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Saturday, October 31, 2026

Olympische Jugendspiele in Dakar: Traum von der olympischen Rendite

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Erstmals findet mit den Jugendspielen in Dakar ein olympisches Event in Afrika statt. Trotz finanzieller Notlage lässt sich Senegal das einiges kosten.

Helena Kreiensiek

Schwungvoll wirft Pape Mbaye seine Beine abwechselnd nach vorne. Der Oberkörper wippt im Takt mit, während er in Anzughose, Hemd und offenen Sandalen die neuen Sportgeräte an der Küstenpromenade von Senegals Hauptstadt Dakar ausprobiert. Die Plastiktüte mit frischen Kräutern vom Markt ist achtsam neben den quietschgelben Geräten abgestellt. „Eine kleine Runde Sport vor dem Nachhausegehen hat noch niemandem geschadet“, ruft er gut gelaunt über den Platz. Zwei Teenager, die sich ein paar Geräte weiter in Klimmzügen ausprobieren, recken ihre Daumen nach oben und stimmen ihm zu.

Im Hintergrund verteilt ein Bulldozer im letzten Sonnenlicht unermüdlich Erdhaufen um Erdhaufen. Der brandneue Gerätepark mit Blick auf die Klippen von Dakar und dem darunterliegenden Atlantik ist eine der neuesten Fertigstellungen im Rahmen der Vorbereitungen für die Olympischen Jugend-Sommerspiele (JOJ 2026). Es ist die erste olympische Veranstaltung überhaupt, die auf dem afrikanischen Kontinent stattfindet. Entsprechend wird die erfolgreiche Austragung nicht nur als Ehrensache für Senegal gesehen, sondern für ganz Afrika. „Afrika empfängt, Dakar feiert“, lautet passend der Slogan für die diesjährigen Spiele in der senegalesischen Hauptstadt.

Ein Ruf als Sportstadt muss sich Dakar jedoch nicht erst erarbeiten. Auch schon vor dem Rummel um das erste olympische Event in Afrika mit seinen unzähligen Leuchtreklamen, aufwendig renovierten Stadien und frisch bepflanzten Blumenbeeten prägen Sportlerinnen und Sportler das Straßenbild. Immer abends, wenn die Sonne im Atlantik versinkt und die Temperaturen des Tages abkühlen, füllt sich die Uferpromenade mit Joggern. An den Stränden üben Ringer die Griffe des traditionellen senegalesischen Wrestlings, „La Lutte“, dazwischen werden Liegestütze gemacht und Muskeln gestählt.

Freie Flächen verwandeln sich in Fußballplätze, auf denen bis in die Dämmerung gekickt wird, und sonntags in aller Frühe dominieren Gruppen von Rennradfahrern die dann ausnahmsweise verkehrsarmen Straßen, während im Meer Surfer nach den besten Wellen um die Wette paddeln. Sport gehört in Dakar ob mit oder ohne die Olympischen Jugend-Sommerspiele zum Alltag. Er spielt sich unter freiem Himmel ab, am Meer und mitten in der Stadt.

Letzte Arbeiten unter Hochdruck

Nun bietet sich die Gelegenheit, das auch der Welt zu präsentieren. Nachdem es zunächst lange still war um die anstehenden Olympischen Spiele, herrscht wenige Tage vor Beginn dann aber doch Ausnahmezustand in Dakar. Unter Hochdruck werden die letzten Zebrastreifen auf den Straßen nachgemalt, letzte Blumenbeete angelegt und Bauarbeiten an den olympischen Anlagen abgeschlossen. Tag und Nacht seien sie momentan im Einsatz, berichtet eine Gruppe Arbeiter, die gerade dabei ist, die letzten Teile der fünf olympischen Ringe an der Uferpromenade anzubringen. Nachts wird die Installation in buntem Licht erstrahlen, mit Blick auf den Atlantik. Schon jetzt sind die verschiedenen Installationen der JOJ-2026-Schriftzüge in Dakar ein beliebter Treffpunkt, um Selfies zu machen.

Eine Prüfung der öffentlichen Finanzen hatte 2024 ein Haushaltsloch von umgerechnet 13 Milliarden Dollar festgestellt

Ursprünglich sollten die Spiele schon 2022 in Dakar stattfinden, doch die Coronapandemie zwang damals zu einer Verschiebung. Mit vier Jahren Verspätung ist es jetzt so weit: Vom 31. Oktober bis zum 13. November wird Dakar zur Bühne für den internationalen Nachwuchssport. Rund 2.700 junge Athletinnen und Athleten zwischen 14 und 17 Jahren aus aller Welt treten bei den Olympischen Jugendspielen in 25 Sportarten gegeneinander an. Erstmals stehen dabei auch Skateboarding, die chinesische Kampfkunst Wushu und Baseball auf dem Programm.

Die Wettkämpfe verteilen sich auf drei Standorte: die senegalesische Hauptstadt Dakar, die Planstadt Diamniadio vor den Toren der Metropole und die Küstenstadt Saly, wo sämtliche Strand- und Wassersportarten ausgetragen werden. Dabei setzen die Spiele auch ein Zeichen für die Gleichberechtigung. Mit jeweils 1.350 männlichen und weiblichen Teilnehmenden wird wie auch schon bei vorherigen Spielen die Geschlechterparität gewahrt. Allerdings gibt es mit 73 Wettbewerben für Mädchen erstmals genauso viele wie für Jungen. Weitere Premiere ist auch die Teilnahme eines Flüchtlingsteams an der Jugendolympiade. Die Mannschaft, die von den Nationalen Olympischen Komitees Kenias und Ugandas unterstützt wird, umfasst sechs afrikanische Sportlerinnen und Sportler, die in den Disziplinen Leichtathletik, Judo und Taekwondo antreten.

„Es ist eine Chance, dass die Gäste senegalesische Gastfreundschaft kennenlernen“, freut sich Pape Mbaye. Der geläufige Ausdruck „Teranga“ in Senegals Lokalsprache Wolof steht dabei nicht nur für die freundliche Aufnahme von Gästen, sondern eine Haltung der Großzügigkeit und Solidarität und die Bereitschaft, zu teilen. Siri Diop sieht das ähnlich. Die Besucher seien eine Chance, sich der Welt zu präsentieren. Und vielleicht ein Motor für ausländische Investitionen und Arbeitsplätze. Die junge Frau hat gerade eine Reihe an Selfies vor den noch nicht ganz fertig aufgebauten olympischen Ringen an der Promenade geschossen. Doch mit den Spielen selbst hat sie wenig am Hut. Die Wettkämpfe werde sie sich nicht anschauen. „Keine Zeit, ich werde arbeiten müssen“, sagt sie.

„Lieber vernünftige Abwasserkanäle“

Nach den jüngsten Angaben der senegalesischen Statistikbehörde liegt die Arbeitslosenquote unter den 15- bis 34-Jährigen bei mehr als 27 Prozent. Ein wesentlicher Grund ist der Mangel an festen Beschäftigungsmöglichkeiten. Bei denen, die Arbeit haben, reicht das Gehalt dennoch oft nicht, um ein sorgenfreies Leben zu führen. So stoßen die Millioneninvestitionen in die Sportinfrastruktur auch auf Kritik.

„Das Geld sollte lieber in vernünftige Abwasserkanäle gesteckt werden“, findet Sira Diop. Anfang Oktober hatten sintflutartige Regenfälle schmerzhaft gezeigt, dass Dakars nur spärlich ausgebaute Abwassersysteme nicht für Regen vorbereitet sind. Die Überschwemmungen hatten einen enormen Schaden angerichtet – auch an den gerade erst frisch renovierten Straßen und Sportstätten – und mehrere Menschen das Leben gekostet.

Doch Senegals Wirtschaftslage ist angespannt. Eine Prüfung der öffentlichen Finanzen hatte 2024 ein zuvor unbekanntes Haushaltsloch von umgerechnet 13 Milliarden Dollar festgestellt. Seither ist der finanzielle Spielraum der Regierung stark eingeschränkt. Steuern sind angehoben worden, Preise gestiegen und die Regierung spart, wo sie nur kann.

Auch das Vertrauen der internationalen Partner in die wirtschaftliche Stabilität des Landes hat gelitten, noch dazu paralysiert ein Streit zwischen Präsident Diomaye Faye und dem ehemaligen Premierminister Ousmane Sonko das Land. Sonkos letzte Drohung, mit seiner Oppositionsmehrheit die Abstimmung über ein überarbeitetes Budget für dieses Jahr und den Ausgabenplan für 2027 zu blockieren, hatte dazu geführt, dass Senegals Dollaranleihen an Wert verloren.

139 Millionen Euro für die Infrastruktur

Und dennoch ist Senegal entschlossen, die Spiele so gut wie nur möglich zu organisieren. Entsprechend zwackte der Haushalt 2026 rund 139 Millionen Euro für das Infrastrukturprogramm der Olympischen Jugendspiele ab, und auch die französische Entwicklungsagentur AFD gewährte Senegal ein Darlehen in Höhe von 80 Millionen Euro, um Sportanlagen zu sanieren und lokale Sportstätten zu schaffen.

Gleichzeitig wird massiv aufgeräumt. Neue Laternen wurden aufgestellt, Schlaglöcher geflickt, sogar die Kleinhändler und Bettler sind rund um die Austragungsorte der Wettkämpfe vertrieben worden, damit das erwünschte Bild der modernen Metropole nicht beeinträchtigt wird. Besonders stolz ist man in dieser Hinsicht auf die neu fertiggestellte Zuglinie, die neben einer zu hundert Prozent elektrischen Buslinie nun das Nahverkehrsangebot der Stadt erweitert.

Auch Pape Mbaye spürt die Wirtschaftslage. Aber die Kritik an den Spielen kann er dennoch nicht nachvollziehen. „Meckerer gibt es überall“, sagt er und nimmt das Gerät für die Klimmzüge unter die Lupe. Für ihn bieten die Spiele eine nette Ablenkung von den Alltagssorgen. „Und die Investitionen in Dinge wie diesen Sportpark bleiben uns doch auch nach den Spielen erhalten“, erklärt er optimistisch. Vielleicht werde er sich auch eine der Demonstrationssportarten anschauen. Denn neben den offiziellen, kostenpflichtigen Wettkämpfen sollen zehn weitere Disziplinen, darunter Surfen, Klettern und Karate, junge Menschen in Senegal und in der Region gratis für neue Sportarten begeistern. Beim Surfen etwa können Interessierte selbst aufs Brett steigen und mit senegalesischen Profis trainieren.

Zugleich bietet sich der lokalen Sportszene die Gelegenheit, sich einem größeren Publikum zu präsentieren. Mbaye ist überzeugt: Die Spiele werden nicht nur neue Sportstätten bringen, sondern im besten Fall auch Touristen, ein gutes Image und einen nachhaltigen Aufschwung.

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