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Monday, November 2, 2026

Durch Oleschky bekannte Russin: Jana Lantratowa ist wohl die fragwürdigste Menschenrechtsbeauftragte der Welt

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Durch Oleschky bekannte RussinJana Lantratowa ist wohl die fragwürdigste Menschenrechtsbeauftragte der Welt

02.11.2026, 15:53 Uhr imageVon Robin Grützmacher

Kuscheln mit Haustieren und Umarmungen für Kinder vor der Kamera: in Oleschky kann sich Jana Lantratowa als Humanistin inszenieren. Dabei ist die Putin-treue 37-Jährige Kriegsbefürworterin. Kiew arbeitet trotzdem mit ihr zusammen, um Zivilisten und gefangengenommenen Soldaten helfen zu können.

Die Waffenruhe im Gebiet der von Russland besetzten ukrainischen Stadt Oleschky hat die Hoffnungen größer werden lassen, dass es in Zukunft mehr solcher Vereinbarungen geben könnte. Möglicherweise könnte so in Zukunft weiteren Zivilisten geholfen werden. Der Menschenrechtsbeauftragte des ukrainischen Parlaments, Dmytro Lubinez, schrieb auf Telegram, er und seine russische Amtskollegin Jana Lantratowa prüften die Möglichkeiten für ähnliche humanitäre Bemühungen.

Lantratowa hatte während der Oleschky-Waffenruhe ein positives Bild von sich vermitteln können. In der Stadt gab sie gemeinsam mit Lubinez Interviews, kuschelte vor den Kameras einen kleinen Hund oder umarmte Kinder. Der Ukrainer und die Russin erwähnten auf ihren X-Accounts regelmäßig die Zusammenarbeit und teilten gemeinsame Bilder und Videos. Er mit der ukrainischen Flagge auf den Klamotten, sie mit der russischen.

Vieles wirkte harmonisch - und vielleicht leistet ein kollegiales Verhältnis zwischen den beiden wirklich einen Beitrag dazu, dass zukünftig noch mehr Zivilisten gerettet werden. Auch Gefangenenaustausche konnten seit Lantratowas Amtsantritt im Sommer dieses Jahres durchgeführt werden.

Ein Selbstläufer war die Evakuierung aus der Frontstadt Oleschky trotzdem nicht. Auch Lantratowa tut letztlich nur das, was Moskau zulässt. Lubinez sprach auf X von "schwierigen Verhandlungen". Bemühungen der USA trugen einen Teil zum Erfolg bei. Es gibt Stimmen, die meinen, der Kreml habe die Aktion nur erlaubt, um der Trump-Regierung zu gefallen und weitere Sanktionserleichterungen zu erreichen.

Lubinez weiß letztlich sehr genau, wen er mit Lantratowa vor sich hat. Und dass es in seiner Heimat an der Zusammenarbeit mit ihr auch Kritik gibt. Die 37-Jährige ist keine Humanistin, sondern eine vehemente Befürworterin des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges. Im Sommer sagte Lantratowa kurz nach ihrem Amtsantritt dem russischen Präsidenten Wladimir Putin: "Die Unterstützung der Militäroperation war und ist für mich stets oberste Priorität." Die von Russland besetzten Teile des ukrainischen Donbass bezeichnete sie als "historische, befreite Gebiete".

Beteiligt am Verschwinden von Kindern

Der wohl schwerwiegendste Vorwurf gegen Lantratowa sind Kindesentführungen. Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft und der Inlandsgeheimdienst SBU beschuldigen sie, dem Chef der Partei Gerechtes Russland geholfen zu haben, ein Mädchen illegal zu adoptieren. Zudem soll auch ein Junge mit Lantratowas Hilfe entführt worden sein.

Die in Sankt Petersburg geborene Russin sei Ende August 2022 mit einer weiteren Person unter dem Vorwand eines offiziellen Besuchs in das besetzte ukrainische Cherson gereist, um Kinder auszuwählen. "Dort besichtigten sie die Kinder in einer von der Besatzungsmacht betriebenen Einrichtung, die illegal auf der Grundlage des regionalen Kinderheims von Cherson eingerichtet worden war", so die ukrainischen Behörden. Das Mädchen sei eine Waise und der Junge aufgrund schwieriger familiärer Lebensumstände in der Einrichtung gewesen. "Die Kleinkinder wurden unter dem Vorwand einer zusätzlichen medizinischen Untersuchung in einem Krankenhaus illegal nach Moskau gebracht."

Gegenüber Putin sagte Lantratowa im Juni, sie habe bereits 2014 begonnen, die "Evakuierung" von Kindern aus dem Kampfgebiet zu organisieren. Russland ließ damals mithilfe ukrainischer Separatisten die Ostukraine angreifen. "Es gelang, 2.700 Mütter und Kinder sowie 128 kranke und verletzte Kinder auf das Territorium unseres Landes zu bringen. Ihnen wurde Hilfe, Behandlung und Rehabilitation zuteil", so Lantratowa.

Das russische Verständnis von Humanismus sieht folglich so aus: Militärische Angriffe starten, um Territorium zu erobern, und sich vor Ort dann als Retter inszenieren. Das war auch in Oleschky kürzlich der Fall. Die Mehrheit der abreisewilligen Bewohner in der Frontstadt entschied sich dann aber offenbar, die vermutlich einmalige Chance wahrzunehmen, sicher aus der Frontstadt in die Ukraine zu reisen - und nicht nach Russland. Offizielle Zahlen gibt es bislang jedoch noch nicht dazu.

Zusammenarbeit hilft Zivilisten

Lubinez hatte sich Anfang Juni zum ersten Mal mit Lantratowa getroffen. "Es war ein ernstes und äußerst sensibles Treffen - angesichts der Art der besprochenen Themen und des gesamten Kontextes", sagte der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte ntv.de im Sommer dazu. "Mein Fokus lag dabei jedoch nicht auf persönlichen Emotionen, sondern auf einem professionellen und humanitären Ansatz, der auf konkrete Ergebnisse abzielt - vor allem auf die Rückkehr unserer Menschen und Fortschritte in humanitären Fällen."

Beide einigten sich damals darauf, alle "zuvor erzielten positiven Fortschritte" fortzuführen. Lubinez nannte dabei die "Überprüfung und Rückführung von Kriegsgefangenen und rechtswidrig festgehaltenen Zivilisten, die Zustellung von Briefen und Paketen von Kriegsgefangenen an ihre Familien, gegenseitige Besuche und Inspektionen der Haftbedingungen, Bemühungen zur Familienzusammenführung sowie die Klärung des Schicksals von Personen, die unter besonderen Umständen vermisst werden."

Die "Moscow Times" nannte Lantratowa eine "bekennende Verfechterin des konservativen politischen Kurses in Russland". Sie soll sich unter anderem einen Namen damit gemacht haben, für das Verbot von "LGBTQ-Propaganda" einzutreten. Auch unterstützte sie den Vorschlag, Lager für Alkoholkranke zu schaffen.

Menschenrechtler beschrieben Lantratowa gegenüber dem Medium als junge Karrieristin, die vollständig vom aktuellen politischen System in Russland geprägt sei. Sie beklagte einst, dass nach Beginn der russischen Invasion in der Ukraine viele "bekannte Verteidiger der Menschenrechte" ins Ausland gegangen seien und sich dort "gegen ihr eigenes Land" aussprechen würden.

Die 37-Jährige trat 2021 der kremltreuen Partei Gerechtes Russland bei und wurde für diese in die Staatsduma gewählt. 2011 war sie für die Kreml-Partei Einiges Russland angetreten und hatte den Einzug verpasst. Von 2015 bis 2019 war Lantratowa die Exekutivsekretärin des Präsidialen Menschenrechtsrats. Einen Sitz dort erhielt sie zum ersten Mal 2012.

Folglich hat die Sankt Petersburgerin viele Erfahrungen im Bereich Menschenrechte gesammelt. Diese basieren jedoch auf der russischen Auslegung unter Wladimir Putin - und widersprechen damit vielen internationalen Vereinbarungen.

Ein Journalist von Sky News hatte kürzlich die 34. Marinebrigade der Ukraine besucht und konnte sich ein Bild davon machen, wie die russischen Truppen im Rahmen der "humanitären Waffenruhe" Panzer und andere Ausrüstung nach Oleschky brachten. Die Ukrainer befürchten deswegen neue, schwerwiegende Attacken auf die nahegelegene Großstadt Cherson. Sie ist unter anderem bekannt geworden für "Menschen-Safaris", also gezielte Angriffe auf ukrainische Zivilisten. Kritisiert wurden diese von Jana Lantratowa noch nie. Würde sie sich zu so einem Schritt entscheiden, wäre ihre Karriere wohl sofort zu Ende.

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