Abenteurer Bushby kehrt nach 28 Jahren von Weltreise zurück
50.000 Kilometer gewandert In 28 Jahren um die Welt - Abenteurer Bushby kehrt zurück
Stand: 02.11.2026 • 21:00 Uhr
50.000 Kilometer in 28 Jahren - hinter dem englischen Abenteurer Karl Bushby liegt eine gewaltige Wanderung. Nun ist er in seine Heimatstadt Hull zurückgekehrt - und wurde von seiner gerührten Mutter empfangen.
Von Lisa-Maria Röhling
Jetzt hat er es geschafft: Karl Bushby, 57 Jahre alt, kehrt in seine Heimatstadt Hull im Norden Englands zurück. Hinter sich zieht er einen Wagen her, unter dessen Decke all seine Habseligkeiten stecken. Er selbst trägt eine abgetragene Fleecejacke und Wanderschuhe - die Wangen sind rot vom heutigen, letzten Streckenabschnitt.
Im Zentrum von Hull wird er jubelnd empfangen. Zuletzt war er hier, als er 29 Jahre alt war - bevor er aufbrach zu einer Reise, die 28 Jahre dauern sollte.
Auf seiner letzten Etappe wird Bushby von begeisterten Fans und Reportern begleitet.
Die längste Wanderung
Doch von vorne: Karl Bushby, 1969 in Hull geboren, meldet sich als junger Mann für den Militärdienst, er ist für einige Zeit in Nordirland stationiert. Er heiratet, bekommt einen Sohn, dann lässt sich das Paar scheiden. 1998 ist Karl Bushby rastlos. Da kommt ihm eine Idee: Eine Wanderung um die Welt.
Er will die längste Strecke um den Globus zu Fuß zurücklegen. In einem Interview sagt er heute: "Man muss einfach irgendwann diesen Schritt wagen und da raus gehen. Und dann steht man plötzlich am Beginn einer 50.000 Kilometer langen Straße."
Kein Boot, Zug oder Flugzeug
Im Herbst 1998 fliegt er nach Chile, ausgerüstet mit nicht einmal 400 Pfund, einem Handkarren und Campingmaterial. Er stellt zwei Regeln für die Reise auf: Er darf nur zu Fuß gehen, Boot, Flugzeuge oder Züge sind verboten. Und: Die Rückkehr nach Hause darf nur zu Fuß erfolgen.
Und dann zieht er los. Von Patagonien gen Norden, durch die bis heute lebensgefährliche Darién Gap, einen etwa 100 km breiten Landstreifen in der Grenzregion zwischen Panama und Kolumbien, der größtenteils von Regenwald bedeckt ist. In Arizona besucht ihn 2002 ein BBC-Team. Bushby beschreibt damals, welche Herausforderungen er meistern muss: "Wenn ich da hinten über die nächste Bergkette gehe, da beginnen die Probleme. Ich könnte mit meinem Equipment einfach da reinfallen."
Hull im Ausnahmezustand: Bushbys Rückkehr sorgte für viel Trubel in der englischen Stadt.
Russland verweigert Einreise
Karl Bushby gerät immer wieder an seine Grenzen. Die Behring-See überquert er von Alaska Richtung Russland - er läuft über das dichte Packeis, zieht sein Equipment auf einem Schlitten, manche Strecken muss er durch das eiskalte Wasser schwimmen. Nur, um auf der anderen Seite von der russischen Grenzpolizei gestoppt zu werden.
Er habe gehofft, wegen seiner Überquerung zu Fuß würde er freundlich empfangen werden, erklärt er damals - vergebens.
Jahrelang gewartet und Dinge organisiert
Und genau solche Momente entzaubern Bushbys Reise gelegentlich. Denn: Nachdem er an der russischen Grenze gestoppt wird, fliegt er zurück nach Mexiko, um dort zu warten - ihm geht das Geld aus, gleichzeitig dauert der Streit um ein Visum an.
Aus seiner Sicht passt das aber in seine Regeln: Die Flüge werden immer für einen Weg zurück, nicht für den Fortschritt vorwärts genutzt. Diese administrativen Wege hätten aber die Reise verlängert. "Ich bin eigentlich nur 15 Jahre gelaufen. Den Rest der Zeit habe ich damit verbracht, mich um Dinge zu kümmern - oder einfach zu warten. Weil ich nicht bereit war, mich auf Kompromisse einzulassen."
Mit dieser Handkarre legte Bushby einen großen Teil seiner Strecke zurück. Darauf sind all seine Habseligkeiten für die Reise.
Erstes Treffen mit 12-jähriger Enkelin
Nun hat er seine Reise geschafft - ohne Kompromisse. Bei seiner Rückkehr nach Hull wird Bushby als Held gefeiert, seine Mutter nimmt den Sohn enthusiastisch in Empfang. Sie hat ihn zwar drei Mal unterwegs besucht, aber seit fast 30 Jahren nicht zu Hause gesehen.
Es gibt aber auch kritische Stimmen: Er sei ein leichtsinniger Abenteurer, ein Mann auf einem Egotrip. Andere kritisieren, dass er mit seinem Trip den damals achtjährigen Sohn im Stich gelassen habe. Er habe das in Kauf genommen, erklärt Bushby in einem Interview.
Er habe seinem Sohn zeigen wollen, dass er etwas wert sei. Der Sohn ist heute 36 Jahre alt und empfängt den Vater ebenfalls ins Hull; zusammen mit seiner eigenen 12-jährigen Tochter, die den Großvater noch nie getroffen hat.
Werner Herzog verfilmt Abenteuer
Der Abenteurer ist also wieder zu Hause, die "Goliath Expedition", wie er seine Reise nannte, ist vorbei. Und jetzt? "Es ist traurig, denn ich muss mich jetzt von ganz vielen Dingen verabschieden", sagt er. "Ich bin etwas ängstlich, ich steuere auf eine Art schwarzes Loch zu, weil ich nicht weiß, was als Nächstes kommt. Ich habe mein halbes Leben mit dieser Aufgabe verbracht. Aber gleichzeitig treffe ich meine Familie wieder, treffe meine Mutter wieder - und trotzdem kann ich dieses Gefühl kaum beschreiben."
So ganz planlos ist seine Zukunft dann aber doch nicht: In zwei Wochen startet er eine Tour und berichtet über das Erlebte. Und eine Dokumentation über sein Abenteuer ist auch schon in Arbeit - Regie für niemand Geringeres als Oscar-Preisträger Werner Herzog.
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