ESPN DeportesCómo las Valkyries fueron de la expansión hasta las Finales WNBAESPNFIFA president Infantino received undisclosed $1.7M World Cup paymentThe Jerusalem PostHerzog honors Israel Bonds for raising billions post-Oct 7 while mourning northern school tragedyInquirer300 kilos of trash collected in Sarangani Bay mangrove cleanupBollywood HungamaSadhu Tiwari to perform Nayyi Navelli song ‘Awadhiya Ke Raja’ at Ram Ki Paidi in AyodhyaRTP DesportoLens - Sporting CPDaily MaverickHow the Middle East conflict is reshaping the multipolar global orderRadio Times'It was jaw dropping!'The Hollywood Reporter‘Queen Silvia’ Ditches the Glass Slipper for Un-Cinderella Royal Romance3DNewsМарсоход NASA Perseverance побил рекорд пробега на другой планете — и останавливаться не собираетсяZDF heuteEntdecken Sie das ZDF-NachrichtenstudioBBC NewsMurder investigation after four people die in arson attack
The Daily Newsstand · Free, Always
Tuesday, October 13, 2026

Darknet Diaries Deutsch: Der Spion im Wohnzimmer – Teil 1

Translate

Dies ist der erste Teil von „Der Spion im Wohnzimmer“. Der zweite Teil wird in einer Woche veröffentlicht. Im englischen Original von Jack Rhysider trägt diese Episode den Namen „SuperBox“.

Die deutsche Produktion verantworten Judith Hohmann und Marko Pauli von heise online. Der Podcast erscheint wöchentlich auf allen gängigen Podcast-Plattformen und kann hier abonniert werden.

JACK: Neulich war ich bei IKEA, um ne Lampe zu kaufen, und als ich reinkam, sah ich da einen Rückrufhinweis am Schwarzen Brett. Die Knoblauchpresse sollte wieder aus dem Verkehr gezogen werden. Es hieß da, zehn Leute hätten sich bei der Benutzung verletzt. Ich glaube, da sind Metallteile abgesplittert und das hat dann zu Schnittwunden geführt. Also, ja, sie haben den Verkauf gestoppt und jedem, der eine gekauft hatte, den Kaufpreis erstattet. Da kam mir doch der interessante Gedanke: Moment mal; ist sowas jemals bei Computern passiert? Hat ein Geschäft jemals einen Computer zurückgerufen, weil er gefährlich war? Da stellt sich aber auch die Frage: Was bedeutet bei Computern überhaupt gefährlich?

Vor ein paar Jahren gab es eine Geschichte über einen extrem billigen Gaming-Computer, der auf Amazon verkauft wurde. Niemand wusste, dass der Computer mit Malware ausgeliefert wurde. Aber Leuten, die ihn gekauft hatten, wurden die Krypto-Wallets leergeräumt; ihre Steam-Accounts wurden übernommen und ihre E-Mails kompromittiert. Die Computer wurden in China hergestellt und mit Windows 11 ausgeliefert. Der Haken an der Sache war: Um die Geräte halt möglichst billig verkaufen zu können, hat die Firma auf echte Windows-Keys verzichtet, stattdessen haben sie ne gehackte Version des Windows-11-Installers genommen, mit der die ganze Lizenzschlüssel-Sache einfach umgangen werden konnte. Das Problem war nur, dass dieser Installer Malware in die Windows-Installation einbettete. Der Verkäufer wusste also nicht einmal, dass Malware drauf war. Auf Amazon tauchten Bewertungen auf: „Der Computer ist unsicher. Kauft ihn nicht.“ Ein Stern. Immer mehr schlechte Rezensionen kamen rein, in denen es hieß, dass die Computer alle mit Malware ausgeliefert wurden.

Ich meine, wenn ihr einen neuen Gaming-PC bekommt und der schon während der Einrichtung eure Krypto-Wallet leert, eure E-Mails übernimmt und euren Steam-Account klaut – wie groß wäre der Schaden für euch? Und: als wie gefährlich würde man das definieren? Würde es mehr wehtun, als sich einen Metallsplitter von einer Knoblauchpresse in den Finger zu jagen? Ich denke schon. Und doch geben Computergeschäfte wie Best Buy, Amazon oder wer auch immer, soweit ich weiß, niemals Rückrufaktionen für Technik heraus, die bösartig ist. Ganz im Gegensatz zu Händlern eben, die andere defekte und unsichere Artikel verkauft haben. Ich frage mich halt, ob ein mit Malware verseuchter Computer, der den Nutzern enormen Schaden zufügt, für Einzelhändler jemals in die Kategorie „gefährlich“, „fehlerhaft“ oder „schädlich“ fallen wird.

JACK: Heute freue ich mich riesig, denn ich kann endlich mit D3ada55 sprechen. Schön, dich wiederzusehen.

D3ADA55: Ich weiß.

JACK: Wir haben uns vor fünf, sechs Jahren auf der Defcon kennengelernt.

D3ADA55: Das war eine meiner allerersten Defcons, ja.

JACK: Es war deine erste Defcon, und du hast mir geschrieben: Hey, wollen wir uns treffen? Wo können wir uns treffen? Ich muss dir was erzählen. Ich meinte: Ja, wo? Okay, so erkennst du mich. Okay, cool. Wir haben uns erkannt, saßen auf ner Couch und du meintest: Hey, ich hab da was. Es war alles noch streng geheim. Ich hab mich gefragt: Was ist wohl los? Du hattest – ich nenne hier keine Namen – Kontakt zu jemandem, von dem du wusstest, dass er eine gute Geschichte hat. So nach dem Motto: Ich kann dich mit dieser Person zusammenbringen. Ich dachte mir: Großartig, und das ist dann auch passiert. Wir haben uns vernetzt und uns unterhalten. Also, danke dafür. Da haben wir uns zum ersten Mal getroffen. Danach habe ich dann gesehen, wie du einen Vortrag nach dem anderen gehalten hast, und ich habe mehr über dich erfahren. Damals hast du mir gesagt, dein Name sei D3ada55, und mit der Zeit habe ich einfach erfahren, dass du wirklich Badass heißen solltest, weil du echt. Ich glaube, du hast damals schon an allen möglichen richtig coolen Projekten gearbeitet. Magst du uns einen kleinen Einblick in deine Tech-Karriere geben?

D3ADA55: Ich bin das Paradebeispiel für einen untypischen Tech-Werdegang. Ich habe einen Hochschulabschluss in Englisch. Ich hab in Berkeley Rhetorik und Propaganda studiert. Es war also nicht...

JACK: Äh ja, das habe ich heute schon auf deinem Vortrag hier bei der CactusCon gehört, dass du einen Abschluss in Rhetorik und Propaganda hast.

D3ADA55: Mhm.

JACK: Stimmt das oder war das ein Witz?

D3ADA55: Genau darum ging es in meinem Abschluss. Argumentation verstehen und rhetorische Mittel und Werkzeuge begreifen. Und so hab ich mich extrem auf die Wirksamkeit von Propaganda fokussiert. Das war auch der Grund, warum ich, als ich mich mit dem Thema meines Vortrags beschäftigt habe, wusste, dass da irgendwas seltsam war. Es hat genau diesen Teil meines Gehirns angesprochen, und außerdem hatte ich sowas vorher noch nie gesehen.

JACK: Das war also ein Karriereweg für dich; ich will in die Propaganda gehen.

D3ADA55: Naja, eigentlich wollte ich Jura studieren. Zumindest dachte ich das mal. Und dann, gut, die Bay Area ist teuer. Das Leben ist teuer und dann habe ich meinen ersten Computer zusammengebaut und dachte mir: Hm, warte, ich kann das als Job machen? Warum habe ich das nicht gleich gemacht?

JACK: Du bist also in die Tech-Branche eingestiegen. Gib uns mal eine kurze Zusammenfassung, was für Positionen du da hattest.

D3ADA55: Ich hab bei einigen der größten Namen im Security-Bereich gearbeitet, also Palo Alto, Google, Apple. Ich bin schon ziemlich viel im Valley rumgekommen und jetzt bin ich bei CENSUS.

JACK: Ja. Was machst du bei CENSUS?

D3ADA55: Ähm, ich bin Senior Sales Engineer, also nicht mal Researcherin. Ich forsche nur zum Spaß.

JACK: Aber die Sache ist die: Vor ein paar Jahren hat D3ada55 etwas entdeckt. Es war, als würde man etwas finden, das man vielleicht besser nicht hätte finden sollen. Eine Entdeckung, die sie in ein tiefes Rabbit Hole schickte, eine Entdeckung, die sie Jahre der Recherche kosten sollte, um der Sache auf den Grund zu gehen. Alles begann im Haus ihres Vaters.

D3ADA55: Ohne schon zu viel zu verraten: Er ist einer der leitenden Angestellten bei seiner Öl- und Gasfirma.

JACK: Okay. Du besuchst ihn also und...

D3ADA55: Ja. Mein Vater ist sehr...naja ich will nicht sagen nonchalant, aber er ist gechillt. Er ist ein sehr entspannter Typ. Als gerade er also aufgeregt war, dachte ich mir: Hm, worüber freust du dich so? Du bist doch sonst eher trocken. Du bist sonst nicht so schnell begeistert.

JACK: Ihr Vater war begeistert von all den Sendern, Shows und Filmen, die er jetzt auf seinem Fernseher empfangen konnte. Er meinte: Schau dir das an. Ich habe hunderte von Filmen, ganze Staffeln der neuesten TV-Serien, tausende von Sendern, Sport, sogar Pay-per-View-Wrestling-Kämpfe. Du magst doch Wrestling, D3ada55. Du würdest das Ding lieben.

D3ADA55: Er hat mir davon erzählt und meinte: Die kosten nur 300 Dollar und funktionieren einfach. Die heißen SuperBox. Sofort denke ich mir: Okay, das klingt schon seltsam, aber erzähl weiter. Also frage ich: Und wie funktioniert das? Er sagt: Naja, es läuft einfach. Aber danach habe ich nicht gefragt. Ich will wissen, wie es funktioniert. Dann kommt meine jüngere Schwester rein, die auch Cybersicherheit studiert hat. Sie sagt: Ah ja, das Netzwerk hier im Haus ist total langsam, seit diese Boxen hier sind. Also spätestens da sind bei mir alle Alarmglocken angegangen. Ich dachte mir: Ich besorge mir so ein Ding, nur um mal zu sehen, was das macht.

JACK: Boxen.

D3ADA55: Ja, Boxen.

JACK: Was?

D3ADA55: Mehr als drei.

JACK: Warum hat er so viele?

D3ADA55: Weil sie praktisch sind. Damit kriegen sie dich.

JACK: Oh, für jeden einzelnen Fernseher?

D3ADA55: Ja, für jeden Fernseher.

JACK: Okay. Wie ist er da rangekommen?

D3ADA55: Jemand bei der Arbeit hat ihm gesagt, dass er unbedingt so eine haben muss, also hat er sich eine besorgt.

JACK: Sie nimmt eine mit nach Hause, um sie sich anzusehen. Sie weiß nicht genau, wo sie anfangen soll, aber sie weiß genug, dass sie das Ding besser unter Quarantäne stellt. Sie packt es also in ein separates Netzwerk, damit es nicht an ihr Heimnetzwerk rankommt oder versucht, ihre anderen Geräte zu stören, und sie packt es hinter eine Firewall. Dann fängt sie an zu googeln, wo sie anfangen soll.

D3ADA55: Es war die seltsamste Frage, die ich je laut gestellt habe: Wie zeichne ich den Datenverkehr im Netzwerk auf? Ich musste rausfinden, wie ich die Mitschnitte der Datenpakete von dem Ding bekomme. Also: Wie macht man PCAPs?

JACK: Die Idee war: Wenn sie es einschaltet, wollte sie sehen, wohin es Verbindungen aufbauen will. Mit wem kommuniziert dieses Ding? Wie sendet es diese Datenpakete? Sie fand dann raus, wie man Paketmitschnitte macht, um genau das zu beobachten.

D3ADA55: Ich habe mir eins dieser kleinen Packet-Squirrel-Tools von Hak5 besorgt. Ich musste ein bisschen schmunzeln, denn ich erinner mich, als ich neu war in der Security und dachte, ich werde eine krasse Hackerin – da dachte ich: Yeah, ich hol mir das ganze Zeug. Ich hatte also schon einen, hatte ihn aber nie ausgepackt, und dann habe ich gelernt, wie man ihn benutzt. Also das war mein Einstieg in die Inline-Paketanalyse.

JACK: Sie richtet also alles ein, schaltet es ein, lässt es einfach machen und beobachtet, womit es kommuniziert.

D3ADA55: Das Erste, was es macht, ist Tencent anzufunken. Einfach direkt...

JACK: Tencent ist...?

D3ADA55: In China, ja, wie qq.com.

JACK: Tencent ist ein riesiger Tech-Konzern, dem gehört z. B. QQ, das ist einer der wichtigsten Instant-Messaging-Dienste in China. Aber es ist nicht völlig ungewöhnlich, dass etwas damit kommuniziert.

D3ADA55: Zuerst dachte ich mir also: Okay, vielleicht ist das nicht so schlimm. Aber wenn man den Rest dazu nimmt – so wie: Oh, du bist ein Öl- und Gasmanager, jemand Neues hat dir gesagt, du sollst dir das besorgen, das Netzwerk ist super langsam, und dieses Ding funkt nach China, hm, dann ergibt sich so ein komisches Gesamtbild. Einzeln bedeuten diese Dinge nichts, aber wenn wir sie strategisch oder im großen Ganzen betrachten, denkt man sich: Hm, ich verstehe.

JACK: Vielleicht sieht sie da aber Zusammenhänge, wo womöglich gar keine sind. Also sucht sie weiter nach Traffic-Logs.

D3ADA55: Ich beobachte einfach den Traffic, immer weiter. Ich schalte sie für einen Tag ein, dann wieder aus. Ich schaue mir Logs an. Ich versuche einfach, ein Gefühl dafür zu kriegen, was sie vorhaben. Dann bekomme ich einen Treffer in meinem Schwachstellen-Log, im Threat-Log auf meiner Palo-Alto-Firewall, und es ist eine SCADA-Schwachstelle.

JACK: Eine SCADA-Schwachstelle. Das ergibt keinen Sinn. SCADA-Systeme sind Softwareanwendungen, die zur Überwachung und Steuerung großer industrieller Anlagen eingesetzt werden. Bei Pumpen oder für Ventile, Fließbänder, Kompressoren, Aufzüge, Eisenbahnweichen. Da sind SCADA-Systeme zuhause. Warum um alles in der Welt versucht diese Box, die dazu da ist, Fernsehen und Filme zu streamen, einen SCADA-Exploit in D3ada55s Netzwerk auszulösen? Das ist doch reichlich beunruhigend. Sie schaut sich also weiter den Traffic an, den dieses Ding sendet. Und sie bemerkt dabei, dass die Box intensiv mit allen anderen Geräten in ihrem lokalen Netzwerk kommuniziert. Normalerweise kümmert sich ne Streaming-Box nicht darum, was sonst noch im lokalen Netzwerk los ist. Die will eigentlich nur ins Internet gehen und den Inhalt holen, um ihn euch auf dem Fernseher zu zeigen.

Aber diese Box war eifrig damit beschäftigt, herumzuschnüffeln, um zu sehen, was da noch so in ihrem Netzwerk los ist. Genauer gesagt fängt sie an, ARP-Requests an jedes Gerät im selben Netzwerk zu senden. Bei ARP fragt ein Gerät vereinfacht gesagt: Hey, gibt es Computer in diesem Netzwerk, die die IP 192.168.1.10 oder so haben? Wenn es ein Gerät mit dieser IP-Adresse gibt, antwortet es. Es sagt: „Ja, das bin ich. Wollen wir kommunizieren? Hier ist meine MAC-Adresse.“ Dann gibt es die MAC-Adresse an, also die Hardwarekennung seiner Netzwerkschnittstelle. Diese SuperBox hat also ARP-Anfragen an jede IP-Adresse im Netzwerk von D3ada55 gesendet.

D3ADA55: Ich würde sagen, es war fast eher wie eine ARP-DoS-Attacke – also eine gezielte Überlastung des Netzwerks durch eine Flut von Suchanfragen –, weil das System andere Geräte so extrem massiv „ge-arpt“ hat und ununterbrochen digitale Rufen-Sie-Zurück-Nachrichten gesendet hat, dass die am Ende völlig überfordert waren und ihre IP-Adressreservierung verloren haben und nicht mehr erreichbar waren.

JACK: Wirklich?

D3ADA55: Ja, sie waren einfach so gesprächig die Box. Und das war auch für mich etwas seltsam, denn normale Geräte sind zwar kommunikativ, aber nicht auf diese Art. Da ist also dieses laute Ding im Netzwerk, das ARPs an alles schickt und rumschnüffelt. Es interessiert sich einfach viel zu sehr für Sachen, die in meinem Netzwerk passieren.

JACK: Dieses Ding fragte also: „Wer hat diese IP?“, und wenn das Gerät mit dieser IP antwortete, fragte es einfach immer und immer wieder, tausende Male, und überflutete es mit ARP-Anfragen, bis dieses Gerät überlastet war und offline ging. Das ermöglichte es der SuperBox dann, sich als dieses Gerät auszugeben. Sie änderte ihre eigene IP und MAC-Adresse, um mit dem übereinzustimmen, was sie gerade lahmgelegt hatte. Das ist genau so gedacht, ein Angriff, um andere Sachen auszuschalten und sich dann als diese auszugeben – um dann zu sehen, ob sie mit etwas noch Interessanterem kommunizieren können. Holy Cow, man kann schon sagen, dass dieses Ding extrem unheimlich ist. D3ada55 googelt also weiter, um noch mehr herauszufinden.

D3ADA55: Es sieht so aus, als wäre alles SEO-manipuliert, denn es erscheinen nur Orte, an denen man die SuperBox kaufen kann. Es gibt keine negativen Stimmen, nicht mal Reddit-Posts, die irgendetwas an der SuperBox in Frage stellen. Auf der kompletten ersten Seite geht es nur darum, wo man sie kaufen kann und was alles an ihr toll ist.

JACK: Sie wird immer neugieriger – wer stellt dieses Ding her? Welche Marke? Wo kommt's überhaupt her?

D3ADA55: Eine der häufigsten Situationen, die viele von uns schon erlebt haben: Man fragt sich, was ist das für ein Gerät? Wie lautet seine MAC-Adresse? Wer stellt das her? Ich recherchiere also, wer der Hersteller ist. Das ist so eine merkwürdige Firma mit einer Template-Website, die GBS-Labs oder so ähnlich heißt, und im Grunde ne Briefkastenfirma ist. Auf der Seite gibt es Stockfotos und all die verräterischen Anzeichen dafür, dass man das nur hochgezogen hat, um gerade noch seriös auszusehen, obwohl man es eigentlich nicht ist. Ich recherchiere also weiter den Hersteller und finde gefälschte LinkedIn-Profile und all so ein Zeug. Und ich dachte mir: Okay, das ist offensichtlich nicht echt. Also grabe ich weiter. Ich mache mir Sorgen, denn während ich weiter Boxen kaufe – ein paar bei Amazon, eine bei Best Buy, eine bei Walmart.

JACK: Whoa, whoa, whoa, diese Dinger gibt es bei Amazon, Best Buy und Walmart?

D3ADA55: Ja, gibt es. Also...

JACK: Man konnte eine SuperBox direkt auf diesen Seiten kaufen?

D3ADA55: Ja.

JACK: Moment mal: In den USA kann man so eine SuperBox also einfach bei großen Händlern kaufen. Wie sieht das in Deutschland aus? Ich hab das mal Nico Jurran gefragt. Er ist Redakteur bei der c’t und dort unter anderem für Audio und Video zuständig.

NICO JURRAN: Die SuperBox als solche gibt es in Deutschland nicht. Anders als in den USA stehen vergleichbare, bereits modifizierte Streamboxen auch nicht einfach bei MediaMarkt & Co. im Regal. Man findet solche Geräte aber immer mal wieder beispielsweise auf Online-Kleinanzeigenportalen. Dort wird dann teilweise ziemlich eindeutig damit geworben, dass man damit kostenlos auf eigentlich kostenpflichtige Filme, Serien oder Fernsehsender zugreifen kann. Manche Verkäufer formulieren das etwas vorsichtiger und behaupten dann beispielsweise, sie hätten mit der Box ein bisschen herumexperimentiert und dabei mehr oder weniger zufällig festgestellt, dass man damit nun alle möglichen Inhalte kostenlos sehen kann. Und mitunter findet man auch ziemlich abenteuerliche Begründungen dafür, warum das Ganze angeblich legal sein soll. Solche Angebote gibt es also hierzulande durchaus, aber wer so eine manipulierte Box kauft, weiß häufig nicht, was darauf eigentlich installiert wurde und was die Software im Hintergrund macht. Risikolos sind solche Kisten deshalb keineswegs und neben möglichen Sicherheitsproblemen kann auch die Technik, über die die Filme und Serien abgerufen werden, für den Nutzer unangenehme Folgen haben.

JACK: D3ada55 konnte ihre Boxen einfach bei Amazon, Best Buy und Walmart kaufen. Ein Haufen raubkopierter Filme und TV-Serien, verkauft in einer Box, die man einfach an den Fernseher anschließt, und schon muss man nicht mehr für Kabel oder Filme bezahlen – das klingt reichlich illegal.

D3ADA55: Ja. Das ist es auch, aber sogar auf der Box selbst taucht ein kleiner Disclaimer auf, wenn man sie einschaltet.

JACK: Hier, ich will euch gerne den Hinweis vorlesen, der aufpoppt, wenn man dieses Ding zum ersten Mal anschließt. Da steht: Danke, dass Sie sich für SuperBox entschieden haben. SuperBox ist ein leeres und offenes Entertainment-Gerät. Aufgrund der Beschaffenheit dieses Artikels sind wir in keiner Weise verantwortlich für die von Nutzern gestreamten oder angesehenen Inhalte. Es liegt in der Verantwortung der Nutzenden, sich zu vergewissern, dass die für das Streaming der Inhalte aufgerufenen Seiten über korrekte Urheberrechtsvereinbarungen verfügen und für die Inhalte berechtigt sind. Die Beweislast dafür liegt vollständig bei Ihnen, dem Nutzer oder der Nutzerin. SuperBox übernimmt in keiner Weise die Verantwortung dafür, wie Sie dieses Gerät nutzen.

Unglaublich. Wie soll das gehen? Kann man eine Box verkaufen, die damit wirbt, tausende raubkopierte Serien und Filme zu haben, aber dann einen Disclaimer vorschalten, der besagt: Oh, wir haften übrigens nicht für das, was ihr damit macht? Theoretisch sollte das doch nicht funktionieren dürfen, aber tatsächlich tut es das, da das Ding auf den Websites von Amazon, Walmart und Best Buy zum Verkauf steht. Also Amazon, Walmart und Best Buy bieten die nicht selbst an, das sind Marktplätze für Fremdanbieter auf den Websites, wo jeder hingehen, einen Shop einrichten und verkaufen kann, was er will. Auch wenn diese Angebote ab und zu entfernt wurden, tauchten sie irgendwann einfach wieder auf, eingestellt von einem völlig anderen Verkäufer. Natürlich gibt es sie auch auf eBay zu kaufen.

D3ADA55: Während ich mich also umschaue, gehe ich auf YouTube und suche nach SuperBox. Ich seh da einen Haufen verschiedener Influencer. Aber nicht Leute wie Linus Tech Tips oder andere große Namen, die eine riesige Fangemeinde auf YouTube haben. Das sind Leute mit manchmal 800 Followerinnen, manchmal 50, manchmal 50k. Ein Typ hatte Bilder von Motorrädern, seiner Frau und Essen, und dann eine harte Rechtskurve, und plötzlich spricht er über SuperBoxen. Ich habe einen Jungen gesehen, der über Lautsprecher gesprochen hat und dann plötzlich über die SuperBox. Da dachte ich mir: Das ist echt seltsam. Offensichtlich wurden diese Leute bezahlt. Ich habe eine Weile gebraucht, um das rauszufinden, aber ich bin weit zurückgegangen zu einem sieben Jahre alten SuperBox-Video. Dieser eine Influencer meinte: Ja, sie haben mich kontaktiert und bieten mir 50 % vom Erlös von jedem Gerät an, das ich verkaufe, wenn ich darüber spreche.

JACK: Whoa. Es gibt also SuperBox-Influencer da draußen, Leute, die dafür bezahlt werden, das Ding zu verbreiten. Meine Güte, das macht es natürlich viel schwerer, die Box zu kontrollieren und zu stoppen. Wenn die von irgendwelchen Leuten verkauft werden, die sich damit ein paar Euro dazuverdienen, ist das fast so, als hätten sie eine Armee von Marketern und Verkäuferinnen angestellt.

D3ADA55: Die tauchen an seltsamen Orten auf. Ich sehe das auf TikTok. Die sind auf Facebook Marketplace. Ich werde also misstrauisch – noch misstrauischer, weil ich mir denke: Das muss eine verdeckte Mundpropaganda sein. Denn ich sehe die sonst nirgends – wie zum Beispiel im Kabelfernsehen, wo dann zum Beispiel Werbung für die SuperBox kommt. Wenn das jemals passiert, wandere ich aus. Aber das habe ich zum Glück noch nicht gesehen. Was ich allerdings finde, sind Sachen wie: Hey, probiert mal die SuperBox aus. Hier sind YouTube Shorts über die SuperBox. Checkt mein TikTok. Holt sie euch in meinem Store. Das verbreitet sich also. Später finde ich dann raus, dass sie durch die Art und Weise, wie sie den Reseller-Markt nutzen, überall die Vororte durchdringen, um die unter die Leute zu bringen und so in den gesamten USA Fuß zu fassen.

JACK: Oh Mann! Diese Dinger verbreiten sich nicht nur; sie verbreiten sich an ganz bestimmten Orten. Familien in den unzähligen Vororten bekommen sie so. Und warum dort? Naja, indem man Familien in den Vororten ins Visier nimmt, ist das wie ein Bottom-up-Ansatz zur Informationsbeschaffung. Greife nicht Unternehmen oder gar die Regierung an der Vordertür an, wo ihre stärkste Firewall und Sicherheitskontrollen eingerichtet sind. Komm nicht einmal durch die Hintertür. Konzentriere dich stattdessen auf die Mitarbeiter in ihren Heimen. Viele Leute nehmen ihre Arbeit mit nach Hause. Wenn sie von diesem Ding auf einen Arbeitslaptop überspringen können oder ein VPN ins Büro von zu Hause aus finden, dann, Bingo!, haben sie soeben Zugang zum Unternehmensnetzwerk erlangt.

Oder noch schlimmer: Es könnte in jemandes Rucksack oder Tasche mitfahren und auf der Arbeit eingesteckt werden. Wenn das also ein bösartiges Gerät ist, das als TV-Streaming-Box getarnt ist, dann ergibt es viel Sinn, Familienhäuser in den US-Vororten ins Visier zu nehmen, wenn das Ziel ist, einen großangelegten Angriff gegen große US-Unternehmen aufzubauen. Oh, herrje, da läufts mir eiskalt den Rücken runter. [Zu D3ada55] Hattest du zu diesem Zeitpunkt irgendwelche Vermutungen, wer hinter all dem stecken könnte?

D3ADA55: Das war der seltsame Teil. Ich meine, logisch, wenn es mit China kommuniziert, bin ich einfach von China ausgegangen. Aber hier scheint es mehrere Ebenen zu geben. Ich versuche immer noch, den Code zu knacken. Aber viele Leute hier in der Cybersicherheitsbranche in den USA sind natürlich sehr beunruhigt darüber. Der Grund ist, dass man sie in einem Netzwerk kaum aufspüren kann, außer, man weiß genau, wonach man sucht, oder man weiß exakt, wo sich die eigenen Geräte im Netzwerk befinden, wie die Baselines, der normale Datenverkehr aussieht.

Wenn man das Gerät also gerade nicht benutzt und es einfach nur da steht, sieht alles völlig unauffällig aus. Wir alle streamen ja und tun dies und das, aber was viele nicht wissen: Wenn traditionelle Streaming-Dienste wie Netflix, Hulu oder wer auch immer fragen ‚Schauen Sie noch weiter?‘, dann ist das die Bandbreitenkontrolle – also ein digitaler Mechanismus, der verhindert, dass die Internetleitung blockiert wird. Damit wird sichergestellt, dass nicht die ganze Leitung leergesaugt und blockiert wird. Diese Geräte hier haben sowas aber nicht. Die machen einfach immer weiter. Und wenn man dann noch das Thema Residential Proxies dazu nimmt – also das heimliche Umleiten von fremdem Datenverkehr über private Internetanschlüsse –, dann frisst das enorm viel Bandbreite.

JACK: Oh, ich verstehe; wenn Tausende davon in Haushalten im ganzen Land stehen und diese Haushalte alle Highspeed-Internet haben, dann bedeutet das, dass diese Boxen über ziemlich viel Bandbreite verfügen. Und wenn man die Kontrolle über so viel Bandbreite hat, kann man allein damit eine Menge Schaden anrichten. Zu diesem Zeitpunkt befinden wir uns im Jahr 2023. D3ada55 ist mittlerweile tief in die Erforschung dieser Box eingestiegen. Sie hat herausgefunden, dass das Betriebssystem auf dem Ding einfach Android ist, und nicht Android TV, einfach Android.

D3ADA55: Ich habe mir die Android-Informationen angesehen, und es war ein Patch von 2021.

JACK: Okay, also ein drei Jahre altes Betriebssystem.

D3ADA55: Zu diesem Zeitpunkt, ja. Das ist Absicht, denn das war eine von den Versionen, die besonders viele Sicherheitslücken hatten. Wenn wir an all die nicht so tollen Android-Patches denken, die rausgekommen sind, war 2021 ein ziemlich seltsames Jahr dafür. Ich sehe mir das also an und denke: Okay, das ist super seltsam. Ich grabe weiter. Ich schaue mir die Box an. Ich denke mir: Lass uns die Apps durchgehen. Da ist TeamViewer drauf, und ich denk mir, warum denn bitte TeamViewer?

JACK: TeamViewer? Okay, TeamViewer ist eine Möglichkeit, einen Computer aus der Ferne zu verwalten. Es erlaubt einem, sich mit dem Gerät zu verbinden und es so zu steuern, als säße man direkt davor. Wenn TeamViewer darauf installiert ist, bedeutet das, dass wer auch immer dahintersteckt, ein Dashboard mit allen SuperBoxen da draußen zur Verfügung hat, auf denen TeamViewer läuft, und mit einem Klick können sie einfach auf jede beliebige zugreifen. Das ist gruselig. Nicht zu fassen! Die Vorstellung, dass jemand in eurem Haus ist, sich in eurem Netzwerk umschaut und ihr keine Ahnung davon habt – nein, nein, nein, nein, das will ich nicht. Verbrennt es.

D3ADA55: Ich habe Reddit-Threads und ähnliches beobachtet, und die Leute haben sich gefragt: Ist das Ding zu schön, um wahr zu sein? Es gab einen Account auf Reddit, der zu der Zeit, vor etwa vier Jahren erstellt wurde. Das stimmte mit der Timeline von allem überein, was wir gesehen haben, als das Ganze um 2019, 2020 anfing. Dieser Account hat vier Jahre lang keinen einzigen Beitrag gepostet und taucht dann plötzlich auf, nur um zu sagen: Ich habe die SuperBox schon ewig. Ich bekomme NFL, MLB, Sunday Ticket. Das ist das Beste überhaupt. Jeder sollte sich die holen. Und danach hat er nie wieder gepostet. Die pushen das natürlich und versuchen es an verschiedenen Stellen. Ich dachte mir: Das breitet sich aus. Die Leute reden darüber, aber ich habe in der Security-Community noch kein Wort davon gehört. Also hab ich beschlossen, einen Vortrag darüber zu halten und das war mein erster technischer Vortrag auf einer Hacker-Con. Ich hatte Angst, da überhaupt auf die Bühne zu gehen.

JACK: Sie hielt den Vortrag auf einem BSides-Event, einer Konferenz zu IT- und Cybersicherheitsthemen, und das Publikum reagierte fassungslos auf ihre Ergebnisse. Ihr Vortrag war so beängstigend, dass danach wohl jeder zu Hause anrief, um zu fragen, ob die eigenen Eltern so ein Ding gekauft oder so etwas installiert hatten. [Zu D3ada55] Okay, was passierte nach diesem Vortrag?

D3ADA55: Wie kann ich das sagen, ohne dass es bescheuert klingt? Unsere Regierung war sehr, sehr daran interessiert, mehr zu erfahren. So kann ich es ausdrücken.

JACK: Okay. Ja, es sprach sich also herum und eine Untersuchung wurde eingeleitet, und sie holten sie dazu, um mehr zu erfahren. Wenn es eine andere Nation ist, die versucht, Boxen mit böswilliger Absicht in Familienhäusern in ganz Amerika zu platzieren, dann war das Verteidigungsministerium natürlich daran interessiert, mehr zu erfahren. Die Sache war aber die: Weil es jetzt eine laufende Untersuchung war, bedeutete das, dass D3ada55 dazu schweigen musste. Sie durfte also nicht öffentlich darüber sprechen. Aber das hielt sie nicht davon ab, weiter zu recherchieren und privat darüber zu reden. Sie machte also jahrelang weiter und hielt Vorträge, aber bei jedem dieser Vorträge hieß es: Keine Kameras, keine Aufnahmen, keine Fotos, um das Ganze eben geheim zu halten.

Es hat mich in den Wahnsinn getrieben, da ich ihre Vorträge seit Jahren besuche, und ich finde, es ist so eine gute Geschichte, die ich euch unbedingt erzählen wollte, aber sie durfte nie dazu interviewt werden. Deshalb bin ich so froh, dass wir dieses Interview endlich, endlich, endlich machen können, um euch ihre Geschichte zu erzählen. Aber wie sich herausstellte, war dies nicht das erste Mal, dass wir böse Boxen sahen.

D3ADA55: HUMAN Security und Google und all diese Leute hatten schon die Infos zur ersten bösen Box rausgebracht, und sie waren die Quelle für viele der Sachen bei der zweiten bösen Box. Wir haben rausgefunden, dass dieses Ding ein Teil davon war, was jetzt als BadBox-Botnet bezeichnet wird.

JACK: Das BadBox-Botnet. Wir haben es die ganze Zeit über als SuperBox bezeichnet. Woher der Name „BadBox“?

D3ADA55: BadBox kommt daher, dass es einfach noch andere Android-Streaming-Geräte gibt, die viel billiger sind. Das war eine Anomalie, die mir aufgefallen ist, als ich mir die SuperBox angeguckt habe. Die kosten sonst so zwischen 30 und höchstens 100 Dollar. Also wieder billige Geräte, die es überall gibt und die sie ziemlich schnell unter die Leute bringen können. Es hat also total Sinn ergeben, dass viele davon schon infiziert waren. Das Verhalten sah genau gleich aus, wie als ich angefangen habe, Informationen und so weiter bereitzustellen. Wir sind alle zu dem Schluss gekommen: das ist immer noch BadBox, aber es ist BadBox 2.0, auch wenn wir die erste BadBox abgeschaltet hatten. Es gilt im Grunde für jedes Android-Gerät, das Schadsoftware hat oder an interessante Orte funkt. Aber mein Fokus auf die SuperBox liegt daran, dass sie 300 Dollar kostet und der Rest von den Dingern nur 30 Dollar. Warum kostet die hier also 300?

JACK: Sie hat den Behörden also alle Informationen gegeben, die sie darüber herausgefunden hat.

D3ADA55: Ich habe Netzwerk-Traffic bereitgestellt, einige Logs, einfach Sachen, damit sie eine Vorstellung davon bekommen konnten, womit sie es zu tun haben, und sie haben es dann einfach von da an übernommen, also...

JACK: Okay, und deine eigenen Nachforschungen – mit denen hast du nicht aufgehört.

D3ADA55: Oh, nein, ich dachte mir, wir haben noch nicht mal an der Oberfläche gekratzt.

JACK: Ich weiß.

D3ADA55: Zu dem Zeitpunkt dachte ich mir einfach: Da ist noch mehr. Ich weiß, dass da noch mehr ist, weil es noch so viele unbeantwortete Fragen gab. Okay, ich verstehe, warum es funkt. Ich verstehe, dass es mit dieser IP-Adresse kommuniziert, aber warum? Also grabe ich weiter. Ich grabe einfach weiter, und immer weiter.

JACK: Sie war von dieser Box besessen und wusste, dass sie ihre Fähigkeiten verbessern musste, um sie gründlicher verstehen zu können. Sie belegte dann ein paar SANS-Kurse, also Cybersecurity-Intensivschulungen, holte sich ihre GCIA-Zertifizierung, ein Nachweis für Cybersecurity-Fachkräfte, verbesserte ihre Tools und sah sich noch einmal den Traffic an, den dieses Ding sendete. Sie sah, dass es mit vielen Domains kommunizierte, die auf .top endeten. Die meisten Websites enden auf .com, aber nicht diese Box. Sie kommuniziert gerne in der .top-Domain.

D3ADA55: Und wir alle wissen, eine unsichere .top-Domain ist für niemanden gut. Das ist nichts für uns.

JACK: Natürlich hat sie auch viel mit .cn-Domains kommuniziert, was eindeutig China ist. Sie ging tiefer in die Protokolle, Domains, IP-Adressen, analysierte die Hardware und die Firma, die das alles herstellt. Sie sah, dass dieses Ding einfach automatisch verschiedene Apps für Android herunterlud und sie war dann in der Lage, diese abzufangen und zu analysieren.

D3ADA55: Das war auch für mich neu. Ich habe im SOC gearbeitet. Ich habe im Kontrollzentrum meine kleinen Warnmeldungen für Cyberbedrohungen gemacht und dann: Okay, ab zu den Spezialisten. Das war alles, was ich früher gemacht habe. Plötzlich herauszufinden, wie man APKs dekompiliert, also die Installationsdateien in den Quellcode zurückzuversetzen. Das war irgendwie verrückt, mir das Innere von diesen Dingern anzusehen. Ich dachte mir: das sieht nicht richtig aus, das solltet ihr nicht unverschlüsselt im Klartext senden, sowas halt. Und wo so viel Rauch ist, da ist in der Regel auch Feuer.

JACK: Da die Box mit dem Android-Betriebssystem läuft, verfügt sie über den Google Play Store. Aber natürlich findet man dort nicht die tausenden Sender, über die sie angeblich verfügt. Stattdessen muss man den Google Play Store im Grunde genommen deinstallieren und stattdessen etwas namens „SuperBox App Store“ installieren.

D3ADA55: Was mich stutzig gemacht hat, war, als ich versucht habe, den App Store runterzuladen, und meine Firewall mir angezeigt hat, dass es sich um eine mehrschichtig kodierte Datei handelt. Sie war so sechs-, siebenmal gezippt. Das war seltsam, denn das ist für einen App Store nicht normal. Eigentlich sollte man einfach den Google Play Store nutzen; es ist ja ein Android-Gerät. Aber sie haben ihren eigenen App Store, den man runterladen und installieren musste, um Zugang zu ihren Raubkopie-Apps zu kriegen.

JACK: Sah deren App Store gut aus?

D3ADA55: Oh mein Gott, das war ziemlich brutal. Man klickt drauf, es installiert sich und wird blau. Das fand ich irgendwie lustig, denn warum wird das blau? Man klickt drauf, und da sind einfach nur diese drei Apps drin. Sonst ist da nichts. Das ist also nur dazu da, damit man Zugang zu ihrem Zeug bekommt, und sie wollen, dass es so seriös wie möglich aussieht, damit die Leute es benutzen. Das wird dir gefallen: Die laufen alle mit Android Debug Bridge. Das ergibt Sinn, weil es ja vorgibt, ein Android-Gerät zu sein. Es ist kein Android-TV-Gerät, es ist einfach nur Android, was schon seltsam ist im Vergleich zu den anderen Gerätetypen. Und dann gab es darauf nicht mal eine Authentifizierung. Ich konnte mich einfach direkt über die Android Debug Bridge verbinden, Switch User eintippen, und schon habe ich die Root-Rechte bekommen.

JACK: Du hast also Zugriff auf die SuperBox?

D3ADA55: Ich habe Admin-Rechte bei allen sechs, die ich bei mir zu Hause habe, ja.

JACK: Oh mein Gott.

D3ADA55: Dann habe ich die Firmware schließlich doch noch ausgelesen, und auf dem Gerät fehlen ganze Sektoren. Wenn man sich zum Beispiel die Struktur ansieht, wie die Boot-Struktur, gibt es 27 Partitionen, also getrennte Speicherbereiche, aber man kann nur 15 davon sehen.

JACK: Was?

D3ADA55: Richtig. Das ergibt keinen Sinn. Das ist nicht normal.

JACK: In der Tat eigenartig.

D3ADA55: Ja.

JACK: Ich würde vermuten: Wenn es dort Partitionen gibt, die man nicht sehen kann, dann steckt möglicherweise irgendwo tief im System Software, von der wir nichts wissen. Was ist in diesen Partitionen? Und wie gefährlich ist das? Niemand weiß es.

D3ADA55: Gleichzeitig wühle ich mich weiter durch diese Briefkastenfirma. Sie haben diese seltsamen gefälschten Auszeichnungen, um seriös auszusehen. Ich dachte mir: Was ist das überhaupt – soll das ein Echtheitszertifikat sein? Das ist im Grunde das, was sie für die SuperBoxen in Umlauf bringen, damit sie echt wirken.

JACK: Ja. Die Verpackung von dem Ding, du hast ja ein paar bekommen, richtig? Wie sieht die aus...?

D3ADA55: Oh, Mann.

JACK: Sieht es einfach wie ein normales Gerät aus, oder ist da irgendwas Albernes dran?

D3ADA55: Ich schaue es an und frage mich: Warum sieht das böse aus? Es fühlt sich für mich irgendwie böse an. Hast du schon mal etwas gesehen und dir gedacht: Das gefällt mir nicht? Es macht mir irgendwie ein ungutes Gefühl. Aber auf der Box steht 6K.

JACK: 6K …

D3ADA55: Richtig. Was soll 6K bedeuten? Da hab ich wohl was verpasst zwischen 4 und 8K. Aber ja, auf der Box steht 6K. Es sind sogar gesetzliche Informationen auf die Box gedruckt, aber wir können nirgendwo echte Behördeninformationen von der FCC dazu finden.

JACK: Okay, das regulatorische Zeug sieht also so aus, als wäre es einfach erfunden.

D3ADA55: Ja.

JACK: Oh, wir sind für all diese Dinge zertifiziert, aber nicht wirklich.

D3ADA55: Richtig, und wie gesagt...

JACK: Nun, crazy. Das ist illegal.

D3ADA55: Und für den normalen Durchschnittsbürger sieht es aus wie alles andere, was er vielleicht kauft. Es gibt die vermeintlichen regulatorischen Informationen. Ich weiß, was das Produkt ist und es steht drauf, wer es herstellt.

JACK: Das scheint hochgradig illegal zu sein. Die Regierung wird nicht wollen, dass man da Zertifizierungen draufpackt, die nicht stimmen, insbesondere bei Elektronik...

D3ADA55: Exakt.

JACK: ... und es für die Verbraucherinnen sicher machen. Sie bringen es einfach nur an und …

D3ADA55: Das ist nicht wirklich geprüft. Die sagen einfach: Hier, bitte. Das ist sicher für Verbraucher.

JACK: Okay.

D3ADA55: Das ist lächerlich, und es bleibt einfach lächerlich. Also schnall dich an. Es gibt einfach so viele leuchtend rote – ich würde eher sagen neonrote Warnsignale, falls es sowas gibt. An diesem Punkt – das ist jetzt Ende 2024 – denke ich mir einfach: Sieht das denn niemand sonst? Im Jahr 2025 ist es dann so richtig losgegangen. Die öffentliche BadBox-Bekanntmachung kam im Juni raus. Das war eine riesige Sache.

JACK: Oh ja, ich habe diese Ankündigung gesehen. Ich rufe sie mal für euch auf. Sie trägt den Titel: Mit dem Heim-Internet verbundene Geräte erleichtern kriminelle Aktivitäten. Hier die FBI-Warnung. Das FBI gibt eine Bekanntmachung (PSA) heraus, um die Öffentlichkeit vor Cyberkriminellen zu warnen, die IoT-Geräte ausnutzen. Cyberkriminelle verschaffen sich über kompromittierte IoT-Geräte wie TV-Streaming-Geräte, digitale Projektoren, nachgerüstete Fahrzeug-Infotainmentsysteme, digitale Bilderrahmen und andere Produkte unbefugten Zugang zu Heimnetzwerken. Die meisten der infizierten Geräte wurden in China hergestellt. Cyberkriminelle erlangten unbefugten Zugang zu Heimnetzwerken, indem sie das Produkt entweder vor dem Kauf durch die Nutzer mit bösartiger Software konfigurierten oder das Gerät mit Backdoors infizierten, meist während des Einrichtungsprozesses.

Wow. Das FBI hat diese Warnung also herausgegeben, aber das reichte nicht aus, um die Geräte von den Marktplätzen von Amazon, Best Buy und Walmart zu verbannen. Und selbst mit dieser FBI-Warnung reichte es für D3ada55 nicht aus, um ihren Vater davon zu überzeugen, das Ding ebenfalls loszuwerden.

D3ADA55: Er hat sie zumindest ausgesteckt.

JACK: Nur wenn du zu Hause bist.

D3ADA55: Nur wenn ich zu Hause war.

JACK: Er steckt es wahrscheinlich wieder ein, wenn du gehst.

D3ADA55: Es ist einfach so frustrierend.

JACK: Also gut, wie überzeugst du...? Ich stelle mir vor, mein Vater oder dein Vater ist hier. Was sagt man ihnen, sagt man, macht das nicht? Was würde sie überzeugen?

D3ADA55: Ja.

JACK: Du musst es einfach erklären, oder …?

D3ADA55: Also, was interessant war – ich glaube, was bei meinem Vater angekommen ist, war, als ich gesagt habe: Hey, wenn hiermit was schiefgeht – und du bist in einer ziemlich hohen Position in deiner Firma. Es gab schon Leute, deren Bankkonten gehackt wurden. Ist dir dein Geld wichtig? Ist dir deine Rente wichtig? Die sind hinter deinen Zugangsdaten her. Die überwachen das Netzwerk. Die sehen, wenn du dich bei deiner Bank einloggst, und die sehen, wenn du Dinge machst, die wir alle als sensibel betrachten würden. Wenn du nicht willst, dass das gegen dich verwendet, ausgenutzt oder zum Problem wird, musst du darüber nachdenken, was du dir ins Heimnetzwerk holst.

JACK: Okay, du hast gesagt, das Bankkonto von jemandem wurde durch dieses Ding leergeräumt?

D3ADA55: Ja. Jemand hat auf Reddit geschrieben: Die haben versucht, unser Bankkonto zu hacken, also packt es in ein Gastnetzwerk. Nicht etwa: Hört auf, es zu benutzen. Packt es einfach in ein separates Netzwerk.

JACK: Meine Güte, was machen wir hier eigentlich? Stellt euch vor, ihr hättet einen Mitbewohner, der versucht, Geld von eurem Bankkonto zu stehlen, jedes Mal, wenn ihr euch umdreht, und der euch ständig ausspioniert. Ihr würdet ihn nicht einfach ins Gästezimmer verfrachten; ihr würdet ihn aus dem Haus werfen. Wie kann es sein, dass dieses Ding offensichtlich so gefährlich ist und die Leute es trotzdem nicht in den Müll werfen? Weil es ihnen immer noch einen Nutzen bringt, selbst nachdem es sich als gefährliches und schädliches Gerät für das eigene Zuhause entpuppt hat. Und es bringt mich jetzt echt ins Grübeln, wie man das beheben kann. Das ist kein Einzelfall. Es ist ein Branchentrend, und nicht einmal nur ein Branchentrend in der Cybersicherheit. Es ist ein Bug in uns Menschen. Wir ignorieren oft gute Ratschläge.

Wir alle wissen, dass man seine Gesundheit ernst nehmen, sich gesund ernähren, fünfmal die Woche trainieren und viel schlafen sollte. Und doch tun die meisten von uns das nicht. Das liegt nicht daran, dass wir es nicht besser wissen. Wir alle wissen es besser, wir wissen, dass es nichts gibt, das man mehr schätzen sollte als das eigene Leben und die eigene Gesundheit. Es ist also nicht so, als gäbe es etwas Wichtigeres, worauf man sich konzentrieren müsste. Und trotzdem kümmern wir uns nicht richtig um uns selbst. Das halte ich für einen Bug im Menschen. Wir wissen, was das Richtige ist, und tun es trotzdem nicht. Und die Box ist ein Beispiel dafür, wie dieser Bug total super ausgenutzt wird. Selbst wenn die SuperBox ihr hässliches Gesicht zeigt und uns demonstriert, wie gefährlich und schädlich sie ist, nutzen die Leute sie weiterhin, weil sie gerne ihre TV-Serien schauen. [Zu D3ada55] Um das nur klarzustellen: Wie stehst du zu Piraterie?

D3ADA55: Mir persönlich ist das egal. Das ist eure Sache und eine Angelegenheit zwischen euch und eurem Internetanbieter. Das hat nichts mit mir zu tun.

JACK: Ja, das ist nicht das, weswegen du hier bist...

D3ADA55: Nein.

JACK: ...und sagst, dass es schlecht ist.

D3ADA55: Ja. Es ist die Tatsache, dass sie es einfacher machen, Zugang zu diesen Sachen zu kriegen. Viele Leute haben nicht das technische Know-how, um sicher auf hoher See im Internet zu segeln. Das hier ist quasi die schlüsselfertige Komplettlösung.

JACK: Können wir vielleicht noch kurz darüber sprechen, was du beobachtet hast, wie die Leute an die Boxen gekommen sind?

D3ADA55: Ja. Mir haben Leute erzählt, dass die ihnen nach Hause geschickt wurden. Und ich dachte mir: Was? Die arbeiten in der Öl- und Gasindustrie. Sie meinten: Ich habe das nicht bestellt. Und ich darauf: Ja, steck das bloß nicht ein. Also wurde mir eins davon geschickt.

JACK: Wow. Wie unheimlich ist das, wenn so ein Ding auf mysteriöse Weise vor deiner Haustür auftaucht und du in der Öl- und Gasbranche arbeitest? Mann, das ist eine sehr ernste und gefährliche Kampagne. Ich habe schon gesagt, dieses Ding sollte man verbrennen, aber jetzt bin ich der Meinung, man müsste zuerst mit nem Vorschlaghammer draufhauen und es dann verbrennen.

JACK: Und D3ada55? Die hat weiterhin mehr Fragen als Antworten. Die SuperBox wirkt nicht mehr so, als wäre sie bloß ein fragwürdiges Streaming-Gerät – wer sie aber kontrolliert, wie dieses Geschäft organisiert ist und was genau dahintersteckt, ist noch völlig offen. In der zweiten Folge geht es um die Menschen hinter SuperBox, ihr Vertriebsnetz – und darum, wie groß dieses Geschäft wirklich ist.

Diese Episode wurde im englischen Original von Jack Rhysider erstellt. Den Text haben Judith Hohmann und Marko Pauli übersetzt und gesprochen.

View the original on heise online →

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.