Darum sind Kühlschränke in Supermärkten mit Internet verbunden

- Hacker haben in der Nacht auf Montag Kühlanlagen von Supermärkten in sieben Ländern angegriffen.
- Betroffen waren Belgien, Schweden, Irland, Luxemburg, Estland, Finnland und die Niederlande.
- Coop in der Schweiz bemerkte Angriffsversuche, diese waren laut eigenen Angaben nicht erfolgreich.
- Die Kühlsysteme hängen am Netz, um Strom zu sparen, Alarme zu erhalten und Temperaturen zu dokumentieren.
In der Nacht auf Montag haben Cyberkriminelle Kühlanlagen in Läden in Belgien, Schweden, Irland, Luxemburg, Estland, Finnland und den Niederlanden angegriffen.
Allein in Belgien traf es rund 60 Filialen von Delhaize, Carrefour und Spar. In Schweden stieg die Temperatur in einem Laden laut Facebook-Post auf bis zu 50 Grad. In Irland mussten 13 Supermärkte gekühlte Ware aus den Regalen nehmen. Die Täter hatten die Anlagen aus der Ferne in den Abtaumodus geschaltet. Schon Mitte Oktober hatte es Hunderte Läden in Frankreich erwischt.
In der Schweiz hat Coop Angriffsversuche bemerkt – diese seien aber nicht erfolgreich gewesen, wie das Unternehmen auf Anfrage von 20 Minuten sagte.
Kühlregal mit Internetanschluss – wozu?
Doch warum hängt ein Kühlregal überhaupt am Internet? Die Antwort: Geld, Sicherheit und Bequemlichkeit.
Kühlung ist in den meisten Supermärkten der grösste Stromfresser. Moderne Steuerungen messen laufend Temperatur und Verbrauch. Über das Netz können die Ketten die Werte aller Filialen vergleichen und sehen sofort, wo zu viel Strom verpufft.
Dazu kommen die Alarme: Fällt nachts eine Truhe aus, merkt das im Laden niemand. Eine Überwachungszentrale aber schon – rund um die Uhr. Oft lässt sich das Problem dann direkt am Bildschirm lösen, etwa indem man die Temperatur anpasst. Laut dem dänischen Hersteller Danfoss spart das bis zu 30 Prozent unnötige Technikereinsätze.
Ausserdem müssen Läden beweisen, dass Joghurt, Fleisch und Glace immer richtig gekühlt waren. Früher notierte das Personal die Werte mehrmals täglich von Hand. Heute schreibt das System die Temperaturen automatisch mit.
Alte Software als Einfallstor
Genau diese Fernsteuerung wird jetzt zum Problem. Betroffen sind laut Danfoss auch Produkte des Herstellers. In Estland gelangten die Angreifer über den Steuercomputer eines älteren Kühlsystems ins Netz, dessen Software nie aktualisiert worden war. Laut Fachmedien sind Sicherheitslücken in solchen Danfoss-Steuerungen seit Längerem bekannt, Updates gibts – nur wurden sie offenbar nicht überall installiert. Zum Teil waren die Geräte direkt aus dem Internet erreichbar.
Experten raten darum: Software aktuell halten und die Steuerungen nicht offen ins Netz hängen. In Belgien ermittelt nun die Staatsanwaltschaft. Wer hinter den Angriffen steckt, ist noch unklar.
EU: «Zutiefst besorgniserregend»
EU-Agrarkommissar Christophe Hansen sprach mit Blick auf die Vorfälle von einem «bewussten Versuch, unsere Lebensmittelkette zu unterbrechen und das Vertrauen der Verbraucher in sie zu untergraben». Das wiederholte Auftreten dieser Cyberangriffe sei «zutiefst besorgniserregend». Die Angriffe würden «sehr ernst» genommen, erklärte Hansen weiter. Gleichwohl sei die Lebensmittelsicherheit in Europa derzeit nicht gefährdet. (DP)A
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Konstantin Furrer (fur) arbeitet seit 2017 für 20 Minuten. Seit 2022 Newsdesk-Leiter, daneben Blattmacher und Mitglied der Redaktionsleitung.
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