Trainer Sandro Wagner in Hannover: Der zweite Anlauf

Der einst so kesse Sandro Wagner sucht nun bei Hannover 96 sein Trainerglück. Nach einem schlechten Start folgt das Pokal-Aus gegen Kaiserslautern.
Seine Wandlung wirft Fragen auf. Und genau auf die hat Sandro Wagner keine Lust. Als ehemaliger Profi und als Trainer des Erstligisten FC Augsburg war er nie um einen kessen Spruch verlegen. Als neuer Cheftrainer von Zweitligist Hannover 96 will der bundesweit beäugte Fußballkenner mit guter Arbeit statt flotter Rhetorik glänzen. „Für mich passt das Ergebnis nicht zum Spiel“, sagte Wagner nach der 0:2-Niederlage im DFB-Pokal-Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern.
Bohrende Nachfragen zur sportlichen Talfahrt von Hannover 96 blockt Wagner in Pressekonferenzen konsequent ab. Seine Körperhaltung und seine Mimik signalisieren dann unmissverständlich: Kann ich jetzt bitte endlich weg hier?
Vielleicht ist Hannover 96 für Sandro Wagner einfach zu klein, zu schlecht und zu unruhig. Der frühere Nationalspieler und Assistent des ehemaligen Bundestrainers Julian Nagelsmann nimmt bei den Niedersachsen einen zweiten Anlauf als Trainer in der ersten Reihe. Nach vier Spielen unter seiner Regie mit nur einem mageren Remis und dem Pokal-Aus in Runde 2 macht natürlich die Frage die Runde, wie gut Wagner zu Hannover 96 passt. „Ich mag die Mannschaft. Und ich mag diese Menschen“, versichert der 38-Jährige.
Für mich passt das Ergebnis nicht zum Spiel
Sandro Wagner
Seine Bitte um Vertrauen, Zeit und Ruhe passt nur bedingt zur Sehnsucht eines Vereins, der nach acht Jahren Abstinenz in die 1. Liga zurückkehren möchte, aber kaum noch gewinnt. Platz 16 nach neun Spieltagen: Das ist bestes Futter für alle Neider und Kritiker von Wagner.
Schwierige Umstände
In einem Punkt hat der Hoffnungsträger Mitleid verdient. Bisher konnte Wagner mit seinem Team nur an ausgewählten Tagen intensiv trainieren. Zunächst fehlten ihm während einer fast dreiwöchigen Länderspielpause mehrere Nationalspieler, die sich Hannover 96 leistet – darunter der finnische Stürmer Benjamin Källman. Dazu kommen verletzungsbedingte Ausfälle und das Dilemma, dass die Mannschaft ausgerechnet das emotional aufgeladene Niedersachsenderby bei Eintracht Braunschweig mit 0:2 verloren hat.
An diesem Sonntag, wenn Hannover mit Dynamo Dresden den nächsten unbequemen Gegner empfängt, kommt die Arbeit von Wagner erneut auf den Prüfstand. Er hat seinem Team – vor laufenden Fernsehkameras – auf dem Weg von der Pokalpleite zum nächsten Ligaspiel geraten, gut zu essen, gut zu schlafen und hart an sich zu arbeiten. Genau diese Version von externer Kommunikation macht das Umfeld unruhig und lässt Wagner wie einen harmlosen Klon von sich wirken, dem es an jeglicher Authentizität fehlt.
Der Absturz von Hannover 96 bleibt mit mehreren kuriosen Personalien verbunden. Ende März hatte sich der zum Geschäftsführer berufene Jörg Schmadtke nach nur drei Monaten im Amt wieder verabschiedet. Der damalige Cheftrainer Christian Titz verpasste danach den greifbaren Aufstieg und konnte sich offenbar mit Schmadtke-Nachfolger Jonas Boldt nicht auf eine klare Transferstrategie einigen. Nach nur fünf Spieltagen in der Saison 2026/27 wurde Titz durch Wagner ersetzt.
Viel mehr Unruhe hält selbst dieser mit Krisen erprobte Verein nicht aus. Der durch sein Wirken bei Bayer Leverkusen und dem Hamburger SV bekanntgewordene Boldt möchte in Hannover etwas von Grund neu gestalten und professionelle Strukturen schaffen. Auf die medialen Gerüchte, dass seine Position nach gerade einmal vier Monaten schon wieder gefährdet sei, reagiert er gelassen. Auf die Frage, ob Wagner 96-Trainer bleiben dürfe, entgegnet Boldt: „Solange ich da bin, auf jeden Fall.“
Unter dem Strich reduziert sich bei Hannover 96 wieder einmal alles auf die Frage, wie viel Geduld und Budget unter der Obhut von Martin Kind möglich ist. Seit fast drei Jahrzehnten trifft der mittlerweile 82-Jährige alle wichtigen Entscheidungen. Extrovertierte Typen wie Boldt und Wagner nach Hannover zu holen, wirkt wie eine Flucht nach vorne. Wer von den beiden aktuell mehr unter Druck steht, lässt sich nur erahnen.
Boldt wird angelastet, sich nicht konsequent genug um einen wettbewerbsfähigen Spielerkader gekümmert zu haben. Wagner fokussiert sich auf die inhaltliche Arbeit, lässt aber den nötigen Erfolg vermissen. Steht der Trainer also unter Druck? „Ich sehe keinen Druck im Sport. Ich bin Familienvater. Es gibt anderen Druck in der Welt“, betonte Wagner nach dem guten Spiel seines Teams mit dem schlechten Ergebnis gegen Kaiserslautern.
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