Eishockey-WM in Deutschland: Ein Tor für Russland

Das internationale Sportschiedsgericht hat entschieden: Russland darf ran an den WM-Puck. Unpolitischer wird der Sport dadurch kaum.
D ie Russen kommen. Im Mai 2027 werden sie in Deutschland auflaufen. Das internationale Sportschiedsgericht (CAS) hat den Ausschluss russischer Teams von Turnieren des Internationalen Eishockeyverbands für nichtig erklärt. Stolz berichten russische Medien vom Ende des Banns, der nach dem Überfall der Russischen Föderation auf die Ukraine im Februar 2022 über den russischen Eishockeysport verhängt worden war.
Die Zeit, in der die Politik des Westens in den Sport hineinregiert hat, sei nun endlich vorbei, jubiliert etwa der russische Sportminister Michail Degtjarjow. Im Juli hatte das Internationale Olympische Komitee den Sportverbänden empfohlen, alle Sanktionen gegen den russischen Sport, die nach dem brutalen Angriff Russlands auf die Ukraine verhängt worden waren, zu streichen. Russland sollte bis zu den Olympischen Sommerspielen in Los Angeles möglichst vollständig rehabilitiert sein.
Auch im IOC wird man wissen, dass das Kriegsgeschehen in der Ukraine keinen Grund dafür liefert, die Sanktionen aufzuheben. Der Drohnen- und Raketenkrieg, auch gegen zivile Ziele in der Ukraine, ist in diesem Jahr noch einmal brutaler und tödlicher geworden als in den Jahren zuvor. Nach wie vor machen Russen ganze Städte dem Erdboden gleich. Auch Hunderte Sportler sind in der Ukraine dem Krieg zum Opfer gefallen. Aber mit all dem will sich das IOC nicht weiter belasten. Die Sportler sollten nicht dafür bezahlen, was ihre Regierungen anrichten, so begründet das IOC seine Entscheidung.
Russland, das trotz des Banns seiner nationalen Symbole aus allen Stadien bei internationalen Wettbewerben immer gut vernetzt blieb in der Sportwelt, hat sich durchgesetzt mit seiner Lobbyarbeit. Der Preis für diesen Sieg am grünen Tisch könnte jedoch hoch sein. Der Krieg gegen die Ukraine wird bei jedem internationalen Wettbewerb mit russischer Beteiligung zum Thema gemacht werden. Das Ziel, mit der Wiederzulassung russischer Athleten den Sport zu entpolitisieren, wird das IOC jedenfalls nicht erreichen.
Russische Sportler*innen wurden nicht vermisst
Die Diskussionen um die Eishockey-WM laufen schon jetzt, fast ein halbes Jahr vor Turnierbeginn, auf Hochtouren. Der Eishockeyverband aus Finnland, wo der Pucksport eine Art Nationalreligion darstellt, hat schon angekündigt, nicht gegen Russland antreten zu wollen. Lettischen Sportlern ist es per Gesetz verboten, gegen russische Sportler anzutreten. Auch Lettland ist bei der Eishockey-WM im kommenden Mai dabei.
Aber dürfen überhaupt alle russischen Eishockeyspieler einreisen? Die Turn-WM vor zwei Wochen in Rotterdam fand ohne die russische Ausnahmeturnerin Angelina Melnikowa statt. Die junge Frau, die bei einer regionalen Wahl mal für die Kreml-Partei Einiges Russland kandidiert hatte, bekam kein Visum von den Niederlanden. Wird das deutsche Außenministerium den russischen Superstar und bekennenden Putinfreund Alexander Owetschkin ins Land lassen? Und wird ihm im Falle eines Aufeinandertreffens ein deutscher Nationalspieler nach dem Spiel die Hand schütteln? Nein, unpolitischer wird der Sport gewiss nicht durch die Wiederzulassung von Teams aus Russland.
Genau das war das aus russischer Sicht so Bittere an den Sportsanktionen, die nun nicht mehr gelten. Zwei Olympische Spiele haben seit 2022 stattgefunden, ohne dass die russische Hymne erklungen ist. Vor allem die Sommerspiele 2024 in Paris wurden in fast aller Welt als wunderbares Weihefest des Sports gefeiert. In Paris hat niemand russische Sportlerinnen und Sportler vermisst. Das war eine harte Strafe für den russischen Sport und das russische Selbstbewusstsein. Schade, dass sie jetzt nicht mehr angewendet wird.
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