahrtausenden die Überreste unserer frühen Vorfahren.
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Bild 1 von 2. Die Mitarbeitenden der Unterwasserarchäologie Zürich bergen und dokumentieren die freiliegenden Fundstücke. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 2. Die Holzfundamente der Pfahlbauten werden genau vermessen und kartografiert. Bildquelle: SRF.
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Allein im Zürichsee sind heute rund 70 Pfahlbaufundstellen dokumentiert. Dabei handelt es sich um Überreste prähistorischer Siedlungen, die einst entlang von Seeufern auf Holzpfählen errichtet worden sind. Dieses Unesco-Welterbe gibt Aufschlüsse darüber, wie die Menschen vor etwa 5000 Jahren gelebt haben.
Sedimentschichten schützen prähistorische Siedlungen
Überdauert haben die Hinterlassenschaften aus der Stein- und Bronzezeit nur dank der Sedimente auf dem Seegrund. Die meisten Mikroorganismen, die organische Substanz abbauen, sind auf Sauerstoff angewiesen. Ohne Sauerstoff wird der Zerfall stark gebremst oder gar ganz gestoppt.
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Bild 1 von 2. Seit rund 5000 Jahren liegen die Überreste einer Pfahlbausiedlung im Uferbereich vor Feldmeilen. Bildquelle: Unterwasserarchäologie Stadt Zürich.
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Bild 2 von 2. Die Fundstellen werden unter Wasser dokumentiert und gekennzeichnet. Bildquelle: SRF.
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Solche Bedingungen herrschen beispielsweise in Mooren – oder eben: in den Sedimentschichten auf dem Seegrund. Selbst Pflanzenreste wie Pollen oder Getreidekörner sind so erhalten geblieben und geben Aufschluss darüber, was die Menschen damals angebaut und gegessen haben.
Kiesschicht kann Erosion aufhalten
Einst wurde auf dem See gelebt – so belebt wie heute war er aber noch nie. Auf und im See wird gebadet, getaucht, geböötelt, gefischt und gebaut.
Alle Fundstellen im Zürichsee sind mehr oder weniger stark bedroht.
Das alles verändert die Strömung und legt die fragilen Funde frei. Sobald die schützende Sedimentschicht einmal weg ist, verrotten die Pfahlbaufunde innert weniger Jahrzehnte. «Alle Fundstellen im Zürichsee sind mehr oder weniger stark bedroht», sagt Andreas Mäder, Leiter der Unterwasserarchäologie Zürich.
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Bild 1 von 3. Andreas Mäder, Leiter der Unterwasserarchäologie Zürich, sichtet die Funde, welche die Taucher an die Oberfläche gebracht haben. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 3. Die Mitarbeitenden der Unterwasserarchäologie Zürich dokumentieren eine Fundstelle vor Feldmeilen. In ein, zwei Jahren wird diese Stelle dann mit einer Kiesschicht überdeckt. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 3. Hier wird im Jahr 2017 im Hallwilersee Kies über eine Fundstelle geschüttet. Damit sollen die Pfahlbauten geschützt und für die künftige Erforschung konserviert werden. Bildquelle: SRF.
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Deshalb stehen die Mitarbeitenden der Unterwasserarchäologie bei einer Fundstelle vor Feldmeilen im Einsatz. Hier bergen und dokumentieren sie die freiliegenden Fundstücke. Die Holzfundamente der Pfahlbauten werden genau vermessen und kartografiert. Dann folgt die Konservierung:
«Man kann sie schützen, indem man einen gewissen Bereich mit einem Vlies abdeckt und dann mit Kies überschüttet. Diese Kiesschicht von etwa 15 bis 20 Zentimetern schaltet die mechanische Zerstörung durch die Strömung aus.» Andreas Mäder, Leiter der Unterwasserarchäologie Zürich
Denkmaltage machen auf Gefahren aufmerksam
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Wie die Pfahlbauten sind viele Bauwerke und Kulturstätten in Gefahr. Die Europäischen Tage des Denkmals (am 12. und 13. September 2026) machen auf die Bedrohungen aufmerksam, denen unser Kulturerbe ausgesetzt ist. Schweizweit werden dazu mehr als 450 Führungen, Ausstellungen und Workshops angeboten.
Seit mehreren Jahren wird diese Methode in verschiedenen Schweizer Gewässern angewendet. Andere Fundstellen werden mit Bojen vor ankernden Booten geschützt. Dank dieser Massnahmen soll der Zerfall verhindert – oder zumindest verlangsamt – werden. So sollen die Überreste aus der Vergangenheit auch für zukünftige Generationen erhalten bleiben.
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