Triumph-Tsunami der Demokraten: Trump reißt Republikaner historisch in unbekannten Abgrund

Triumph-Tsunami der DemokratenTrump reißt Republikaner historisch in unbekannten Abgrund
Die US-Republikaner erleiden eine desaströse Niederlage bei den Kongresswahlen und verlieren beide Kammern in dramatischer Weise an die Demokraten. Präsident Trump hat den Draht zur Basis verloren. Die Wähler schicken einen blauen Tsunami übers gesamte Land.
Um 23:42 Uhr Ortszeit in der Wahlnacht gibt es in Brooklyn erstmals Feuerwerk. Donald Trump ist mit seiner Politik der zweiten Amtszeit auf dramatische Art und Weise gescheitert. Dies ist das historische Votum der US-Wähler bei den Kongresswahlen 2026. Schon wenige Stunden, nachdem die ersten Wahllokale an der Ostküste geschlossen hatten, deutet sich an: Da rollt mehr als eine blaue Welle auf den Kongress zu. Sondern ein unerbittlicher Tsunami. Zweistellige Prozentpunktverluste für die Republikaner allerorten und exorbitante Zugewinne für die Demokraten - sogar noch viel mehr als erwartet. Sie erobern die Mehrheit in beiden Kammern.
Trump hatte die Republikaner bekniet, sie sollten sich vorstellen, er stehe auf dem Wahlzettel. Sie haben ihm gemeinsam mit den Demokraten den Mittelfinger gezeigt. Er hatte versprochen, in seiner zweiten Amtszeit werde er endlich erreichen, um was er und die US-Amerikaner in seiner ersten durch Corona-Pandemie und angeblichen Wahlbetrug gebracht worden waren: ein "goldenes Zeitalter". Er wollte die Preise für alle senken, Industriejobs mit Zöllen zurückbringen, sich aus Kriegen heraushalten. Trump hat alle Versprechen gebrochen. Seine Partei reißt er nun, zwei Jahre später, mit sich in den Abgrund.
Kurz nach 21 Uhr ist in Washington klar: Trump muss künftig gegen das Repräsentantenhaus regieren. Je länger der Abend dauert, desto zerstörerischer wird der blaue Tsunami. Der Senat ist schon weit vor Mitternacht verloren: South Carolina, Texas, Iowa, und andere bislang republikanisch dominierte Staaten schicken Demokraten in den Senat. Trump, der sich selbst immer wieder als besten Präsidenten aller Zeiten bezeichnet, ist nun MAGAs lahme Ente. Das zerstörerische Ausmaß seines Scheiterns wird an einem Ergebnis besonders deutlich: In Kansas erleiden die Republikaner eine Jahrhundertniederlage, erstmals seit 1932 wird ein Senator der Demokraten den Bundesstaat vertreten.
Monumentale Niederlage für MAGA
Trump hat seine Magie verloren. Die Demokraten haben eine überdeutliche Mehrheit im Repräsentantenhaus erobert, und zusätzlich eine nur in ihren kühnsten Träumen für möglich gehaltene, aller Voraussicht nach komfortable Mehrheit im Senat. Bei den Republikanern stellt die monumentale Niederlage die komplette Machtstruktur und die Rolle der MAGA-Bewegung in der Partei infrage. Ab jetzt wird darum gerungen, wer 2028 für sie und die Präsidentschaft kandidieren soll. Vizepräsident JD Vance, bislang Trumps Kronprinz und führend in Umfragen, muss sich auf aggressive Herausforderer einstellen, falls er sich um die Kandidatur bewirbt.
Trump hat in seinen zwei Jahren im Weißen Haus eine autokratische Machtfülle an sich gerissen und dafür genutzt, um sich, seine Familie und Verbündete zu bereichern, die Institutionen zu schwächen und eine Wirtschaftspolitik im Alleinherrscherstil gemeinsam mit Tech-Oligarchen zu führen. Für die breite Bevölkerung ist Donald Trumps Bilanz schlecht, auch die zuvor so loyale MAGA-Basis zweifelt. Und wer zweifelte, ist offenbar zu Hause geblieben. Drei Viertel der Wähler hatten sich vor Dienstag unzufrieden über die Entwicklung unter Trump geäußert.
Die Umfragen zu einzelnen Kandidaten deuteten auf einen großen Wahlsieg der Demokraten hin, aber nicht auf einen solch monumentalen. Wahre Wechselwähler sind in den USA ohnehin äußerst selten, weshalb Meinungsforscher auch nach "Begeisterung" für eine Wahl oder Kandidaten fragen. Es geht nicht darum, jemanden umzustimmen, sondern schlicht zur Stimmabgabe zu bewegen. Die Begeisterung war diesmal unter beiden Parteianhängern ungefähr gleich groß - aber die Demokraten waren wütender und besorgter als die Republikaner.
Die vergangenen zwei Jahre hat das US-Parlament so wenige Gesetze verabschiedet wie erst einmal zuvor - 2023 und 2024, als die Republikaner bereits im Repräsentantenhaus die Mehrheit hatten und blockierten. Der Widerstand gegen Trumps Bulldozer-Politik dürfte die blaue Welle ausgelöst und die Tatenlosigkeit des Kongresses sie zum Tsunami verstärkt haben.
Don't mess with Diesel
Nachwahlbefragungen zufolge haben sich jene Gruppen von den Republikanern abgewendet, die Trump 2024 dauerhaft für die Republikaner gewonnen zu haben glaubte: junge Männer, Latinos und vor allem eine breitere Arbeiterschaft als zuvor. Doch die gehören zu den einkommensschwächeren Wählern und spüren die Preissteigerungen besonders stark. Eines ist auch bis in die letzten Winkel des Landes an Zahlen ablesbar: Treibstoffpreise. Unter Trump stiegen die Benzinpreise um ein Drittel, der Diesel ist heute doppelt so teuer. Das trifft Lastwagenfahrer, Landwirte und Baufirmen besonders, und die gehören zu Trumps Kernwählerschaft.
Trump hat sich also mit seinem Krieg gegen den Iran völlig verkalkuliert. Der Waffengang im Nahen Osten ist teuer, der Ausgang weiterhin offen und die Wähler spüren die Folgen im Portemonnaie. Hinzu kommt, dass Trump sich als "Friedenspräsident" rühmt, jahrelang gegen solche Kriege gewettert hatte und versprach, unter ihm werde es keine geben.
Trumps hat es zugleich nicht geschafft, die Wahl zu seinen Gunsten zu verzerren. Seine Wahlreform, die Dutzenden Millionen Menschen ihr Votum hätte unmöglich machen können, wurde nie verabschiedet. Die erfolgreichen Wahlkreisneuzuschnitte, um mögliche Verluste abzufedern, waren größtenteils ineffektiv. Andere wurden von Gerichten wieder einkassiert. Die Mär von massenhaften Stimmabgaben durch Ausländer blieb eben das: eine Geschichte.
Trump hatte zudem eine ganze Reihe von Kandidaten aus dem Wahlkampf gedrängt und dafür eigene Loyalisten unterstützt. Die sind nun von einem demokratischen Tsunami weggerissen worden, trotz allen Geldes. So wie in Texas, wo Trump den dortigen Generalstaatsanwalt Ken Paxton ins Amt in Washington hieven wollte. Der dort ansässige Elon Musk flutete den Wahlkampf vergeblich mit rund 160 Millionen Dollar, um den demokratischen Senatskandidaten James Talarico aufzuhalten. Der ist nun der erste gewählte Senator der Demokraten des Bundesstaats seit 1988. Die Botschaft der Wähler dürfte klar sein: Wir sind nicht käuflich.
Trumps System gescheitert
Die 20 größten Spender haben gemeinsam 2 Milliarden US-Dollar in den Wahlkampf gepumpt, davon rund 1,5 Milliarden für Republikaner, und davon wiederum kamen 450 Millionen von Musk allein. Angesichts des enormen finanziellen Engagements von ihm und weiteren Tech-Milliardären bei gleichzeitiger Tatenlosigkeit des Weißen Hauses zählen die Wähler offenbar eins und eins zusammen. Eine überwältigende Mehrheit will Regeln oder gar ein Moratorium für KI und den Bau von Rechenzentren, dem sich aber Trump und größtenteils auch die Republikaner verweigern.
Damit ist bei dieser Kongresswahl auch Trumps System aus Loyalität, Geld und superreichen Helfern auf politischer Ebene abgelehnt worden, da die breite Wählerschaft spürte, dass es für sie nicht funktioniert. Bis auf die wohlhabendsten ein Prozent - mit einem Jahreseinkommen von rund eine Million US-Dollar und mehr - hat die komplette Bevölkerung höhere Ausgaben als vor Trumps erneutem Amtsantritt, hat die US-Denkfabrik ITEP ausgerechnet. Je einkommensschwächer die Menschen, desto mehr trifft es sie.
Trump hat sich derweil um seine eigenen Angelegenheiten gekümmert, hatte Bauprojekte in Washington sowie den Profit für sich, seine Familie und seine Verbündeten im Blick. Auf der Zielgeraden des Wahlkampfes sagte Trump bei einer Rally sogar, ihm seien die gestiegenen Preise für die Bevölkerung egal, da ja die Ölkonzerne ein Vermögen scheffelten. Anders gesagt: Trump hat das Verständnis für die breite Basis verloren. Sogar für Republikaner wurde Korruption vor wenigen Wochen zum wichtigsten Thema; für eine Wahl, vor der sowohl beide Kongresskammern als auch das Weiße Haus von der eigenen Partei kontrolliert wurde, ein ohrenbetäubendes Warnsignal. Es hat nichts mehr geändert.
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